6. Juni 2008

Interessante Links

Bildungsillusionen
Der Glaube an die Heilkraft der Bildung gehört seit je zu den Grundpfeilern der deutschen Ideologie. In einem verträumten Land, das am liebsten seine Grenzen abdichten und gleichzeitig die ganze Welt umschlingen möchte, soll es im Notfall immer die Bildung richten. Jedes soziale oder persönliche Problem hält man hierzulande zuerst für eine Erziehungsfrage. ...
Doch damit nicht genug. Lebenslang hat der moderne Untertan zu lernen. Die Gesellschaft als Erziehungsanstalt und das Leben als Bildungsprozess, das ist der Wunschtraum einer pädagogischen Politik, welche sich als Hüter der Sittlichkeit und Gerechtigkeit, der Effizienz und Exzellenz aufspielt. Von der Wiege bis zur Bahre möchte sie die Zöglinge auf die Schulbank drücken. Für jede Misshelligkeit steht ein Hort der Belehrung, Umerziehung und Nachschulung bereit. Bis zuletzt hat sich das unfertige Gattungswesen zu verbessern, und ist es nicht willig, so braucht es Pflicht und Disziplin. Als ob Zwang jemals zum Lernen angespornt hätte. ...
Dennoch schwelgen die Sonntagsreden weiter in Phrasen und Illusionen. Öffentliche Bescheidenheit ist daher unvermeidlich. Die Grenzen der Bildung liegen auf der Hand. Bildung schafft keine Arbeitsplätze und keine Gerechtigkeit. Sie hebt nicht die soziale Moral und vertreibt weder Sucht noch Gewalt. Vorschulen und Nachhilfen lösen keine gesellschaftlichen Probleme. Im besten Falle vermittelt die Erziehung den Menschen Mut zur selbständigen Lebensführung, nüchterne Urteilsfähigkeit und brauchbare Kenntnisse, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Quelle: Deutschlandradio Kultur am 26.05.2008


"Wer eine Schulpflicht propagiert, irrt. Wer Schulzwang anwendet, handelt kriminell."
Quelle: http://www.schulpflicht-schulzwang.de/
Lernen ohne Schulzwang
Schulzwang, was ist das?
Zum Tag des Grundgesetzes am 8.Mai (2009 besteht das Grundgesetz 60 Jahre lang)
Alles zu den nach England vertriebenen Landahls aus Baden-Württemberg
http://www.causa-altensteig.de/
Ein Bericht über das 3. Internationale Kolloquium zu Home Education in den Niederlanden
http://schul-frei.blogspot.com/2008/05/he-tof-home-education-colloquium-and.html
Vortrag (engl.) von Sir Ken Robinson: Do schools kill creativity? (Für Leute, die durch ihre Schule nicht deutsch und dumm geblieben sind ;-)
http://www.ted.com/index.php/talks/view/id/66?gclid=CPyxsoSCk40CFRWOEgodBD7-Fw
"Alternative education" at Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Alternative_education
Aus der US-Forschung: Die meisten Amerikaner finden Homeschooling besser als die Staatsschule - und viele weitere Ergebnisse im Kontext dazu
http://www.ellisonresearch.com/releases/20080424.htm

Literatur

Buchbesprechung von S. Sedlaczek:

"Erledigt: Die verratene Familie. Politik ohne Zukunft"

von Jürgen Liminski

Der meisthin natürliche Bildungsort seit Menschengedenken für Kinder ist die Familie. Das beginnt sich erst jetzt zu ändern und die Politik, die gleichsam Familie und Bildung staatlich zu ersetzen sucht, beschädigt damit gleichsam beides: gute Bildung und gute Familien. Dies ist kein Zufall und so macht die Betrachtung der staatlich verursachten Probleme, die die Familien im Zeichen des Politik- und Staatswahnes zu erleiden haben, Sinn, auch um zu verstehen, warum die Bildungsfreiheit insbesondere in Deutschland derart eingeschränkt ist. ...
Darin besteht ja auch der Verrat: Die Politik redet sonntags von Familienpolitik als Politik für Familien und macht Familien werktags mittels Familienpolitik gegen Familien kaputt. Wie zuletzt am 24.04.2008 als der Bundestag einstimmig noch stärkere staatliche „Eingriffe in Familienstrukturen“ ermöglichte. Es ist das Verdienst des Autors, auch dies erkannt zu haben.
Quelle: http://bildungsfreiheit.org/?id=4710

Familien und Kinder

Warum bayerische Richter immer wieder denselben Gutachter bestellten
Verquickung von Gerichten und Gutachterfirma beschäftigt das Justizministerium - Kritiker fürchten Monopolstellung - "Gefahr der Kumpanei" ...
Schon seit Jahren steht die GWG in der Kritik. Mehrmals haben sich der Bayerische Landtag und das Justizministerium mit Beschwerden über die GWG auseinandersetzen müssen. Zumeist handelte es sich um strittige familiengerichtliche Verfahren, bei denen es vor allem um das Sorgerecht der Kinder ging. In dem Schreiben der Justizministerin heißt es, die Beschwerdeführer warfen den Gutachtern der GWG einseitiges, unwissenschaftliches oder zu kostenintensives Vorgehen vor. ...
Quelle: Welt am 2.06.02008


Mehr Bildung - gluecklichere Kinder und Jugendliche?
- UEberraschende Ergebnisse des UNICEF Berichtes
Der aktuelle UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland ueberrascht nicht nur mit seiner in offiziellen Studien (und der politischen Praxis) selten geworden Einschaetzung zum Stellenwert von Eltern bei der kindlichen Entwicklung (vgl. HBF 26.05.08). Nicht weniger lesenswert ist das Urteil ueber die Moeglichkeiten des Bildungssystems, Kindern bei der Entwicklung zu einer stabilen und sozialen Persoenlichkeit zu helfen. Unter diesem Blickwinkel betrachtet, liefern gerade die Spitzenreiter der PISA-Bildungsstudien (z.B. Finnland oder Kanada) und die Krippen-Vorzeigelaender heilsam ernuechternde Ergebnisse.
Quelle: Heidelberger Büro für Familienfragen und soziale Sicherheit (HBF) vom 2.06.2008
Kinderarmut
„Die Politik tut nichts“
Die Bundesregierung kümmert sich zu wenig um die Probleme armer Kinder, kritisiert Wolfram Hartmann vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. ...
Hartmann: Viele Eltern können Grundbedürfnisse ihrer Kinder in puncto Ernährung und Bewegung nicht erfüllen, sie geben aber auch zu wenig Anregungen. Diese Kinder haben häufig ein niedriges Selbstwertgefühl, neigen zu Depressionen und fühlen sich benachteiligt. In der Schule fallen sie oft durch aggressives Verhalten auf. ...
Quelle: Focus am 01.06.2008
Familiennetzwerk spricht von Entrechtung der Eltern.
Der Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren, der Ausbau der behördlichen Kinder- und Jugendhilfe sowie zunehmende Sorgerechtsentzüge trügen Züge einer zunehmenden Entrechtung von Eltern, so Maria Steuer. ...
Quelle: factum-magazin am 03.06.2008

Schul(system)versagen ... ist das Versagen der Schule, nicht ihrer Schüler.

Lehrerin lässt Autisten aus der Klasse wählen
Der fünfjährige Alex ist anders als die anderen Kinder einer Vorschule in Florida. Seine genervte Lehrerin warf ihn aus dem Unterricht - und ließ die Klasse abstimmen, ob er zurückkommen darf. ...
Quelle: Schulspiegel am 30.05.2008
Anmerkung: Kein Grund zu Überheblichkeit: Hierzulande werden solche Kinder gar nicht erst inkludiert.


Schule akut
Schule ist Thema Nummer 1 in der Familie – leider!
Ein Interview mit Bettina Peetz aus der Geschäftsleitung von JAKO-O
Sie unterstützen „Schule – akut“. Warum?
Weil jedes Mutter/Mutter-Gespräch binnen fünf Minuten beim Thema Schule landet. Jammern bringt aber nichts und macht nur schlechte Laune. Wir müssen kämpfen, dass sich etwas ändert und deshalb mache ich mit. Und – seit Pisa wurde wohl schon einiges getan, aber ich finde genau das Falsche. Das empört mich sehr. ...
Quelle: Neue Presse am 3.06.2008
Schule als Knast
Schüler einsperren: Ein Hilferuf überforderter Lehrer
Jede Geschichte, die das Leben schreibt, hat mindestens zwei Seiten. Im Fall jenes behinderten Kindes, das die Sonderschule „zur Beruhigung“ in einen hölzernen Zwinger sperren wollte, waren die Lehrer völlig überfordert. ...
Aber diese Maßnahme ist verboten, weswegen die Schulbehörde diese sofort untersagte. Optik und historischer Zusammenhang sind verheerend: Ausgerechnet in Hartheim wollten Pädagogen ein behindertes Kind in einen Holzverschlag sperren. Dort, wo die Nazis in der Tötungsanstalt gemäß der mörderischen Doktrin „unwertes Leben“ 30.000 Menschen umbrachten. Der Appell, dass unsere Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten darf, bleibt aufrecht.
Quelle: OÖNachrichten am 03.06.2008
Das Abi-Chaos von Nordrhein-Westfalen
Der blanke Schüler-Horror: Klausuraufgaben, die kein Mensch versteht oder für die es keine Lösung gibt. ...
Gleich reihenweise verzweifelten die Schüler - und manche Lehrer - in Mathe-Leistungskursen am "Oktaeder des Grauens", wie eine Aufgabe schnell getauft wurde. Er habe nicht "auch nur annähernd einen Lösungsansatz" finden können, sagt etwa Jan aus Arnsberg. Er fühlte sich mit einer Vornote von 14,5 Punkten eigentlich gut vorbereitet. ...
Quelle: Spiegel Online am 04.06.2008
Vorschläge gegen Bildungsarmut
Reformunfähigkeit der Kultusministerien ...
Baumert zielt damit auf das Kernproblem der deutschen Schule: die Bildungsarmut, die sie produziert. In Deutschland bleiben jedes Jahr 250.000 Jugendliche sitzen, 80.000 verlassen die Schulen ohne Abschluss und ein Fünftel der 15-Jährigen hat massive Leseschwächen.
Ernst Rösner vom Institut für Schulentwicklungsforschung in Dortmund zeigte sich erfreut ob der heftigen Kritik. "Allmählich scheinen die Forscher, die bisher so handzahm waren, ungeduldig zu werden."
Rösner selbst hat die Geduld mit der Kultusministerkonferenz längst verloren. "Da kommen nur Beschlüsse mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner heraus. Große Würfe sind nicht zu erwarten." ...
Der renommierte Forscher hatte 2006 eine Pisa-Sonderauswertung mit verheerenden Ergebnissen veröffentlicht - ohne dass die Kultusminister darauf reagiert hätten. Baumert hatte bei der Untersuchung der deutschen Hauptschulen gezeigt, dass in 17 Prozent eine derart frustrierende bis depressive Lernsituation herrsche, dass man sie nur schließen könne. Dort befinden sich 40 Prozent Jugendlicher, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, und ebenso viele, die häufig Gewalterfahrungen machen. Ein Drittel ihrer Eltern ist arbeitslos, ein Drittel hat keinen Beruf. ...
Quelle taz am 04.06.2008

Leserechos

mein sohn ist 12, ist viereinhalb jahre lang zur schule gegangen
(grundschule & dann noch ein halbes jahr gesamtschule)
& lebt/lernt nun seit fast anderthalb jahren daheim. unterbrochen von
einem kurzen versuch mit einer sudbury-schule, der aber
nicht funktioniert hat.

mit 'durchstehen' meine ich zb dass was auch im text vorkommt:
bevormundung, zwang, gängelei. der druck, sich einfügen zu
sollen, mitmachen, funktionieren zu sollen, nicht seinem eigenen weg
folgen zu dürfen. beurteilung in jeder hinsicht, nicht so
sein gelassen & akzeptiert zu werden wie eineR ist.

die sprüche, die ich gehört habe, waren meist: dein sohn macht nicht
mit, macht was er will, fügt sich nicht ein, redet dazwischen,
quatscht die ganze zeit mit dem nachbarn, verweigert sich ... die
lehrerInnen in der grundschule haben immerhin auch noch andere
aspekte seines verhaltens & seiner persönlichkeit wahrgenommen & erwähnt
(da war es eh noch relativ okay, sie haben die kinder
sehr individuell angenommen & sie einigermassen machen lassen - immer im
rahmen des plans, aber immerhin), an der gesamtschule
interessierte dann aber ausser dem funktionieren im unterricht nichts
mehr ... mein sohn war nach dem ersten tag dort gleich erstmal
3 tage "krank". dann hab ich ihn wieder dorthin "gedrängt" :( ... in den
folgenden monaten konnte ich zusehen, wie mein vorher so
fröhlicher, an allem interessierter, hochbegabter sohn immer schlechter
drauf war, unglücklicher, aggressiver wurde. dauernd
starke kopfschmerzen hatte. seinen wissensdurst & sein interesse verlor,
sich in der schule zunehmend verweigerte ... im wesentlichen
hat er in diesem monaten vermeidungsstrategien & lügen gelernt. so ab
dezember weigerte er sich immer öfter & schliesslich ganz,
dort hin zu gehen ... cecilia in homeschooling_D bei yahoo am 30.05.2008


Wir sind Studierende der Uni Paderborn und suchen im Rahmen einer Forschungswerkstatt Familien, die zu Hause unterrichten, um Sie zum Thema Homeschooling zu befragen. Unsere Untersuchung dazu hat zum Ziel, einen Eindruck davon zu bekommen, wie sich die Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, entwickeln. Diese Ergebnisse wollen wir mit Kindern, die die Schule besuchen, vergleichen. Dazu wollen wir Homeschooling-Familien befragen.
WIR BRAUCHEN JEDE HILFE! MELDET EUCH ZAHLREICH!
Vielen Dank schonmal im Voraus.
PS: Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt.
Kontakt: rachel_haas@web.de
Sehr geehrter Herr Edel, wir stellen derzeit erste Überlegungen an, uns einen Zweitwohnsitz im Ausland zuzulegen. Da wir in der Wahl des Landes ganz frei sind, wollte ich mich bei Ihnen erkundigen, ob eines unter dem Gesichtspunkt des Homeschooling und des Umgangs damit besonders anzuraten ist. Ich freue mich auf Ihre Antwort!
Mit freundlichen Grüßen Ihre M.H.

Eine gute Idee. Wenn Sie auf Deutschsprachigkeit Wert legen, käme Dänemark oder auch Belgien (deutschsprachige Gemeinschaft dort) ganz gut in Frage.
Polen, wegen der Nähe, ist z.Z. auch in Regierungskreisen recht aufgeschlossen, es gibt dort aber bereits jetzt schon keine Probleme.
In Österreich muss man sich registrieren lassen und jährliche Beurteilungen bestehen. Das ist in den zuerst genannten Ländern und in allen englischsprachigen Ländern anders. Wenn Englisch kein Problem oder sogar erwünscht ist, ist Irland, Schottland oder England innerhalb Europas die beste Wahl, weil es dort auch die meisten Familien gibt, mit denen man sich zusammen tun kann.
Aber auch Frankreich (Fernschulschwerpunkt), Tschechien (Stammschulprinzip) oder auch Italien (Sonne; Freiheit; und Südtirol hat auch sehr gute Möglichkeiten in deutschsprachigen Schulen) haben ihre Vorzüge.
Herzliche Grüße,
Jan Edel


Hallo Jan, ich hab` gerade mein drittes und viertes Ausbildungsmodul EU Fundraising
genossen und bin sehr zuversichtlich, dass mein Wissen, dass ich erwerbe, dazu beiträgt den Schulzwang ad acta zu legen. Vielleicht machst du noch ein wenig Werbung für meinen Aufruf, obwohl ich davon überzeugt bin, dass ich die Finanzierung hinbekomme. Viel wichtiger wird die zukünftige Vernetzung sein. Ich möchte in kleinen Schritten immer ein Stück weiter gehen. Wobei ich meine Rolle darin sehe, die entsprechenden Mittel zu besorgen. Erst einmal "Moin". Üwken
Bankverbindung Netzwerk Bildungsfreiheit e. V. Kto.nr.: 61 727 108  BLZ.: 67 091 500
Volksbank Neckar Bergstrasse, Zweck: EU Fundraising
Lieber Jan, könntest Du mir eventuell helfen - mir ist ein wichtiger Text durch die Maschen gegangen. Es wurde Funktion und Mechanismus der gezielten, staatlich gelenkten Minderbildung genau erklärt. Ich find ihn einfach nicht wieder. Falls Du spontan eine Idee dazu für mich hättest, wäre das wunderbar. Viele Grüße M.
Hab es wieder gefunden. Der amerikanische Pädagoge John Taylor Gatto hat die Gründe für den Siegeszug dieses Modells im Industrialismus so beschrieben: Das System ziele darauf ab, "mittelmäßige Geistesschärfe zu produzieren, um das innere Leben zu verkrüppeln, um den Schülern nennenswerte Führungsqualitäten zu verweigern und um fügsame und unvollendete Bürger zu garantieren", kurz und gut, "um das gemeine Volk , kontrollierbar' zu machen". Man kann sich bis heute im Land überall davon überzeugen, wie erfolgreich das System war und ist. Viele Grüße M.

31. Mai 2008

Nachgehakt: Schulbesuchszwang zwingend?

Frage von Johanna Elser am 25.05.2008 auf www.abgeordnetenwatch.de
Sehr geehrter Herr Frankenhauser,

vielen Dank für Ihre Antwort. Leider sind Sie ja eher auf die Schule eingegangen, als auf die Option nicht auf staatliche Hilfe zu rekurrieren.
Hier haben Sie auch §7 genannt.
Dem wollte ich einige Anmerkungen anfügen - auch wenn ich weiß, dass Ihre Zeit wahrscheinlich sehr knapp bemessen ist.

Zuerst einmal wollte ich den §6 anführen. Dieser gibt der Familie den absoluten Vorrang und folgende Passage ist besonders wichtig:

(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.

Unter Trennung verstehe ich auch eine zeitweilige, oder ist das anders gemeint?

Sie haben in Ihrer Antwort geschrieben:
Den regelmäßigen Schulbesuch von Kindern halte ich für unverzichtbar für die Entwicklung ihrer sozialen Kompetenzen und für die pädagogische und altersgerechte Wissensvermittlung durch staatlich ausgebildete Lehrkräfte.

Das bedeutet, dass Sie den Eltern und der Nachbarschaft generell unterstellen, dieses für Ihre Kinder nicht ebenso leisten zu können, wie "Lehrer". Ob die Eltern selber Lehrer sind z.B. ist hier (für Sie) uninteressant.

Leider widerspricht diese Antwort meinem Bild von Rechtsstaatlichkeit:
Ob Eltern schlechter sind als Lehrer muss in jedem Fall (indem Eltern das für sich beanspruchen) einzeln nachgeprüft werden. Alles andere ist eine pauschalisierte Vorverurteilung.

Der Verweis auf Landesgesetze gilt hier nicht, da die Familie und der §6 meines Wissens nicht nachgeordnet sind.

Niemand kann seinen Kindern guten Gewissens empfehlen die Schule zu besuchen, solange diese Regelung den Besuch zu einem Zwang macht.
Also Sorgerechtsentzug, Bußgelder und Verbringung durch Polizei die Konsequenzen sind - solange das Kindeswohl nicht gefährdet ist.

Können Sie sich wirklich keine Versöhnung mit Homeschoolern vorstellen (unter §6)?

Mit freundlichen Grüßen

Johanna


Antwort von Herbert Frankenhauser (MdB) vom 27.05.2008
Sehr geehrte Frau Elser,

vielen Dank für Ihre Nachfragen zum Thema "Homeschooling" vom 25. Mai auf Abgeordnetenwatch.

Der von Ihnen erwähnte Gesetzestext beinhaltet Regelungen über den Entzug der Vormundschaft der Eltern. Er regelt, dass der Staat unter bestimmten Voraussetzungen die Kinder den Eltern entziehen darf, wenn Leib und Leben der Kinder in Gefahr sind. Der Gesetzgeber hat hier aber sehr enge Grenzen gesetzt, die für "Ihren Fall" wohl kaum Anwendung finden.

Mit meiner vorherigen Antwort habe ich nicht unterstellen wollen, dass es die Aufgabe von Schulen oder Lehrern wäre, für die Erziehung der Kinder zu sorgen, das ist die Aufgabe der Eltern. Das soziale Umfeld in Schulen ist aber in der Regel gut geeignet für die Entwicklung der Kinder, diese können ja nicht ihr ganzes Leben lang in der Familie bleiben und lernen so bereits in der Schule den Umgang mit anderen Menschen.

Zuletzt möchte ich Ihnen noch sagen, dass mein Verweis auf die Landesgesetze ebenfalls anders gemeint war. Sie scheinen mit den Inhalten, die Kinder auf staatlich anerkannten Schulen vermittelt bekommen, nicht einverstanden zu sein. Für diese Inhalte sind jedoch die Bundesländer zuständig und nicht der Bund. Meine Antwort zielte also darauf ab, dass Sie sich an das Bayerische Kultusministerium wenden sollten, wenn Sie sich für eine Änderung der Lehrinhalte dahingehend einsetzen, dass Sie keine Notwendigkeit für "Homeschooling" mehr sehen.

Abschließend möchte ich Ihnen, sehr geehrte Frau Elser, noch sagen, dass ich weiterhin davon überzeugt bin, dass Kinder eine staatlich anerkannte Schule besuchen müssen.

Mit freundlichen Grüßen
Herbert Frankenhauser, MdB


Kommentar SF e.V.: Es mag sein, dass das soziale Umfeld in Schulen "gut geeignet" für die Entwicklung eines Kindes ist - wer auch immer dieses "gut geeignet" zu bestimmen und zu beurteilen vermag. Trotzdem scheint es aber zu viele Ausnahmen von dieser Regel zu geben und daher ist es unzulässig, für ausnahmslos alle Kinder und Jugendlichen Schulbesuch zu erzwingen. Also: Mit welchem Recht überhaupt darf Schulzwang demokratisch, also per Mehrheitsbeschluß, bestimmt werden?
Die Faszination an Homeschooling besteht ja auch darin, sich durch niemanden etwas vorschreiben zu lassen und durch nichts fremdbestimmt zu werden, solange eigenverantwortlich für das Wohl und eine gute Bildungskultur von Eltern und Kindern gesorgt werden kann.

Interessante Links

Schule als Ort der Muße - Der wahre (ursprüngliche) Sinn der 'Scholé'
Quelle: bildungsfreiheit.org am 21.05.2008


Wenn der Schulvogt zuschlägt…
4000 Franken Busse
Von Chefredaktor Ulrich Schlüer
... Wer entscheidet: Eltern oder Behörden? Der Schulrat lehnte alle sechs Gesuche ab: Nach neuem Gesetz gelte die Schulpflicht mit fünf generell. Nur «triftige Gründe», z.B. eine schwere Behinderung, würden eine Ausnahme erlauben.  ... 
Der Entscheid von Familie Holdener, ihren ältesten Buben erst im August 2008 einschulen («Einschulung» bezieht sich heute noch auf den Kindergarten, mit dem HarmoS-Beitritt dann auf die neue «Basis-Stufe» mit schulischem Charakter) zu lassen, hat den Staat – mit Ausnahme der von der Verwaltung selbst veranlassten Umtriebe – keinen Franken gekostet. Holdeners Ältester geht einfach ein Jahr später zur Schule. Die saftige Busse diente einzig dazu, einer eigenständigen, für ihre Kinder nach bestem Wissen und Gewissen sorgenden Familie zu demonstrieren, dass die hohen Herren der Obrigkeit nicht mit sich spassen lassen: Widerrede von Untertanen wird nicht geduldet.
Besser-Wisser mit Machtmitteln zerstören die Volksschul-Demokratie.
Quelle: Schweizerzeit am 30.05.2008
Anmerkung: Die Schweizer Rechtschreibung schreibt Busse statt Buße vor. Für Franken und andere Deutsche kann das vielleicht zu Verwirrungen führen. Wichtiger allerdings zu wissen ist, dass es auch in der Schweiz Möglichkeiten der freien Bildung gibt, wenn rechtzeitig ein entsprechender Antrag gestellt wird. Wer sich jedoch dem Schulsystem verschreibt, muss sich auch seinen Ordnungen leben.
Hochbegabt: Zehnjähriger will jetzt Astrophysik studieren
Mit acht Jahren gab er Kommilitonen Nachhilfe, mit zehn steuert er stramm auf den College-Abschluss zu und hat den Notenschnitt Eins plus. ...
Moshes Eltern vermeiden es, ihr Kind ein Genie zu nennen. Er sei ein normales Kind, er lerne ebenso gern, wie er Fußball spiele, Jackie-Chan-Filme schaue und Spielzeugautos sammle. ...
Mit sechs schickten sie ihn in auf eine private Grundschule - aber die wollte "mich nicht nehmen, weil ich mehr wusste als der Lehrer dort", erzählt Moshe. "Ich soll zu gelangweilt geschaut haben." Also unterrichteten die Eltern Moshe zunächst zu Hause, entschieden sich aber nach zwei Jahren, ihn zum East Los Angeles College zu schicken. Am Anfang besuchte er nur zwei Kurse, einen für Mathematik und einen für Sport. Er schaffte in beiden eine Eins Plus und durfte danach weitere Kurse belegen. ...
Quelle: Spiegel am 23.05.2008
Anmerkung: In Deutschland würde dieses Kind zwecks ordentlicher Sozialisation zunächst mindestens 10 Jahre in verschiedene Schulen gezwungen werden.
Generalschlüssel der Bildung
Das Internationale Abitur (IB) verschafft auch deutschen Schülern problemlos den Zugang zu Hochschulen in mehr als 100 Ländern. Nur im eigenen Land ist der Abschluss nicht überall anerkannt. ...
Quelle: Die Welt am 25.05.2008
Freie Schulen
Lernen ohne Regeln
Keine Pausenklingel, kein Frontalunterricht, keine Noten: Freie Schulen haben fast nichts mit dem Pauken an staatlichen Schulen zu tun. Die Kinder dürfen lernen, was und wann sie wollen. So auch in der Montessori-Schule in Berlin Köpenick. Lehrer sind hier "Begleiter" - und den Schülern tut es scheinbar gut. ...
Quelle: Stern am 24.05.2008
Schwerpunkt Bildung bei brand eins 5/2008 (im Magazin "Dummheit gibt's gratis")

Quelle: brand eins Online am 26.05.2008

Termine

Kinder! - ein Film über das Lerngenie der Kinder
Der Film "Kinder!" am 1. Juni (Internationaler Kindertag) in 32 Kinos
Reinhard Kahls neue Dokumentation Kinder! im Kino.
Albert Einstein antwortete einmal auf die Frage, wie er sich seine Entdeckungen erkläre: "Weil ich das ewige Kind geblieben bin." Bereits vor der Schule lernen die Kinder viel. In der Schule selbst verlernen einige dann wieder das Lernen.
Kinder sind die geborenen Lerner. Aber ihr Lerngenie wurde lange nicht weiter beachtet, begann das richtige Lernen doch erst mit dem Ernst des Lebens, der Schule. Dort verlernen sie aber häufig das Lernen - immer noch. Dabei ist es dem Forschen von Wissenschaftlern viel verwandter, als den bekannten Ritualen der Schule.
Quelle: Blog Ratgeber Kinderbuch


Themenschwerpunkt Schule vom 26. bis 31. Mai 2008 in Deutschlandradio Kultur. Jeden Tag soll es um ein spezielles Thema gehen: Frühkindliche Bildung, Grundschule, Haupt-, Real- und Gesamtschule, Gymnasium, berufliche Bildung.
Quelle: dradio am 26.05.2008
Conference 12/13/14 September 2008 in Arbroath, Angus, Scotland
International Freedom in Education Celebration 2008
Learning without Limits: a celebration of choice, diversity and freedom in education
Keynote speakers are John Taylor Gatto, New York and Iain Nisbet, Education Law Unit, Govan Law Centre, Glasgow.
Formal conference, informal conference and family activities
Organised by Scotland's national home education support organisation, Schoolhouse
Quelle und Info: http://www.schoolhouse.org.uk/news/events.html

Familien und Kinder

Unicef-Bericht: Warum von der Leyen mehr arme Kinder zählt als Scholz
Familienministerin kündigt höheres Kindergeld für große Familien an - SPD hält Ausbau der Infrastruktur und kostenloses Schulessen für sinnvoller
Quelle: Die Welt am 27.05.2008


Jedes sechste Kind von Armut bedroht
Die Armutsdebatte spaltet die Bundesregierung .. .
Nach einem Bericht des Familienministeriums sind 17 Prozent der Kinder (jedes sechste Kind) in Deutschland von Armut bedroht. Knapp 40 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden gelten als arm, ebenso 30 Prozent der Kinder aus Migrantenfamilien. Am stärksten betroffen sind Kinder und Jugendliche in Haushalten mit Hartz-IV-Bezug. Hier liegt das Armutsrisiko bei 65 Prozent. ...
Quelle: Finacial Times Deutschland am 26.05.2008
Prognos-Institut: Kinderarmut größer als erwartet
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat davor gewarnt, die Armut von Kindern in Deutschland zu unterschätzen. Sie legt alarmierende Zahlen vor. ...
Quelle: Focus am 26.05.2008

Schul(system)versagen ... ist das Versagen der Schule, nicht ihrer Schüler.

Brücken statt Barrieren
Beim Übergang von der Kita zur Grundschule bleiben viele Kinder auf der Strecke
...
Es gibt solcher Vorzeigepartnerschaften in Brandenburg. Doch noch immer sind sie die Ausnahme. „Übergänge von einer Einrichtung zu anderen stellen noch zu häufig eher Barrieren als Brücken dar“, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gestern zur Eröffnung des Bildungskongresses „Zwei Partner – eine Philosophie“ in Potsdam. Mehr als 250 Experten aus Kitas, Schulen, Kommunen, Politik und Wissenschaft berieten, wie durch eine bessere Gestaltung des Wechsels von der Kita zur Schule die Bildungschancen für Kinder gestärkt werden können. „Wir wollen kein Kind zurücklassen“, betonte Platzeck. Doch genau das passiert in vielen Fällen: Die individuelle Förderung von Kindern kommt schon in den ersten Lebensjahren zu kurz. ...
Quelle: Märkische Allgemeine am 27.05.2008


Porno- und Gewaltvideos an Schulen allgegenwärtig
Kinder und Jugendliche sind immer früher mit extremen Porno- und Gewaltvideos aus dem Internet konfrontiert. Das beklagt der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Jugendgefährdendes Bild- und Textmaterial würde beispielsweise zehnjährigen Mädchen in Schulpausen gezeigt - mit entsprechenden Folgen für die Entwicklung der Kinder. ...
Quelle: Golem am 22.05.2008
Studie: Schulbesuch Schlüsselfaktor für Alkoholismus
... Die letzte Einsicht zur Frage, "warum einige Iren so viel trinken", identifiziert eine Quelle für die Faktoren zu hohem Alkoholkonsum.
Die stärksten Trinker sind männliche Jugendliche, die entweder reine Jungenschulen, Internate oder anglikanische Regelschulen* besuchen, wie der Bericht herausstellt.
Der Bericht basiert auf einer Studie unter 4.450 Studenten des Universitätskollege Dublin (UCD), die im Jahre 2006 von Forschern des UCD Geary Instituts ausgeführt und finanziell vom Sprirituosengiganten Diageo unterstützt wurde. ...
Quelle (engl.): National News (of Ire) am 27.05.2008
* Fast alle Schulen in Irland sind privat, aber staatlich bezahlt und kirchlich geführt.
Missbrauch an Schule: Immer mehr Opfer
... Seit Mitte Mai befindet sich ein Schulwart aus dem Bezirk Melk wegen des Verdachts, elf Kinder sexuell belästigt zu haben, in Untersuchungshaft. Nun dürfte sich der Fall noch ausweiten: Laut Kriminalisten dürfte es noch weitere sieben Opfer geben. Die drei Mädchen und vier Buben gaben an, dass sie von dem 53-Jährigen sexuell belästigt worden seien. In dem Ort sitzt der Schock tief.
"Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Es kann sein, dass sich noch mehr Opfer melden. Der Schulwart war ja mehr als zehn Jahre an der Volksschule beschäftigt", berichtet ein Kriminalist. ...
Quelle: Kurier (A) vom 29.05.2008
15-Jährige von zwei Mädchen auf dem Schulhof misshandelt
... "Eine hat das Mädchen gehalten, die andere schlug zu - und traf es mindestens zehn Mal mit voller Wucht ins Gesicht", sagt ein Polizist. Danach entfernten sich die beiden 16-Jährigen - um eine Zigarette zu rauchen....
Das aus dem Mund blutende Opfer wurde von seinem Vater ins Landeskrankenhaus Villach gebracht. Die Diagnose: starke Prellung am Kopf, Kieferprellung sowie ein abgebrochener Zahn. Die beiden 16-Jährigen werden wegen Körperverletzung angezeigt.
Quelle: Kleine Zeitung (A) vom 29.05.2008
Die Diskussion um die sechsjährige Grundschule
Am Ende der sechsten Klasse lägen die Grundschüler bis zu zwei Jahre zurück hinter den Altersgenossen, die aufs Gymnasium gegangen sind, so das Fazit von dem Bildungsforscher Rainer Lehmann der Berliner Humboldt-Universität zur Untersuchung über die Lernzuwächse Fünft- und Sechstklässler an 69 Berliner Grundschulen und 31 Gymnasienin in Lesen und Mathematik.
Quelle: Deutschlandfunk am 24.05.2008
Teure Privatschulen - Noch ist Schulgeld steuerlich absetzbar
Eltern, die ihre Kinder auf eine Privatschule schicken, können das Schulgeld steuerlich gelten machen - allerdings nicht mehr lange: Ab 2011, so hat das Bundesfinanzministerium angekündigt, sollen Kosten für Privatschulen nicht mehr von der Einkommenssteuer abgesetzt werden dürfen. ...
Quelle: Deutschlandfunk am 23.05.2006
Null Bock auf Schule.
... Bundesweit steigt die Zahl der Schulverweigerer. Zehn Prozent aller Jugendlichen stehen nach Hagedorns Kenntnis ohne schulischen Abschluss da. Das vom Sozialfonds der EU mit 65 Prozent geförderte Projekt "Die 2. Chance" will die Reintegration in die Regelschule erreichen, gleichzeitig soziale Unterstützung geben. Von dem Angebot wissen alle Regelschulen.
Quelle: tlz.de am 27.05.2008
"Wir werden alle kriminalisiert"
Willkommen auf dem Big-Brother-Schulhof: Die Leiter mehrerer Wiener Schulen wollen Kameras an die Wände schrauben, um Vandalismus zu verhindern. Muss das sein? Schüler fühlen sich pauschal verdächtigt und wehren sich gegen eine Schule mit 1000 Augen.
Quelle: Spiegel Online am 28.05.2008