4. Mai 2008

Schul(system)versagen: Erst die Schule, dann der Schüler

Drakonische Strafen gegen Schulverweigerer haben versagt: 5.206 Ordnungswidrigkeitsverfahren, 730 Arreststrafen 2007 in Sachsen
Man fühlt sich an Tom Sawyer erinnert und seine Liebe zur Schulbank. 5.206 "Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verletzung der Schulpflicht" gab es 2007 in Sachsen. So gezählt hat es das Kultusministerium auf Anfrage der FDP-Fraktion. Oder besser: des Dresdner FDP-Abgeordneten Torsten Herbst. Er fragt jedes Jahr. Und ist jedes mal aufs Neue frustriert. {... aufschlussreicher Artikel ...}
Und um auf einen Typen mit Namen Tom Sawyer zurückzukommen: In diesem Lausbuben, der mehr als nur fünf Tage im Schuljahr lieber auf Abenteuer ausging als in der Schule zu sitzen, steckt natürlich ein Teil Kindheitsbiographie des wirklichen Samuel Clemens, der sich als erfolgreicher Schriftsteller Mark Twain nannte.
Das schulpolitische Denken in Sachsen ist selbst aus dieser Perspektive betrachtet von Vorgestern.
Quelle: lizzy online am 26.04.2008


Brandstiftung
Abitur-Prüfungsraum in Schule angezündet
In einer Schule in Tempelhof brannte es in der Nacht zu Sonntag. Ein brennender Gegenstand war durch die Scheibe in den Physikraum geworfen worden. Wahrscheinlich geschah so etwas nicht zum ersten Mal – und erneut kurz vor den Abiturprüngen. ...
Quelle: Die Welt am 27.04.2008
"Illegale" Kinder
FDP fordert Schulbesuch für alle
Schulpflicht für alle - das fordert die FDP.
Hessens Liberale wollen auch Kinder ohne Aufenthaltsrecht in die Schule schicken. SPD, Grüne und Linkspartei signalisierten am Montag ihre Zustimmung zu einer entsprechenden Initiative. Nur die CDU äußerte sich zurückhaltend. ...
Hintergrund ist, dass Asylbewerber nicht einmal zur Schule dürfen, geschweige denn ihr Recht auf Bildung in Deutschland bekommen (siehe auch Munoz' UN Rapport).
Quelle: HR Online am 28.04.2008

Leserechos

1. Sehr geehrter Herr Edel, angesichts des neuen Kinderschutzgesetzes stellt sich mir die Frage, ob nicht bei allen zuständigen Jugendämtern der Bundestagsabgeordneten mit Kindern der gutachterliche Antrag gestellt werden sollte, den Bundestagsabgeordneten das Personensorgerecht an den Kinder wegen zu häufiger Abwesenheit des jeweiligen Elternteils bei Sitzungen im Bundestag zu entziehen. Die Kindessorge dieser Abgeordneten muss jedenfalls bezweifelt werden. Wäre es Ihnen möglich, die Abgeordneten mit Kindern ausfindig zu machen, damit wir sie auf den bevorstehenden Entzug der Personensorge nach § 1666 und gemäß dem soeben verabschiedeten Gesetz (Kinderförderungsgesetz) aufmerksam machen können. Die notwendigen Gutachten können ja Sie oder ich jederzeit verfassen, ggf. sogar als „Mustergutachten“.  Mit besten Grüßen F.R.


2. Hallo Herr Edel, danke für Ihre Arbeit und Ihre Infos. In dem Absatz "In Zukunft ist kein "elterliches Versagen" ... heißt es später ...Sondern der Staat legt vom Zeitpunkt der Geburt an fest, ... Vor Jahren schon wurden in den USA Schwangere zwangsweise in Kliniken gebracht, wenn sie äußerten den ärztlich verordneten Kaiserschnitt abzulehnen und eine natürliche Geburt versuchen wollten. Was ist mit zwangsweiser Schwangeren-"Vorsorge" (Vorsorge ist hier in Anführungsstrichen weil bei Vorsorge bei Hebammen keine Frau jedesmal vaginal untersucht wird, bzw. nur auf Wunsch der Frau, bei Frauenärzten schon, die Praxis muß sich ja rentieren. Wie viele Frauen nach der "Untersuchung" beim Frauenarzt = Rumgefingere im Muttermund ins Krankenhaus wegen Blutungen eingeliefert werden ...) Was ist mit Impfungen und der chemischen Keule der Kinder-Pharmadealer? Dieser Olaf Scholz (auch kinderlos wie Zypries und Schavan) hat doch vor Jahren sich verplappert als er sagte, sie wollen die Hoheit über den Kinderbetten!!! Dieses Land wird von irren Volksverrätern regiert. Ich kann nur noch dieses Land verlassen. Wann zeigen endlich mal Eltern diese Behörden an wegen Kinderarbeit (täglich 6- 9 Stunden Beschäftigung mit Schulunterricht und Hausaufgaben) und Nötigung (Psychodruck für Kinder), anstatt ihren Kindern chemische Drogen zu geben, damit diese in dieses menschenverachtende System eine Weile weiter hinein passen bis sie zusammenbrechen. Ich kann nur bestätigen, daß seit meine Kinder nicht mehr in die öffentliche Schule gehen, sie zufrieden und ausgeglichen sind und häusliche Pflichten erledigen sie mit Freude und von selbst. Die Kinder waren von der Schule nur platt und ausgebrannt. Jawohl, das kapiere ich jetzt erst. Das was die Herren und Damen Lehrer für sich in Anspruch nehmen, das ausgebrannt sein, das geht unseren Kindern genau so. Die Schule trägt den Unfrieden in die Familien, damit wir uns nun nicht einmal mehr wehren sollen nun dieses Gesetz. Diese Behörden-Leute können nun ja auch argumentieren, die Eltern beeinflußen ihre Kinder gegen Schule also zum "Schutz" der Kinder weg von solchen Eltern. Da ist natürlich Mißbrauch Tor und Tür geöffnet und der Beamte hat immer recht. Ich ekele mich regelrecht vor solchen Beamten und Politiker. Viele Grüße J. L.
3. Hallo, nur ganz kurz, wenn sich Ute aus Rostock mit uns-wohnen ja auch Nähe Rostock in Verbindung setzen möchte, würde ich mich freuen, wenn Ihr unsere email bzw. Tel.Nr. .. weiterleitet bzw. uns Utes mitteilt, wir machen ja auch bald wieder-am 7.6. ein Treffen in Rostock, was für sie vielleicht interessant wäre..Liebe Grüße und vielen vielen Dank für Eure Arbeit!!!!

28. April 2008

Ermächtigungsgesetz?!

Der Wolf im Schafspelz

Berlin, 24.04.2008 - Nun ist es so weit: Unsere Volksvertreter im Deutschen Bundestag haben es einstimmig so gewollt. Das neue Ermächtigungsgesetz (s. unten unter Titel Familie.) ist am Nachmittag des 24.04.2008 als "Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen" durchgewunken worden.
Auf diese Katastrophe im Schafspelz habe ich ja vor Wochen schon eingehend und immer wieder hingewiesen, auch z.B. unter http://www.homeschooling.de/news/news9.htm oder http://bildungsfreiheit.org/?id=4609 (Gesetzerprobung: Beschleunigte staatliche Eingriffe gegen Nichtschüler).
Ich wette, dass die wenigen Nichtideologen unter den MdBs nicht wirklich gewußt haben, was sie da eigentlich widerspruchslos tun. Neben hunderten, vielleicht sogar tausenden Briefen, Mails und Faxen in allerletzter Stunde, die Mitglieder des Familiennetzwerks und auch des Netzwerks Bildungsfreiheit an Bundestagsabgeordnete versandt haben, hat auch Schulbildung in Familieninitiative e.V. am Vorabend ein personalisiertes Fax zur Warnung an hunderte Abgeordnete geschickt. Natürlich viel zu spät, denn erstens lassen sich die Trickklauseln im umfangreichen Gesetzentwurf nicht ohne weiteres finden und zweitens würde eine Kontraposition in letzter Sekunde wohl nicht ohne Gesichtsverlust eines Abgeordneten abgehen, wenn man eigentlich Monate Zeit zur Intervention gehabt hätte.

Hier also noch das o.g. Fax von Schulbildung in Familieninitiative e.V.:

Sehr geehrte ... ,
wenn Sie morgen im Bundestag über das Gesetz zur "Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen" (TOP9) beraten und abstimmen, sollten Sie sich bitte nicht vom "Schafspelz" der berechtigten Sorge um das Kindeswohl verleiten lassen, mit der die Gesetzesänderung einleitend begründet wird (Drucksache 16/6815, URL: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/068/1606815.pdf).

Hinter seiner Tarnung soll das Gesetz letztlich die staatliche Gemeinschaft über die Erziehungshoheit von Eltern stellen. Dazu wird den Eltern schlicht die Deutungshoheit des Kindeswohls entzogen und auch der relativen Objektivität eines unabhängigen medizinischen Gutachtens.

Nur ein Zitat als Beispiel:
"Der Entwurf regelt darüber hinaus die Qualifikationsanforderungen für Sachverständige neu, die im Verfahren zur geschlossenen Unterbringung eines Minderjährigen vom Gericht mit der Erstattung eines Gutachtens beauftragt werden. Der Entwurf greift insoweit den Gesetzesantrag des Freistaates Bayern vom 3. Mai 2006 (Bundesratsdrucksache 296/06) auf. Der ärztliche Sachverständige soll in der Regel Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder -psychotherapie sein oder ausnahmsweise ein in Fragen der Heimerziehung ausgewiesener Psychotherapeut, Psychologe, Pädagoge oder Sozialpädagoge." (Seite 12f in o.g. Drs.)

Mit dieser massiven Aufweichung für Deutungskompetenz ist u.U. allein der Dame vom Jugendamt, üblicherweise sozialpädagogisch vorgebildet, die Macht gegeben, willkürlich elterliches Sorgerecht zu entziehen. Im Extremfall dürfte nach diesem neuen Gesetz auch ein Kind ohne die Einschätzung und den Willen der Eltern in den Kindergarten gezwungen werden, wenn beispielsweise ein Nachbar diesen Wunsch anzeigt und dazu einen Pädagogen für ein entsprechendes Gutachten findet.
Nach § 70e Abs. 1 Satz 2 FGG soll dieser unabhängige Sachverständige Arzt der Psychiatrie sein, was zudem auch die Art der Kindeswohlgefährdung klar umreißt. Nach dem neuen Gesetz soll eine Kindeswohlgefährung aber vor allem schon eine nicht optimale Förderung sein.

In Zukunft ist kein "elterliches Versagen" mehr erforderlich, damit der Staat aktiv in die Erziehung eingreifen kann. Es reicht, wenn ein Jugendamtmitarbeiter findet, dass das Kind (bereits im ersten Lebensjahr!) in einer öffentlichen Einrichtung "besser gefördert" werden kann. Damit bekommt der Staat die Deutungshoheit darüber, wie Eltern Kinder erziehen und fördern sollen. Die Eltern (also das Volk als Souverän) sind nicht mehr eigenverantwortlich, während Vertreter des Staates darauf schauen, dass sie ihre Rechte und Pflichten wahrnehmen. Sondern der Staat legt vom Zeitpunkt der Geburt an fest, in welcher Weise sie das tun und wie das Kind optimal zu fördern ist. Dies ist eine Umkehr des gesamten Rechts- und Staatsverständnisses, und es öffnet immer massiveren und detaillierteren staatlichen Eingriffen in das Familienleben Tor und Tür.

Natürlich wird dies in der Öffentlichkeit so dargestellt, als ginge es nur um ein paar versagende Eltern aus asozialem Milieu und als sei diese Änderung notwendig, um Kinderleben zu retten. Dafür würde aber, wie oben angedeutet, eine Umsetzung der vorhandenen Gesetze vollkommen ausreichen.

Das neue Gesetz ginge unseres Erachtens erheblich zu weit. Vielmehr ist gesetzlich bereits heute weit mehr möglich, als umgesetzt wird. Den Beweis verrät der neue Entwurf sogar selbst: "In der Praxis wird die Vielfalt der möglichen Eingriffsmaßnahmen kaum genutzt." (2. Satz unter 2b i.o.g. Drucksache)
Wir möchten Sie eindringlich auffordern, gegen diese Gesetzesänderung zu den §§1666ff BGB  zu stimmen und sich nicht an Familien und am Grundgesetz der BRD schuldig zu machen.
Sollte das Gesetz durchkommen, schließen Sie sich bitte den sicher folgenden Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht wegen Verletzungen von Grundgesetz, Grundrecht und Menschenrechten an.

Interessante Links

Kindergärten, Schulen, Unis
Was gute Bildung kostet
Quelle: Wirtschaftswoche am 22.04.2008 Toller Artikel mit vielen Kommentaren


Flucht aus Deutschland - Alles wegen der Schulpflicht
Reportage auf Seite 4
The German Link (Deutschsprachige Zeitung für London und GB) im April
Leitartikel
Eltern als Schulverweigerer - Chancengleichheit
Quelle: WAZ Presseportal am 22.04.2008 (mit Emailadresse für Feedback)
Frage und Antwort an Dr. Rainer Stinner (MdB) zu Homeschooling
Hallo Herr Stinner, in Deutschland liegt die Bildung der Kinder komplett in Staates Hand (das gilt auch für Privatschulen und deren Curricula, dort teilweise sogar verschärft).
Ich finde das sehr bedenklich, dass die Politik auch die Schulen betreibt und sozusagen ihre späteren Wähler selber ausbildet. ...
Quelle: hier im Abgeordnetenwatch.de
Bürokratieabbau
Schulen ohne Lehrer
Schulen ohne Lehrer? Was in den Weiten Australiens oder der finnischen Tundra schon üblich ist, könnte bald auch in den dünn besiedelten Regionen Brandenburgs Einzug halten: das Lernen per Videokonferenz, „distance learning“. Jetzt hat das Amt Schlieben (Elbe-Elster) um Erlaubnis für diese ungewöhnliche Form der Wissensvermittlung beim Bildungsministerium angefragt.  ...
Quelle: Märkische Allgemeine am 17.04.2008
Privatschulen
Das Geschäft mit der Bildung
Wer es sich leisten kann, schickt sein Kind auf private Grundschulen und Gymnasien. Erfüllt sich die Hoffnung, dass sie besser sind als die staatlichen?
Quelle: Focus Schule am 20.04.2008

Literatur zu Homeschooling

Reichmann, Ulrich: Rezension von "Ladenthin, Volker; Fischer, Ralph (Hg.): Homeschooling – Tradition und Perspektive. Würzburg 2006." In: engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule (2008). Heft 1. S.73-76. (ISSN 0723-3507)


The Underground History of American Education
John Taylor Gatto  
A Schoolteacher's Intimate Investigation Into The Problem Of Modern Schooling
COMPLETE AND UNEXPURGATED!
When have you seen notices like these for AN EDUCATION BOOK?

"A work of breathtaking scholarship and encyclopedic scope." - Adam Robinson, Co-founder, The Princeton Review,
author, What Smart Students Should Know
"Gatto's voice is strong and unique. I loved this book!" - Thomas Moore, Care of the Soul
"Gatto is a singular antidote to stale convention." - David Guterson, Snow Falling On Cedars
"I give this book a standing ovation!" - Christiane Northrup, Women's Bodies, Women's Wisdom
"Brilliant Work!" - Laissez Faire Books
"Your Ideas Are Splendid!" - Christopher Lasch
Quelle (John Taylor Gatto wurde mehrere Male zum Lehrer des Jahres gewählt)

Familien, Kinder und ihr vermeintliches Wohl

Leitartikel: Gesetz zum Kinderschutz morgen im Bundestag
Entmachtung der Eltern
Quelle: Die Welt am 23.04.2008


Vater Staat entmachtet die Eltern
Der Bundestag trifft heute eine fatale Entscheidung: Mit der Stärkung des Kindeswohls werden die Rechte von Müttern und Vätern ausgehebelt
Quelle: DT vom 24.04.2008
Das Jugendamt ist überall
Brauchen Kinder wirklich eigene Rechte? Natürlich brauchen sie sie. Denn im Gegensatz zu Erwachsenen sind sie nicht in der Lage, selbstständig über ihr Schicksal zu entscheiden.
Quelle: Tagesspiegel am 23.04.2008 (Mit tollen Kommentaren)
Seelische Verwahrlosung – die hilflose Eltern-Generation
Eltern heute: Hilflosigkeit im Umgang mit den Kindern – Fehlende Werte und Egomanie statt Nachhaltigkeit (Eine Analyse, die den Nagel auf den Kopf trifft)
Quelle: Epoch Times:: Online am 21.04.2008
Wichtiges Interview zur Hintergrundanalyse
Zypries will Kinder besser vor Misshandlung schützen
Quelle: Die Welt am 19.04.2008 (mit vielen guten Kommentaren) 
In "Cicero": "Der Staat greift nach der Familie"
Der Wirtschaftsphilosoph und Hochschullehrer Gerd Habermann sieht in Deutschland eine "Familienverstaatlichung" und Auflösung der Institution Ehe. In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe des Politmagazins "Cicero" (Berlin) geht Habermann mit der Familienpolitik der Bundesregierung scharf ins Gericht. ...
Quelle: Bericht über Cicero Interview in Pro-Medienmagazin am 18.04.2008
Wir ernten, was wir säen
Kinder haben weder eine Lobby, noch ein Sprachrohr, weil das meiste, was über Kinder erzählt wird, von sogenannten Erwachsenen stammt. Wir werden von allen Seiten darüber informiert, wie gut die Krippenbetreung für Kleinkinder sei und wie vorteilhaft sich der Aufenthalt auf deren Entwicklung auswirke. Es ist unbestreitbar, dass die Kind-Mutter-Beziehung innerhalb der ersten drei Lebensjahre evident ist und sich entscheidend auf die emotionelle Reife des neuen Lebens auswirkt. Es ist aber das Ziel des Systems, die Kinder möglichst schnell von ihren Müttern zu trennen, um eben diese psychische Stabilität zu verhindern. Nur so lassen sich verwaltbare und leicht manipulierbare Menschen heranziehen. ...
Quelle: http://www.land-apo.de/index1.htm

Schulsystemversagen (Erst Schule, dann Schüler)

LEHRERIN VOR GERICHT
"Frau B. hat mich gehauen, und alle haben es gesehen!"
Spiegel am 24.04.2008


Studie: Österreichs Jugend leidet unter Druck in der Schule
Fast 50 Prozent der Befragten macht die Schule gegenwärtig überhaupt keinen Spaß
Quelle: Der Standard.at am 23.04.2008
Wissenschaft, Forschung, Bildung
Vernachlässigen Schulen behinderte Kinder?
(openPR) - In letzter Zeit entnehmen wir den Medien, das Kinder vermehrt von ihren Eltern vernachlässigt werden. In den nun folgenden Fall werfe ich dies den Reinickendorfern Schulen und der Senbwf vor. Sicherlich fragt man sich, wie es zu solch einer Anschuldigung kommen konnte! ...
Quelle: Pressemitteilung der Selbsthilfegruppe 3mal21=Down-Syndrom am 18.04.2008
Eltern am Rand des Nervenzusammenbruchs
Elternschaft wird subjektiv als "zunehmend schwieriger zu bewältigende Gestaltungsaufgabe mit hohen Erwartungen" erlebt . In vielen Milieus führe dies zu "massiver Verunsicherung der Eltern". Die Elternschaft werde als so komplex und anspruchsvoll wahrgenommen, dass man dem eigenen Empfinden nach diesen hohen Ansprüchen kaum genügen könne. Die Erziehungsqualität betrachten viele der modernen Eltern "voller Selbstzweifel, verunsichert und empfinden sie als mit großen Defiziten". Dazu kommt das Gefühl vieler Eltern, dass Kinder in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens nicht wirklich willkommen sind. ...
Quelle: Telepolis am 23.04.2008

Leserechos

1. Ich habe ein neunjähriges Kind und einen Laden, mit welchem ich unseren Lebensunterhalt bestreite. In diesem Laden verkaufe ich selbst designte Kleidung, die ich in Asien anfertigen lasse, weshalb ich mich beruflich zwei Monate im Ausland aufhalten muß. Trotz Ablehnung meines Antrages auf Freistellung des Kindes vom Unterricht in diesen zwei Monaten seitens des Schulamtes, habe ich Ida immer mit nach Asien genommen und dort selbst unterrichtet. Das Schulamt empfahl mir die Einweisung in ein Kinderheim in dieser Zeit, was ich natürlich nicht wollte. Nun sind bereits zwei Ordnungsstrafverfahren gegen mich anhängig und ich fühle mich extremen Existenzzwängen ausgeliefert. Einst lebte ich von Sozialhilfe und habe mir die Geschäftsidee vor fünf Jahren nur ausgedacht, damit ich meinen Kindern ein angemessenes Aufwachsen ermöglichen kann. Innerhalb von zwei Jahren entwickelte ich ein eigenes Markenzeichen für meine Kleidung und ich möchte diese Existenz auf keinen Fall wieder aufgeben und mich bei Hartz 4 anmelden. Deshalb frage ich Euch alle: Habt Ihr Kenntnis von ähnlichen Fällen? In denen die Eltern (in meinem Fall eine alleinerziehende Mutter) beruflich zweitweise im Ausland arbeiten muß und die Freistellung des Kindes vom Unterricht nicht genehmigt wird? Begründet wird die Ablehnung übrigens damit, daß Eltern Ihre Berufstätigkeit an der Schulpflicht der Kinder ausrichten müssen. Für Eure Hilfe bzw. Hinweise bin ich Euch schon im Voraus sehr dankbar. Angela Hoffmann aus Weimar/Thüringen


2. sehr geehrte damen und herren,
mein name ist ute kurz. ich bin 17 jahre alt und gehe auf ein fachgymnasium in rostock. also mein anliegen, warum ich hier ins gästebuch schreibe, ist, dass ich für den deutschunterricht ein vortrag halten muss. mein thema ist: homeschooling in deutschland. und zu dem thema  habe ich eine frage, die noch geklärt werden muss. z.b. wenn die eltern die kinder zu hause unterrichten, sind die eltern denn nicht berufstätig? wie verdienen sie denn ihr geld? wie kriegen sie das denn alles unter einem hut? und noch etwas: wird homeschooling finanziert? ich glaube nicht oder ?so, dass wäre denn meine frage gewesen, es wäre sehr nett wenn mir irgenteiner von ihnen antworten könnte. (ausführlich, wenns geht), damit ich meine unterlagen vervollständigen kann und somit einen guten vortrag halten werde. danke schön im vooraus! mit freundlichen grüßen ute!!!!!!!

Liebe Ute, weltweit wird Homeschooling nicht immer staatlich gefördert, aber nur in Deutschland werden Homeschooling-Modelle aktiv verhindert.
Deshalb gibt es hier leider nicht die Möglichkeiten für Eltern, die ihre Kinder beim Homeschooling unterstützen wollen, z.B. durch Elterninitiativen, Kooperationen mit anderen Familien oder mit Institutionen.
Trotzdem können Kinder ab einem gewissen Alter völlig selbstständig lernen. Sie besuchen die Volkshochschule, Büchereien, Museen, haben Nachhilfe und reisen viel. Sehr oft nutzen sie Fernschulprogramme. Kleinere Kinder brauchen Lernbeziehungen. Wenn kein Elternteil Zeit hat, kommen andere Verwandte (Geschwister, Opa, Oma, Tante, Onkel usw.), Freunde oder die Eltern anderer Homeschooler in Betracht.
Man wechselt sich einfach ab. In Dänemark z.B. dürfen sich Eltern zusammen tun. Sie gründen eine Minischule, bekommen vom Staat Mittel, Materialien oder ein Schulgebäude zur Verfügung gestellt. Unter Homeschooling versteht man alle Bildungsmodelle ohne Vollzeitschulbesuch. Fernschulen, Initiativen mit privat eingestellten Lehrkräften, Autodidaktik, Lerngruppen gehören dazu wie auch Unschooling. das ist ein Modell, bei dem jede Art der Beschulung bewußt abgelehnt wird, weil man davon ausgeht, dass ein Kind intrinsisch motiviert am besten lernt. Wenn es möchte, verlangt es nach Unterricht. In anderen Ländern kann es dazu auch ein einzelnen Veranstaltungen der Schule teilnehmen.
Bei anderen Modellen meldet man sich bei einer "Stammschule" an. Man lernt zu hause oder da, wo man will und die Schule gibt einem Feedback in Form von Prüfungen. In Kanada zum Beispiel bekommt man, wenn man sich registrieren läßt 1000,- kanadische Dollar. Die Schule bekommt ebenfalls Geld. In Russland bekommen Homeschooler m.W. Lernmaterialien gestellt.
Sie sehen, es gäbe viele Möglichkeiten. Man muss sich nur in anderen Ländern umhören und umsehen.
Es gäbe noch viele weitere Beispiele für die wirtschaftliche und effiziente Umsetzung der verschiedenen Homeschooling.Modelle.
An dieser Stelle möchte ich auf mein Buch "Schulfreie Bildung" hinweisen.
Freundliche Grüße und viel Erfolg,  Jan Edel


3. Hallo Jan! Ich habe jetzt für Freitag einen Termin beim Direktor.
Nun hat mich noch ein Verwandter davon abzuhalten versucht, das durchzuziehen.
Dabei hat er Sachen angesprochen, worüber ich mir bis jetzt noch gar keine Gedanken gemacht habe.
Was ist wenn das Jugendamt meinen Eltern das Sorgerecht entzieht, da diese ja nicht mehr über mich kontrollieren können (da ich ja einfach so nicht mehr in die Schule gehe.) ???
Was ist wenn sie mich mit der Polizei abholen? (Ich glaube nicht das ich mich da mit dem Grundgesetzt rausreden kann, das könnte ja dann auch ein Verbrecher tun. Und ich gelte dann genauso als Verbrecher, da ich eine Ordnungswidrigkeit begangen habe.)
Was soll ich auf die Frage des Direktor antworten: „Es gibt eine Schulpflicht! Deswegen kommst du morgen wieder in die Schule!“ Soll ich sagen das es Ausnahmeklauseln gibt??? Und die Ärzte werden mir auch nicht so einen Attest ausstellen, das haben wir ja im Fall Tilmann gesehen.
Ich denke mir, dass das Jugendamt mir Druck machen wird.
Nach diesem Gespräch jetzt mit meinem Verwandten bin ich mir nicht mehr so sicher.
Und der hat das angesprochen, ohne sich darüber vorher zu informieren. Da weiß ich nicht, was der Direktor mir noch alles sagt, denn der hat ja Ahnung. Ich bräuchte einfach mal was, wo draufsteht, was die alles einem vorwerfen können und wie man sich dagegen wehrt. LG V. (14 Jahre)

Hallo Vinzenz, nun sprich erst mal mit dem Direktor und mache ihm Deinen Leidensdruck plausibel. Dafür kann Dir keiner den Kopf abreißen. Und das Jugendamt wird auch nicht gleich und ohne Gespräche mit Dir das Sorgerecht für Dich beantragen. Wie gesagt, das müsste zunächst bei ca. 500.000 anderen Schülern passieren, damit es in Deinem Fall gerechtfertigt wäre.
Du begehst durch Schuleschwänzen keine Straftat, auch keine Ordnungswidrigkeit. Das tun bestenfalls Deine Eltern, wenn sie dich nicht an einer anerkannten Schule anmelden oder dich nicht hinschicken. Straftat ist das für Eltern m.W. nur im Saarland und in Hessen, aber in Hessen gibt es ja auch noch die Todesstrafe (die aber nicht zur Anwendung kommt, weil das höhere Grundgesetz es verbietet).
Mit der Polizei wirst Du höchstens ein oder zwei mal zu Schule gefahren, dann spätestens werden sie sich ziemlich doof und missbraucht vorkommen (übrigens genau wie viele Richter, die mit speziellen Situationen wie bei dir konfrontiert werden).
Auf die mögliche Frage des Direktors nach der Schulpflicht kannst Du sagen, dass Du keineswegs gegen gute Bildung bist, was ja der ursprüngliche Grund der Schulpflicht war und hoffentlich noch ist und dass das Gesetz nicht für das Gesetz, sondern für Dich und Deine Rechte gemacht wurde. Vernunft und Verstand in der Situation muss mehr sein als das Wort, das nur zu regeln versucht. Zur Not muss man eben Gebrauch von den eingebauten Ausnahmeregeln machen.
Einen gewissen Druck, auch vom Jugendamt, wenn es schlicht paragrafentreu sein will, wirst Du aushalten müssen, das wird Deinen festen Entschluss und Deinen Leidensdruck beweisen.
Eine fertige Liste oder ein Patentrezept gibt es leider nicht. In 4 Jahren wirst du zurückblicken und gewahr werden, dass Du Dich als einer der Pioniere für Dein Land betrachten darfst.
Trotzdem darfst Du Hilfe in Anspruch nehmen. Versuch einen Verwandten, einen Freund oder einen Rechtsanwalt von Deiner Sache zu überzeugen und nimm ihn stets mit zu Gesprächen.
Wenn Deine möglichen Widersacher anfangen zu behaupten, Dein Vorhaben könnte bildungstechnisch scheitern, steht also kein Rechtsgrund mehr im Wege. Und dass es dann klappt, davon dürfen sich die Skeptiker später gerne überzeugen, in, sagen wir, vernünftigen, von Clonlara auszuhandelnden Abständen.
Kopf hoch, Schultern runter und atmen! Jan

20. April 2008

Zwingt Kinder nicht für gute Bildung in schlechte Schulen!

Jan Edel zu seinem Engagement für Homeschooling-Modelle

Herr Edel, Sie haben viele Jahre Erfahrungen mit Homeschooling und anderen Janaußerschulischen Bildungsmodellen gesammelt. Sie haben einen Verein gegründet. Sie haben Bücher zum Thema geschrieben und viele weitere Texte publiziert. Sie betreiben einen Rundbrief und eine umfangreiche Homepage im Internet. Das alles ehrenamtlich neben Ihrer eigenen großen Familie und Ihrem Beruf als Ingenieur.
Warum das Ganze? Ist es das wirklich wert?
Ja, unbedingt! Denn der Anteil Schüler, die schulbedingt Nachteile erfahren oder sogar Schaden nehmen, ist nicht unerheblich und wächst rasant. Diese Schüler brauchen andere Bildungsmodelle, bessere Passung, intrinsische Motivation, Eigenverantwortung.
Da werden Kinder unerträglich und kaum wiederherstellbar gemobbt, manche haben einfach ganz andere Lernvoraussetzungen, viele begabte Kinder langweilen sich. Nur wenige Schüler merken, wie sie schlicht Marionetten der Lehrplaner, bzw. nur das Schmieröl in der Maschinerie einer Bildungsindustrie sind. Eigentlich kann kein einziges Kind individuell angesprochen werden.
Daneben geht es aber auch um's Prinzip der Freiheit, der Möglichkeiten und Chancen sowie um einen gesunden Gegenpol zum Mainstream. Letztlich ist es meine Bürgerpflicht, auf Missstände, Mängel, Unrecht, aber auch auf erprobte Lösungen hinzuweisen.

Warum überhaupt Engagement für Bildungsmodelle außerhalb des Schulwesens? Es gibt doch genug Schulen und Ihre Kinder gehen doch auch zur Schule.
Naja, die Tatsache, dass die meisten Familien mit dem Schulsystem offensichtlich zurecht kommen oder Alternativen nicht zugelassen werden, sollte nicht heißen, dass dieses System das einzig wahre Bildungsmodell ist. Schulen werden, besonders gründlich in Deutschland, staatlich reguliert und eigentlich politisch beherrscht. Eine Schule mit speziellen, für den einen passenden Konzepten ist für die meisten anderen Schüler am Ort vielleicht eine Katastrophe. Und ganz grundsätzliche Konzepte, die eine individuelle Betrachtung der Schüler im Grunde verhindern, gelten leider für jede Schule. Ich nenne nur Stundenplan, Frontalunterricht, Aufrufen, Zeitliche Festlegungen, Praxisferne, Kategorisierung durch Noten, Gleichheitsdruck usf.
Mit Schule verbinden sich also immer organisatorische Konzepte, die sich fast immer als Nachteile herausstellen müssen.
Es wäre doch beruhigend zu wissen, dass uns Eltern für unsere Kinder alle Türen offen stünden, unter Umständen auch die Ausgänge und die Zugänge zu Alternativen.

Warum engagieren Sie sich nicht innerhalb des öffentlichen Systems? Dann wäre wesentlich mehr Menschen geholfen.
Ein steuerfinanziertes Schulsystem hat immer genügend Lobbys und Untertützer. Ich persönlich habe nicht viel Hoffnung für prinzipielle Veränderung innerhalb des staatlich organisierten Systems. Einfache Familien, die Alternativen wünschen oder brauchen, haben hierzulande bislang nie wirklich Rechte zugestanden bekommen, obwohl sie es sind, die die Gesellschaft ausmachen. Sie sind es, die am Ende für die in ihnen aufwachsenden Kinder zur Verantwortung gezogen werden und die ihre Kinder am besten kennen und verstehen. Ein Schulsystem, auch noch staatlich einheitlich dominiert, als einziges Bildungsmodell, kann nur eine Sackgasse sein. Also: Eltern mit ihren Kindern an die Macht! Als nächster Schritt sollte in Deutschland wenigstens der Weg des Fernlernens frei werden. Darum kümmert sich aber niemand.
LETZTE KONSEQUENZ: HOMESCHOOLING

Ist ein variantes Bildungssystem nicht immer ungerechter als ein homogenes Schulsystem?
Was ist denn gerecht? Viele Kinder müssen in Schulen versagen, obwohl sie fantastische Talente haben. Ist das gerecht, wenn sie alle auf den gleichen Baum klettern müssen oder alle über den gleichen Kamm gebürstet werden? Das Gießkannenprinzip jedenfalls ist ungerecht, weil ihm die Pflanze in seiner Art völlig egal ist. Dagegen halte ich Wahlfreiheit und Angebotsvielfalt für gerechter. Nur in Deutschland fährt man an diesem Punkt immer noch so dermaßen ideologisch und absolut ab.

Wird Bildung durch private Möglichkeiten wie Homeschooling nicht der demokratischen Gestaltung entzogen?
Im Gegenteil: Ohne freie Wahl und genügend Alternativen innerhalb und außerhalb des Schulsystems hat Demokratie erst gar kein Chance. Wir in Deutschland haben uns meinem Empfinden nach zu sehr an die Unterordnung unter die jeweils gerade regierungsamtlich vorgegebenen Marschrouten gewöhnt, statt nationalistische, kapitalistische oder kommunistische Zentraldiktate im Bildungswesen zu bekämpfen. Das hält man dann in sozialistischer Weise für Demokratie. Aber Bildungschancen sind weder auf den staatlichen Rahmen im Schulwesen noch generell auf ein staatlich oder privatwirtschaftlich geführtes Schulsystem beschränkt. Der Weg zu diesen Erkenntnissen ist gerade in Deutschland kein leichter. Selbst die 68er Kulturrevolution vermochte nicht das staatliche "Verschulungsmonopol" abzubauen. Statt das Bildungswesen zu befreien wurde das Schulsystem ideologisch missbraucht (siehe "Marsch durch die Institutionen").

Warum außerschulische Bildung? Es gibt doch auch Privatschulen. Gibt es nicht eine vielfältige Schulversorgung?
Geringfügig andere pädagogische Konzepte sind geografisch zufallsverteilt und nicht etwa dort, wo sie sich günstig auswirkten oder auch finanziell erreichbar sind.
Wenn sich eine Schule in Freiburg auf Legastheniker spezialisiert, ist den 5.000 Hochbegabten in Mecklenburg Vorpommern oder den 10.000 verschieden Lernbeeinträchtigten rund um Hamburg noch lange nicht geholfen. Ein pauschales Schulsystem steht in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Bedarf oder zu dem Wunsch zur Inanspruchnahme, zumindest aus Sicht ihrer Schüler. Eine auf jede Person abgestimmte Passung oder ein individuelles Lernkonzept kann keine einzige Schule bieten. Beziehung und emotionales Erleben als pädagogische Grundvoraussetzung schon gar nicht. Deshalb ist Homeschooling weltweit für viele Familien die letzte Konsequenz.

Wenn der Staat nicht Hoheit über die Bildung haben soll, warum sollten die Eltern sie haben?
Weil sie ihre Kinder am besten verstehen und weil sie in der Regel am Ende sowieso zur Verantwortung für ihre Kinder gezogen werden. Der Staat muss dagegen zusehen, dass das kostenlose "Beschulungsgrundangebot" einen inhaltlichen Rahmen hat, in der dann das Ergebnis möglichst nahe an individuelle Bildung herankommt und jeder wahlfreien Zugang dazu bekommt. Manche bildungsbewußte Familie aber will sich nicht durch die Schule ihr Familienleben versauen lassen, wenn sie die Schule als interferierend empfindet.
60 Jahre staatliches Beamtenschulwesen haben mir bewiesen, dass die eigentlichen Bildungsbedingungen aus sich selbst heraus nicht wirklich reformiert bzw. von Begrenzungen befreit werden können. Niemals wird eine Kultusministerkonferenz mit seiner ganzen "Bürokratur" den in den Dreck gefahrenen Karren mit Bordmitteln heraus ziehen können. Die ständigen Rufe nach immer mehr Staat und Ermächtigung halte ich daher für völlig kontraproduktiv.

Warum können denn Ihrer Meinung nach nicht z.B. kleine Gemeinschaftsschulen die Lösung sein?
Strukturelle Änderungen innerhalb eines exklusiven Schulsystems können eventuell Rahmenbedingungen verbessern, aber niemals die individuellen Lernvoraussetzungen der Schüler ändern. Durch strukturelle Änderungen wird nur der Rahmen pauschal für alle verändert und keineswegs individualisierend verbessert. Wenn ich Bildung für alle gleich mache, werden die Menschen zwar konformer, aber Chancen und Talente gehen dabei baden. Sowenig, wie man nicht alle zentral ernähren kann, darf man auch Bildung nicht vorkauen und allen aus zentraler Hand vorsetzen. Wo kämen wir hin, wenn alle nur Reis und mit Stäbchen essen oder nur Cola, und zwar durch Strohhalme trinken müßten?
Die Gesamtschule wird jedenfalls mehr ideologischer Kampfbegriff als Bildungsmodell bleiben, solange bis der Staat seine ganzen, über die Jahre gehegten Ansprüche an die Bildungshoheit komplett zurückgenommen hat und von seiner Bildungsplanwirtschaft abläßt. Das wäre die vordringlichste Aufgabe der Politik an dieser Stelle. Loslassen, lösen, sich immer mehr zurücknehmen können.

Was stört Sie am guten deutschen Schulwesen?
Dass es fremdbestimmt für alle gleich ist - gleich schlecht. Es ist optimiert für flächendeckende Beschulung, nicht aber zum aktiven Bildungserwerb. Und mich stört, dass man hier offenbar gesetzlich gezwungen wird, es auf Gedeih und Verderb in Anspruch zu nehmen. Beim Gedanken an bessere Bildung hat die jeweilige Regierung immer nur Schule, seine Struktur und mehr Beschulung im Sinn, während Eltern ohnmächtig zusehen müssen, wie ihre Kinder nach Erfahrungen, nach Leben und nach Beziehung schreien. Im Sinne der Kinder kann das staatlich gelenkte Schulsystem also nur durch einen systematischen Rückbau verbessert werden. Lernen braucht Freiheit und Demokratie braucht Eigenständigkeit, Vielfalt und Auswahl. Stattdessen bestehen die politischen Kochrezepte nur aus der ständigen Erweiterung erzwungenen Schulbesuchs, in den Nachmittag hinein oder durch Ausdehnung der Schuljahre im Vorschulbereich.  Aber durch den zunehmenden Funktionsdruck, fernab von echtem Leben, werden jedenfalls nur die letzten Reste unbeschwerter Kindheit entrissen - ohne wahren Vorteil. Regierungs- oder sogar mehrheitsbestimmtes "Schulnutzungsdiktat" kann Entfaltung nur behindern, ist für viele Familien fatal und für eine freie Gesellschaft unerträglich.

Wie könnte eine Lösung für die Klientel aussehen, die Sie vertreten?
Was die Franzosen, Russen, Engländer und alle anderen Menschen in freien, demokratischen Staaten haben, sind natürlich die Möglichkeit zu allen erdenklichen Bildungsmodellen, die Kinder und ihre Eltern frei wählen können. Durch staatlich zertifizierte Reifeprüfungen können, wie in der weiteren Bildungsbiografie, Qualifikationen erworben werden. Viele Universitäten und auch Ausbilder haben bereits ihre eigenen Aufnahmebedingungen, weil Schulabschlüsse schon von Schule zu Schule nicht mehr vergleichbar sind und weder Talente, Interessen noch Neigungen der Bewerber richtig wiederspiegeln.
Es bestehen die Möglichkeiten der Gemeinschaftsschule, der Reformschulen, aber auch z.B. von Fernschulen, Korrespondenzschulen, demokratischen Schulen, aber auch von kompetenten Elterninitiativen oder der Autodidaktik. Es gibt wirklich unabhängige Schulen mit unkonventionellen, eigenen und individuellen oder mit konservativen Konzepten. Wenn die Schule mit dem geeigneten Konzept zu weit entfernt liegt, tut man sich mit Nachbarn zusammen und wählt ein Homeschooling-Modell. Allein wenn wir in Deutschland die Möglichkeit des Fernunterrichts hätten, könnten sehr viele Probleme deutscher Schulbildungspraxis aufgelöst werden.GibNiemalsAuf

Die Befürworter von Bildungsfreiheit werden zwar etwas zahlreicher. Sie scheinen aber noch weniger Erfolg zu haben als Privatschulgründer. Was soll also Ihre Arbeit?
Allein, um die Öffentlichkeit über die Möglichkeiten in allen anderen Ländern aufzuklären, lohnt sich die Mühe, derart dicke Bretter zu bohren. Mein Wissen um den rechtlichen und vor allem um den guten Bildungserfolg in anderen Ländern, darunter auch in den ehemaligen Ostblockländern, ermutigt mich dazu, keine Gelegenheit auszulassen. Irgendwann wird man auch hierzulande erkennen, dass Bildungsfreiheit neben ganzheitlicher Bildung auch die Freiheit und Entlastung für Familien bedeutet, für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern.
(Das Interview führte Lisa Panne für die SDA.)

Spannende Links

Buchbesprechung: Der talentierte Schüler und seine Feinde
Talente haben nicht nur hochbegabte Schüler. Daß aber der Umgang mit Hochbegabten exemplarisch für die Fehler des herkömmlichen Schulsystems ist, wird in diesem außerordentlich aktuellen Buch schnell deutlich. Statt sich permanent zu verbessern, wie man dies praktisch aus allen anderen Bereichen des Lebens und der Wirtschaft kennt, marodiert die moderne Schule weiter und grundsätzliche Probleme werden nicht angegangen. Die damit verbundene Tragik für alle Beteiligten macht Salcher anhand von Beispielen deutlich. Die staatlich sanktionierten Reformen laborieren am System, wie man es einem Arzt oder auch nur einem Mechaniker an Leib und Auto niemals erlauben würde. Mit der notwendigen Konsequenz verweist der Autor deshalb auch immer wieder auf derartige Vergleiche: In anderen, wesentlich weniger wichtigeren Bereichen, nehmen die Menschen eine derart inakzeptable Qualität nicht hin. ...
Quelle: http://bildungsfreiheit.org/?id=4682


Eltern proben den Aufstand: Demonstratino für "Schule mit Zukunft"
... Initiative will sich mit möglichst vielen Elterngruppen vernetzen. Bislang stehe sie mit Eltern aus mehr als 60 Städten im Südwesten in Kontakt. "Eltern haben Macht, wir müssen sie nur zusammenbringen." Die Krankenschwester freut sich auch über das Interesse von Eltern aus anderen Bundesländern. Anfragen habe es bereits aus Hessen, Bayern und Hamburg gegeben.
Quelle: SZON am 18.04.2008
Mutti macht’s besser
Weil es im Londoner Stadtteil Lambeth zu wenig Schulen gab, gründeten Eltern ihre eigene. Sie wählen das Personal aus und treffen alle wichtigen Entscheidungen. Der Staat zahlt.
Quelle: Financial Times Deutschland am 14.04.2008
Hetzjagd auf die Marktwirtschaft
Schulbücher quellen über von marktfeindlichen Irrlehren und antikapitalistischer Rhetorik. Der 1989 überwunden geglaubte Sozialismus feiert in deutschen Lehrmitteln fröhliche Urständ.
Stellen Sie sich ein Deutschland vor, in dem es nur eine Zeitung gibt. Diese wird vom Staat, der den Zeitungsmarkt zwangsmonopolisiert hat, herausgegeben. Es werden dafür zahlreiche Gründe angeführt: Der „Jugendschutz“, „soziale Ungerechtigkeit“ (Reiche könnten sich teuren Qualitätsjournalismus leisten, während Arme auf die billigen Trash-Zeitungen zurückgreifen müssten) und die Gefahr der Verbreitung von Fehlinformationen. Alle vier Jahre gäbe es dann Zeitungswahlen. Die Bürger der Bundesrepublik Deutschland wären aufgerufen, den Chefredakteur für die nächsten vier Jahre zu wählen, der wiederum die Inhalte der Zeitung bestimmt.
Schauen Sie sich nun das real existierende Deutschland an: Es ist ein Land, in dem der Staat tatsächlich fast das komplette Bildungswesen übernommen hat. Er entscheidet einseitig über Struktur, Inhalte und Preis des staatlichen Bildungsangebots (das man aufgrund von Schulpflicht und Zwangsfinanzierung nicht ablehnen kann, weswegen man hier wohl kaum von einem wirklichen „Angebot“ sprechen kann). Alle fünf Jahre wird in den Bundesländern darüber abgestimmt, wie die zukünftige kollektive Schulpolitik auszusehen hat. Auch hier gibt es eine große gesellschaftliche Debatte darüber, wie, wie lange und vor allem was „unsere Kinder“ lernen sollen. Skurrilerweise scheint sich das Wahlvolk nur bei der Forderung nach immer höheren Ausgaben, also einem höheren Preis für Bildung, einig zu sein anstatt nach besserer und kostengünstigerer Bildung. Doch hier soll es weder um Finanzierungsfragen gehen noch um die Schulstruktur. ...
Quelle und mehr: Die Welt, Debatte am 16.4.2008
Primärquelle ist ein Positionspapier der Friedrich-Naumann-Stiftung
Grundschulkonzept nach 4 Jahren gerichtlicher Auseinandersetzung endlich freigegeben
Die Leichtigkeit, eine Privatschule zu gründen
Der HVD-Nürnberg hat sich gegen den Freistaat Bayern durchgesetzt – Bayerischer Verwaltungsgerichtshof gab heute grünes Licht für die reformpädagogische Humanistische Grundschule in Fürth.
Die zuständige Regierung von Mittelfranken hat den Antrag von 2004 mit der Begründung abgelehnt, an einer solchen Schule bestünde kein besonderes pädagogisches Interesse. Gegen diesen Bescheid erhob der HVD-Nürnberg Klage vor dem Ansbacher Verwaltungsgericht – und wurde abgewiesen.
Am 1. April fand die Berufungsverhandlung vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München statt. Am 16.4.2008 wurde der Tenor des Urteils bekannt: Der VGH hebt dieses Urteil und den Ablehnungsbescheid der Regierung auf und fordert von der Regierung eine Neuentscheidung, die das besondere pädagogische Interesse des eingereichten Konzepts anerkennt. ...
Nun werde mit Hochdruck an den weiteren Genehmigungsvoraussetzungen gearbeitet. Auch organisatorische Maßnahmen könnten nun folgen: Räume müssten gefunden, Lehrer angeworben, Kinder und Eltern begeistert werden. Der HVD-Nürnberg ist bereits Träger von mehren Kindertagesstätten in der Region.
Quelle:  hpd am 15.04.2008