15. April 2008

Leserechos

1. Hallo, wir sind eine Familie mit 3 Kindern (7, 8 und 10 Jahre) und werden nach fünf Jahren USA Aufenthalt im Sommer nach Bayern/Regensburg zurück kehren.

Unsere Kinder wurden, was hier absolut unangefochten und weit in alle möglichen ideologischen Richtungen ausgerichtet und auch unterstützt ist, glücklich und erfolgreich homegeschult.

Nun habe ich als Mutter/Lehrerin meiner Kinder gewaltige Aversionen meine Kinder in Deutschland einzuschulen. ... Schön, dass es diese Initiative gibt!!! Vielen Dank


2. Hallo Herr Edel, das Treffen mit dem Rektor hatte sich auf Freitag verschoben. Als wir dann vor dem Schulgebäude standen, war es mir doch etwas mulmig zu Mute. Da ich dem Rektor schon im Voraus berichtete, dass S. bei der Clonlara angemeldet ist, konnte er sich die Seite schon mal ansehen. Ich war sehr überrascht von seiner Reaktion. "Es gibt Kinder die scheinbar wirklich nicht für die normale Schule geeignet sind. Dafür wäre die Clonlara Schule eine gute Alternative." ...
Mir fiel ein rissen Stein vom Herzen. Soll jetzt wirklich der Spuk ein Ende haben? Wir werden sehen. Aber eines ist mir völlig klar. Ohne Ihre Hilfe hätten wir es nicht geschafft. Viele Grüße
3. Sehr geehrte Frau Edel, vor kurzem hat mir eine Bekannte einen Zeitungsartikel aus der „Welt“ zukommen lassen, in der u.A. auch Sie zitiert sind.
Darum wende ich mich mit einer Bitte an Sie. Zuvor aber doch eine kurze Erklärung:
Mein Mann und ich sind davon überzeugt, dass Kinder am besten zuhause lernen. Dass das in Deutschland nahezu unmöglich ist, brauche ich nicht extra zu erwähnen. Wir wohnen auch noch im Saarland, wo es praktisch keine Chance gibt.
Darum haben wir uns dazu entschlossen auszuwandern. ...
Unser Ziel ist es, dass unser ältester Sohn auf keinen Fall eine weiterführende Schule besuchen muss, denn was dort so alles abläuft, ist kaum zu glauben. So wurden z.B. Anfang dieses Jahres Sicherheitsleute an saarländischen Gymnasien postiert. Das gibt einem schon zu denken. ...
Auf jeden Fall weiß ich aus vielen Gesprächen, dass viel mehr Eltern mit dem Schulsystem im Speziellen und auch im Allgemeinen nicht einverstanden sind. Lange kann es also so nicht weitergehen. Herzliche Grüße und nochmals vielen Dank für Ihr Engagement

10. April 2008

Bildung muss gar nicht weh tun

Der Alltag in einer (fast) normalen Großfamilie

Immer mehr Menschen, Eltern wie Schüler, klagen über zunehmende Probleme im Kontext des Schulwesens. Nur relativ selten dringen Berichte über das alltägliche Mobbing, traumatisierende Gewalterfahrungen, fast zur Normalität gewordene psychosomatische Symptome oder Lernstörungen im Umfeld unserer Schulen in die Medien. Umfragen und Studien unter Schülern zeigen dagegen ein erschreckendes Bild. Aber Bildung muss gar nicht weh tun. Lesen Sie im Folgenden den Selbstbericht von Christine S. über den Alltag in einer (fast) normalen Großfamilie.

Lernen zuhause ist sehr spannend. Man weiß nie vorher so genau, was einen am neuen Tag so erwartet. So ist es richtig schwierig, zu beschreiben, wie unser Alltagsleben als Homeschoolers aussieht.

Morgens gibt es keine Hektik, denn wir alle genießen das Frühstück und die Zeit davor, falls man rechtzeitig aufgestanden ist. Unser Ältester (Boris*, 10 Jahre) steht am liebsten schon vor den anderen auf und setzt sich zu seinen Vögeln in den zimmergroßen Käfig, am besten noch mit einem Buch zum Thema angeln. Der Zweite (Steffen, 9 Jahre), bleibt am liebsten bis zum Rausschmiss im Bett und hängt seinen philosophische Gedanken nach. Anton (noch 6 Jahre), der Dritte, wird als erster vom Hunger in die Küche getrieben und hilft notfalls sogar mit, damit es schneller etwas zu essen gibt.

Nach dem Frühstück gibt es Dienste zu erfüllen. Die beiden kleinen Mädchen (Prisca, noch 3 Jahre und Pia, 2 Jahre alt) haben noch kein festes Programm, aber Anton hat Küchendienst; Steffen und Boris (10 Jahre) wechseln sich ab mit Mülleimer raustragen und fegen. Dann werden die Tiere gefüttert: Wir haben Zwerglöwenkopfkaninchen, die zu unserem Glück drei Junge bekommen haben und 5 Nymphensittiche. Nicht selten faszinieren die Tiere unsere großen Jungens so, dass man sie daran erinnern muss, auch noch andere Dinge ins Auge zu fassen. Als nächstes ist nämlich bei uns das Instrumenteüben dran. Boris spielt Klavier und Gitarre, Steffen übt sich im Trompete blasen, Gitarre spielen und flöten und Anton hat ebenfalls mit flöten begonnen. Das Musizieren funktioniert bei uns so wie auch alle anderen Dinge: Es wird meist mehr Zeit mit Improvisieren oder Ausprobieren verbracht als mit dem eigentlichen Üben. So vergeht die Zeit wie im Nu.

Wenn wir dann ein bisschen weiter in unseren spannenden Büchern gelesen oder gearbeitet haben ist es schon später Vormittag und alle sind etwas geschafft. Nun beginnt der freiere Teil des Tages. Wir glauben, dass Lernen etwas Tolles ist. Das ganze Leben ist voll von Lernen. Besonders viel Spaß macht es ja, wenn man das lernen darf, was einen gerade interessiert oder was man gut kann.

So dürfen die Jungen in Anschluss oft etwas machen, was sie gerade interessiert. Manchmal habe ich (die Mutter Christine) etwas geplant. Falls die Jungen fragen, ob sie etwas anderes machen dürfen, gehe ich meistens sofort oder später auf ihre Ideen ein. In der eigenverantwortlichen Zeit wird bei uns viel gemalt und gebastelt. Dabei gibt es gewissen Phasen, in der bestimmte Tätigkeiten boomen: Fahrzeugquartette selber herstellen, aus Holzresten etwas schreinern, aus Pappe Autofahrgestelle und Karosserien herstellen und durch vorhandene Räder und Achsen fahrbar machen, Insektenlarven sammeln und beobachten, Fußball spielen, lesen, Atlanten studieren, ...

In den Wintermonaten, wo man nicht so viel raus kann, konzentrieren wir uns ein bisschen mehr auf den Erwerb von Gclip_image002rundlagenwissen, besonders in den Fächern Deutsch und Mathematik. Allerdings macht den Kindern das Lernen aus Schulbüchern meist so wenig Freude, dass wir es auf das Minimum begrenzen. Das Einmaleins kann man ja auch durch ein tägliches Akkordrechnen mit Erfolgskurven lernen, was viel mehr Spaß macht als die Päckchen im Mathebuch durchzurechnen.

Überhaupt ist Lernen im Alltag erstaunlich durchschlagend, im Gegensatz zum geführten Lernen, wo oft nur der Lehrende meint, die Schüler wüssten nun mehr. Wenn man ein aktives abwechslungsreiches Leben führt, werden unheimlich viele Themenfelder abgedeckt und Techniken unbewusst so ganz nebenbei erlernt. In Prozentzahlen zu denken ist für Jungen normal, wenn man sich viel mit Maßen und Größenverhältnissen beschäftigt, man braucht dann auch nicht viel Übung, um mit kg, cm und l zurechtzukommen.

Die schriftliche Division ist dagegen eine eher theoretische Angelegenheit, die man begreifen und üben muss. Dafür gibt es hier das Hocherlebnis, eine Technik, die man nur widerwillig gelernt und geübt hat, dann doch verstanden zu haben und zu beherrschen, sodass plötzlich der Frust dem Stolz und der Befriedigung weichen muss.

Unsere Kinder wollen die Welt verstehen. Ihr innerer Drang, die Rätsel des Lebens und des Daseins zu lösen ist ein genialer Motor der Wissensaneignung. Noch wichtiger aber ist für uns das Miteinander, die beziehungsmäßige Seite des Lebens. Wir wollen echte Gemeinschaft haben, also uns gegenseitig tief kennen mit allen Wünschen, Sehnsüchten, Sorgen und Ängsten und uns gegenseitig tragen und helfen bei den unzähligen Macken, die jeder so hat und der Schuld, die wir uns ständig aufladen. Das bedeutet, dass wir uns viel unterhalten, oft diskutieren, unsere Emotionen ausdrücken und versuchen, Qualitätszeiten zu haben, wo man etwas richtig Schönes miteinander macht.

Wir haben schon unzählige Kuchen und Plätzchen zusammen gebacken, Besuche vorbereitet, gebastelt, Lieder gedichtet und gemütliche Abende verbracht. Am meisten, meine ich, lernen Kinder durch gute Vorbilder. So versuche ich als Mutter, die ich die meiste Zeit zu Hause bin, das vorzuleben, von dem ich meine, dass meine Kinder es in der Zukunft brauchen werden. Ordnung halten lernen ist einer dieser Tugenden, genauso wie die Schriftsprache zu nutzen (also keine Aufsätze zu einem festen Thema schreiben, sondern die Schrift nutzbar machen für Kontakte z.B. in Briefform oder Erlebnisse schriftlich festhalten, sich in der Familie Liebesbeweise schreiben oder einen Text für eine Geburtstagsfeier dichten ...)

Dass Lesen und Schreiben wertvoll sind, merkt man bei uns am überfüllten Bücherregel und daran, dass wir viel vorlesen.

Aber was ist die Theorie ohne Praxis!? Wenn unser Papa zuhause ist, wird sehr viel hergestellt. Da lernen die Jungen von selber handwerkliches Geschick ausprägen - zumindest hoffen wir das. Ob es das Umbauen unseres Wohnhauses ist oder das Bauen von Hasenställen, Spielburgen oder Möbeln - es macht großen Spaß, sinnvolle Dinge mit eigener Hand herzustellen und schön werden zu lassen.

Unser Ältester, Boris, hat uns alle mit seiner Tierbegeisterung angesteckt. Aber er ist uns allen weit voraus. Sein Auge und Gehör sind durch sein Interesse so geschult, dass er Dinge wahrnimmt, die der Normalsterbliche übersieht. So hat er schon viele Larven gefangen und bei ihrer Verwandlung zugesehen. Er weiß, wo es welche Schmetterlinge und Käfer gibt und kann anhand von Vogelstimmen bzw. ihrer Flugbewegung die jeweilige Art ausmachen.

Zensuren und Noten sind Fremdwörter bei uns, da wir es nicht nötig finden, die Kinder an allgemeinen Standards zu messen. Jeder Mensch ist so individuell. Außerdem merkt man in so einem kleinen Rahmen wie hier bei uns zuhause schnell, worin man gut ist und wo die Schwächen liegen, ob man sich anstrengt bzw. worin andere gleichaltrige Kinder besser sind als man selbst.

clip_image004Da die Kinder nicht ständig mit vielen Menschen zusammenkommen, sind sie offen für Kontakte und Begegnungen, wobei es keine große Rolle spielt, wie alt die Person ist, mit der sie auf Tuchfühlung gehen. Sie haben keine Hemmungen, sich mit Erwachsenen zu unterhalten und anzufreunden, schätzen es aber auch, wenn sie gleichaltrige als Freunde gewinnen und besonders gefragt sind natürlich ältere Vorbilder, die meine Kinder vor allem in unserer recht umfangreichen Großfamilie und im näheren Bekanntenkreis finden.

Da nicht so viel Zeit- und Termindruck herrscht, haben wir Zeit, viele Dinge zu tun, die andere kaum schaffen wie an Wettbewerben teilnehmen (wir mögen gern „erlebter Frühling“ von der NABU), an Naturführungen und Besichtigungen teilnehmen, ausgedehnte Besuche machen und spontane Gelegenheiten nutzen. Wenn ein Mähdrescher vor unserem Haus arbeitet, stehen die Kinder selbstverständlich daneben und schauen zu, werden Nymphensittichbabys geboren, passen die Jungen einen Moment ab, wo weder Weibchen noch Männchen auf dem Gelege sitzen, um einen Blick auf die wunderschönen kleinen Eier zu werfen.

Homeschooling ist also kinderleicht. Wir fühlen uns wie geschaffen dafür, aber natürlich gibt es auch Tage, an denen man sich in etwas hineinknien muss, an denen nichts läuft und wir uns alle gegenseitig neu motivieren müssen. Das lernende Leben mit den eigenen Kindern ist eine sehr erfüllende Angelegenheit. Man kann alle eigenen Gaben und Fähigkeiten einsetzen und selber haufenweise dazulernen. Dinge, die falsch laufen, kann man berichtigen. Man ist verantwortlich für alles - muss aber nicht alles selber wissen oder können - das ist befreiend und antreibend zugleich.

Leider mussten wir dafür unsere schulfreien Lern- und Lebensbeziehungen in Deutschland verlassen und mussten hier in Dänemark erst neue Kooperationen mit gleichgesinnten Familien aufbauen. In unserem Heimatland mangelt es ganz offensichtlich an Toleranz. Für die Freiheit jedenfalls hat sich das Auswandern gelohnt.

© 2008 Schulbildung in Familieninitiative e.V.

*Namen geändert

7. April 2008

Rechtsschutz für Kinder: Dem Staat auf die Finger (sc)hauen

Was würden Sie sagen, wenn eines Tages Ihr 14-monatiges Kind in eine Ganztagseinrichtung verpflichtet würde, weil es immer noch nicht sprechen kann (oder mag)? Kindergartenpflicht, Vorschulpflicht, Sprachkurspflicht, Sozialmaßnahmenpflicht, Einschränkungen des Sorgerechts und der Aufenthaltsbestimmung, Kitapflicht, Pflicht zur Ganztagsschule oder Ganztagsbetreuung und vieles mehr soll nach dem ausgemachten Willen der Politik bald ohne weiteres möglich werden. Die Verantwortung haben dann nicht mehr Sie, sondern "ein Gesetz zur optimalen Kindesförderung" und derjenige, der demnach einen vermeintlichen Missstand in Ihrer Familie wähnt.
Die in der Regel kinderarmen Vertreter des Staates haben sich offen aufgemacht, die klassischen Familienkulturen weiter aufzulösen und ihnen ihre "sich wandelnden Wertenormen" aufzuprägen. Das jedenfalls legen verschiedene beauftragte Rechtsgutachten, Gesetzentwürfe und deren vorzeitige Erprobungen in der Praxis nahe, die von führenden Regierungspolitikern wie Frau Zypries und Frau v.d.Leyen ausgehen und massiv gepusht werden. Kaschiert und verschleiert werden diese Ziele mit Euphemismen wie z.B. der "Förderung der Familie" oder der "Optimalen Bildung nur in staatlichen Institutionen".
Gelegentlich werden wir auf Symptome dieser fatalen Polittrends aufmerksam gemacht, wie z.B. durch den FAZ-Artikel "Wegnehmen ist das Einfachste" vom 15.03.2008 auf S. 3.
Fast allein auf weiter Flur hat sich das Familiennetzwerk Deutschland angemessen kritisch gegen weitere Verstaatlichungen geäußert, z.B. per Pressemitteilung (Der Staat greift nach den Kindern).
Frau Zypries fühle sich immer sicherer und nehme kein Blatt mehr vor den Mund, so das Netzwerk. "Es ist auch nicht mehr von Migrantenkindern oder speziell belasteten Kindern die Rede.", wenn der Staat die Jugend durch die neuen Gesetze vorgeblich "optimal erziehen und schützen" wolle.
Bei den geplanten Gesetzesänderungen handelt es sich um die Novellierung des BGB §1666 (Sorgerecht) und ergänzend SGB VIII §24 ("Ein Kind, das das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, ist in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege zu fördern ... Dieser fest definierte "Bedarf" m u s s jährlich ermittelt und umgesetzt werden".
In Verbindung mit der Novellierung des §1666 BGB (Wegfall der Eingriffsschwelle des elterlichen Versagens bei Kindeswohlgefährdung) und die explizite Nennung der Möglichkeit der Anordnung, Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Anspruch zu nehmen, durch das Familiengericht, kann nun recht einfach eine individuelle Kita-Pflicht ausgesprochen werden, sofern z.B. das Jugendamt durch "Nicht-Förderung" eine Gefährdung vermutet.

Verfassungsrechtlich, das wissen die Protagonisten, stehen eigentlich nur die jedem Bundesbürger garantierten Grundrechte Art. 1 bis 19 der seit langem angestrebten gesellschaftlichen Umbildung im Weg. Hierzu zählt insbesondere der Art. 6, nach dem grund- und menschenrechtlich immer und insbesondere nach den Erfahrungen des Dritten Reiches zunächst allein die Eltern die Rechte ihrer Kinder vertreten und der Staat nur als Surrogat fungiert.

Vermeintlich entgegenkommend wird allerdings trotzdem der Artikel 7 des Grundgesetzes angesehen, der ausgerechnet dem Staat oder zumindest der Schule mindestens gleichberechtigte Erziehungsverantwortung angedeihen lassen soll. Nur mit einem unabhängigen, also nicht von Eltern beauftragten Erziehungsrecht von Nichteltern wird landläufig dann auch die staatliche Schulpflicht legitimiert.

Diese und andere mit diesem Grundrecht verbundenen Irrtümer können am Wortlaut des Grundrechts leicht aufgedeckt werden, wie wir gleich sehen werden.

Über das Mittel einer immer weiter ausgedehnten Schulpflicht sehen Ideologen die einzig rechtliche Chance für den Staat, die Erziehungshoheit der Eltern anzugreifen und immer weiter auszuhöhlen.

Aus diesen Gründen sollte, am besten durch eine gut vorbereitete Sammel-Parade-Verfassungsklage, ein für alle Mal und unmissverständlich gezeigt werden, dass der Artikel 7 unseres höchsten Gesetzes Bürgerrechte und nicht Befugnisse eines Staatsapparates versichern.

Wer von den jungen Eltern, denen diese Grundrechte zugedacht sind, kennt diesen Artikel überhaupt noch genau? Hier ist er gleich:

Artikel 7 GG
(1) Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.
(2) Die Erziehungsberechtigten haben das Recht, über die Teilnahme des Kindes am Religionsunterricht zu bestimmen.
(3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen.
(4) Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen wird gewährleistet. Private Schulen als Ersatz für öffentliche Schulen bedürfen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen. Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn die privaten Schulen in ihren Lehrzielen und Einrichtungen sowie in der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen und eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn die wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Lehrkräfte nicht genügend gesichert ist.
(5) Eine private Volksschule ist nur zuzulassen, wenn die Unterrichtsverwaltung ein besonderes pädagogisches Interesse anerkennt oder, auf Antrag von Erziehungsberechtigten, wenn sie als Gemeinschaftsschule, als Bekenntnis- oder Weltanschauungsschule errichtet werden soll und eine öffentliche Volksschule dieser Art in der Gemeinde nicht besteht.
(6) Vorschulen bleiben aufgehoben.

Folgende, dort für selbstverständlich angenommene Rechtsverständnisse sind dort NICHT enthalten:

  1. Ein eigener Erziehungsauftrag des Staates
  2. Ein eigener (nicht von Eltern delegierter) Erziehungsauftrag der öffentlichen Schule
  3. Eine Pflicht von Kindern, Jugendlichen oder ihren Eltern, das vom Staat beaufsichtigte  Schulwesen in Anspruch zu nehmen.
  4. Der Ausschluss von Bildungsmodellen ohne Schule innerhalb und außerhalb des Schulwesens.
  5. Die Schulpflicht, die Schulbesuchspflicht noch irgendeine andere Pflicht für den Bürger.
  6. Die Einschränkung der freien Wahl einer Privatschule (explizit innerhalb des Schulwesens) oder eines jeglichen anderen Bildungsmodells außerhalb des Schulwesens.
  7. Die Bedeutung, dass das Schulwesen oder irgendeine Schule gleichsam (und notwendigerweise) den Staat verkörpert. (Mit Schule oder dem Schulwesen muss nicht der Staat gemeint sein. Nach den Erfahrungen des Dritten Reiches wird für das ganze Schulwesen offensichtlich gerade eine Aufsichtsinstanz gefordert, die von der Organisation von öffentlichen Schulen unabhängig ist)

Art. 7 GG sichert also lediglich ein Schulwesen, das, staatlich beaufsichtigt, jedem (kostenfrei) zur Verfügung stehen und gerecht sein soll.

Vorschulen (historisch gesehen waren das Schulstrukturen, die sich der Adel bis 1917 aus eigener Tasche leisten konnte, um Privilegien höherer Bildung zu erhalten) sind im Grunde heute mit organisierten Nachhilfediensten und -instituten vergleichbar.

Das Gutachten von Dipl. jur. Goldbecher aus Rostock ist ein brauchbarer Ansatz, um mehr Klarheit in das Dunkel verworrener und bislang trüber Rechtsprechung zu bringen. Wer bietet mehr?

Neubronners stellen ihr Homeschooling-Modell bei Beckmann im Ersten vor

Beckmann: "Wie schaffen die nachher das Abitur?"
Dagmar Neubronner: "Wenn Sie mit 17 oder 18 immer noch nicht so weit sind, dass Sie sich Dinge selber erarbeiten können, wo sie es mit 6 oder 7 ja schon können, dann - ist doch überhaupt kein Problem - können sie doch zur Schule gehen, wenn sie das selber nicht schaffen. Millionen Kinder weltweit machen ja das Abitur oder die entsprechende Reifeprüfung, ohne je zur Schule zu gehen." ...
Tilman Neubronner: "... Muss lernen weh tun?"  ...
Ranga Yogeshwar: "Ich glaube, wir brauchen Veränderung im deutschen Schulsystem."
Beckmann: "Welche Veränderung, also im qualitativen Sinne?"
Yogeshwar: "Das erste, was ich sofort machen würde, ist, die gesamte Schulpolitik abschaffen!" ...
Alexandra Maria Lara: "Ich bin froh - ich finde es sehr spannend, was Sie erzählen. Und ich finde es absolut legitim, dass man vielleicht selber wählen darf die Form, in der Kinder unterrichtet werden. ..."
Beckmann am Ende: "Sie haben was angeworfen, ich merk's, und, äh, ich wünsch Ihnen alles Gute ..."
Quelle zur Übersicht: Das Erste - Beckmann - Dagmar und Tilmann Neubronner
Quelle direkt zum Film: Beckmann im Gespräch mit Dagmar und Tilman Neubronner

Hausunterricht: Eine kindgerechte Einführung

Schule zu Hause bei Muttern. Heimunterricht in Deutschland.
Quelle: Das Rechtsportal.de

Couch statt Pult

Wenn Schüler über Computer und Internet zu Hause unterrichtet werden, sind Schulgebäude überflüssig. Die Städte würden sie dann verkaufen.
Stellt euch vor, dass da, wo jetzt im Klassenraum eine Tafel ist, ein Bild von Oma und Opa hängt. Und wo Tische und Stühle sind, steht stattdessen eine Couch. Der Fernseher befindet sich natürlich auch im Raum, schließlich handelt es sich um ein Wohnzimmer.
Dort, wo ihr jetzt noch fast jeden Morgen sitzt, um dem Lehrer zuzuhören, könnten schon bald Leute wohnen. Denn die Landesregierung NRW plant, Schulgebäude von ihrem Zweck zu befreien. ,,Dank moderner Technologien wie Internet, E-Mail und Webcam wird es bald möglich sein, Schüler zu Hause zu unterrichten. Deswegen werden die Schulgebäude überflüssig", erklärt ein Sprecher des Schulministeriums.
Für die Städte ist dies ein Riesenvorteil. Denn zum einen sparen sie die Kosten für den Erhalt und die Ausstattung der Schulen. ,,Und zum anderen können sie die Schulen an Investoren verkaufen", so der Sprecher. Das würde viel Geld in die überwiegend leeren Stadtkassen bringen.
Was schließlich aus den Gebäuden gemacht wird, bliebe den Käufern überlassen. In Großstädten mit Wohnungsmangel könnten beispielsweise neue Appartements entstehen. Dann wird das Lehrerpult durch den Küchentisch ersetzt.
Wie lang es dauert, bis die Schulgebäude nicht mehr für den Unterricht gebraucht werden, hängt natürlich davon ab, wie schnell der Heimunterricht am PC eingeführt wird.
Ein erstes Projekt läuft bereits in einer Gemeinde im Sauerland. Die Schüler der dortigen Realschule werden via Internet komplett zu Hause unterrichtet, und bei der Stadt haben sich schon erste Kaufinteressenten für das Gebäude gemeldet.
Quelle: Ein bisschen Zukunftsmusik im Remscheider Generalanzeiger vom 1. April

Letzte Konsequenz: Homeschooling

Die Schulpflicht erlaubt nur Ausnahmen, aber manche Eltern nehmen die Bildung ihrer Kinder selbst in die Hand.
Das deutsche Schulsystem löst Verunsicherung aus. Bildungspolitiker streiten über Schulsysteme, Bildungsexperten über Formen und Methoden. Eltern und Schüler sind aufgefordert, sich um die bestmöglichen Bildungschancen zu bemühen, sind aber tendenziell überfordert, die richtige Schule für ihre Kinder auszuwählen. Eine Konsequenz, die Eltern aus dieser Malaise ziehen, ist, die Sache der Bildung selbst in die Hand zu nehmen.
Quelle: Printausgabe in Neues Deutschland vom 17.03.2008, hier vollständig im Blog

Schule, Sozialisation, Streetschooling, Homeschooling und Unschooling

Fundamental: Schule, Sozialisation, Streetschooling, Homeschooling und Unschooling

... Schon bald werden die noch verfolgten Opfer willkürlicher Zwangsbeschulung und staatlicher Zwangsmaßnahmen das bestehende System ausgestanden haben und den Weg frei gemacht haben für mehr Bildungsfreiheit, für mehr Chancen, bessere Qualität und eine menschlichere Zukunft. So erstaunlich das klingt, angesichts noch nie in diesem Umfang dagewesener Paternalisierung und Bevormundung, so ist doch die Freiheit so wesentlich für den Menschen und sein Zusammenleben, als daß sie nicht völlig verdrängt werden kann. Kein noch so raffiniertes Werk der Unterdrückung vermag ihr auf Dauer zu widerstehen. Ohne die Freiheit kann der Mensch nicht Mensch sein. Er wurde in Freiheit geschaffen und zur Freiheit berufen, die Freiheit ist so wesentlich für die Existenz des Menschen, daß selbst die menschliche Wirklichkeit von Verfehlung und Sünde in Kauf genommen wurde. Freiheit ist die große Bestimmung des Menschen, ohne die er nicht sein kann. Die Freiheit, sich zu bilden, ist daher grundlegend. Konstruktivistische Zivilisationen haben ebensowenig Bestand wie konstruktivistische Bildungspläne. Bildungsfreiheit ist daher wesentlich für die Konstitution von Zivilisation. Es ist kein Zufall, sondern hängt genau damit zusammen, daß die fehlende Bildungsfreiheit unsere Zivilisation zurückgeworfen hat und noch zurückwirft. Das kriegerische und mörderische staatssozialistische 20. Jahrhundert war das Jahrhundert der Generalbeschulung der Jugend. So geht das nicht weiter. Das 21. Jahrhundert wird sich öffnen und die Menschen werden Bildungsfreiheit schaffen, zulassen, genießen und davon vielfältig profitieren.
Quelle komplett: http://bildungsfreiheit.org/?id=4664 am 30.03.2008

Risiken und Nebenwirkungen von Schule

WHO-Studie:
Schule hat so viele ungewollte Nebenwirkungen wie ein Medikament
Für die WHO-Studie wurden mehr als 200.000 Kinder und Jugendliche in 41 Ländern Europas befragt. Ein Fünftel der Jugendlichen gab an, unter psychosomatischen Störungen wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen zu leiden. Mädchen sind häufiger krank als Jungen. Nach Ansicht von Metzler hängen die Beschwerden eng mit dem Schulstress und der Art und Weise, wie Kinder den Unterricht wahrnehmen, zusammen. Je positiver sie die Schule finden, desto seltener leiden sie unter Kopfschmerzen. Je unwohler sie sich fühlen, desto häufiger sind sie krank. ...
250.000 Mädchen und Jungen sind in Deutschland Mobbingopfer. Dass sie weniger gern zur Schule gehen, ist klar. Die Studie stellt aber auch fest, dass Mobbing auf die Gesundheit schlägt.
Quelle: ZDF am 30.03.2008 
Hier die komplette Studie (300 Seiten)

Links zum Thema Schul(system)versagen

Überforderte Schüler
Das Milliardengeschäft Nachhilfe
Große Klassen, häufiger Unterrichtsausfall, verkürztes Abi - immer mehr Schüler kommen in der Schule einfach nicht mehr mit und sind auf Nachhilfe angewiesen. Die Branche boomt: Schätzungen zufolge benötigt mittlerweile jeder vierte Schüler Privatunterricht, für den die Eltern viel Geld zahlen müssen. ...
Quelle: Frontal21, ZDF über die Sendung am 19.02.2008

Gewalt an Berliner Schulen
Neue Ausschläge
Der alljährliche Gewaltbericht der Schulverwaltung ist höchst alarmierend. Dem Bildungssenator fällt dazu lediglich ein, die Zahlen klein zu reden.
Quelle: Tagesspiegel vom 27.03.2008

Klassenkampf? Ja bitte!
Die Abstimmung mit den Füßen ist in vollem Gange, die Flucht der Eltern aus dem deutschen öffentlichen Schulsystem ist eine Tatsache. Wer immer es sich leisten kann, meidet Schulstandorte in sozialen Brennpunkten, finanziert seinen Kindern private Nachhilfe, Musikunterricht und Freizeitsport – oder schickt seine Kinder gleich auf private Internate. Folgt man einer gestern veröffentlichten Studie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), sind dies Anzeichen einer weit über den Bildungsbereich hinausweisenden Segregation in unserer Gesellschaft.
Quelle: Die Welt Online - Debatte am 27.02.2008

Einschulung
Schulangst schon vor Schulbeginn
Steigender Bildungsdruck macht Kinder krank. Der Stresshormon-Pegel steigt schon Monate vor der Einschulung. Studien belegen, dass der Schulstress neue Dimensionen annimmt. Experten warnen Eltern vor Panikmache.
Quelle: Focus Schule am 03.04.2008