14. Juni 2008

Familie und Kinder

Jugendämter entziehen immer öfter das Sorgerecht ...
tagesschau.de: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Fälle von Sorgerechtsentzug von 2004 bis 2006 um 22 Prozent. Wie erklären Sie sich einen derart deutlichen Anstieg?
Rauschenbach: Es gibt zwei Erklärungsmöglichkeiten: Zum einen haben die Probleme zugenommen. Zum anderen hat die Sensibilität für die Probleme zugenommen. Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem. Hinzu kommt, dass sich die Gesetzeslage zum Oktober 2005 geändert hat. Mit Paragraph 8a des Achten Sozialgesetzbuches ist der staatliche Schutzauftrag als Aufgabe der Jugendämter und der freien Träger konkretisiert worden. Damit ist auch deren Verantwortung gewachsen, einzugreifen. Ich wage deshalb die Prognose, dass die Zahlen für 2007 und 2008 noch höher ausfallen werden.
Infografik Sorgerechtsentzug  Rund 9600 Eltern verloren 2006 das Sorgerecht für ihre Kinder. 1000 Kinder mehr als noch 2005
...
tagesschau.de: Herrscht unter Jugendamtsmitarbeitern, angesichts des hohen medialen Interesses an Missbrauchsfällen, Angst davor zu spät einzugreifen?

Rauschenbach: Sicher. Wir verlagern im Moment die Entscheidung auf den einzelnen Mitarbeiter bzw. das einzelne Jugendamt, ohne dass wir ihnen angemessene Unterstützung bieten. Ich habe die große Sorge, dass bewährte und gute Mitarbeiter diese Verantwortung nicht mehr tragen wollen. Und dass dann in der Folge weniger geschultes Personen eingesetzt wird. Wir brauchen einfach gut ausgebildetes und qualifiziertes Personal. Aber vor allem fehlt den Jugendämtern die öffentliche Unterstützung. Eher wird das Jugendamt angeklagt, anstatt dass man fragt, wie muss man das Jugendamt ausstatten, damit es diesem Anspruch gerecht werden kann.
Quelle: Tageschau.de am 07.06.2008


Familienpolitik. SPD beschließt Aktionsplan gegen Kinderarmut.
Quelle: Die Welt am 09.06.2008
Anmerkung dazu von www.familientrends.de: In dem Plan stellt die SPD 10 Handlungsansätze zur Bekämpfung der Kinderarmut vor. Im Kern laufen sie darauf hinaus, die Erziehung von Kleinkindern in zu staatlichen Eltern-Kind-Zentren ausgebauten Kitas unter Aufsicht der Jugendämter zu konzentrieren. Zuvor sollen die Jugendämter zu Dienstleistern ausgebaut werden. In diesen "Zentren" (Uns ist übrigens schon eine gute Abkürzung für diese Zentren eingefallen, die, da sie sehr böse Assoziationen weckt, wir aber lieber nicht nennen wollen.) sollen die Kleinen dann aber ein kostenloses Mittagessen erhalten. ...
Jugendämter sollen Problemfamilien unangemeldet kontrollieren
Mehr Schutz für Kinder vor Gewalt und Vernachlässigung: Die Richtlinien für Jugendämter sollen deutlich verschärft werden. Auch unangemeldet sollen die Mitarbeiter künftig in Problemfamilien erscheinen, wenn es Anhaltspunkte für Kindesmisshandlung oder Vernachlässigung gibt. ...
Die Ministerpräsidenten und Merkel wollen auch den Datenaustausch zwischen den Ländern zum Kinderschutz ausweiten. Unter dem Motto "Datenschutz darf Kinderschutz nicht behindern" soll bundesweit sichergestellt werden, dass bei einem Wohnwechsel dem neuen Jugendamt alle für die Kinder- und Jugendhilfe nötigen Informationen übermittelt werden. ...
Quelle: Spiegel am 12.06.2008
Film-Hinweis
Ein Vater kämpft um seine Kinder ( 09.06.2008 um 00:00 Uhr in der ARD ).
Dazu die Email von Herrn Peter Briody:
Sehr geehrte Damen und Herren
„... das Gesetz ist ein Esel“, sagte Mr. Bumble in „Oliver Twist“.
Dass die Iren mit ihrem Rechtsystem auch zu kämpfen haben, erkennt man in dem Film
Dies ist eine Film-Version einer wahren Geschichte, des erfolgreichen Wegs zum irischen Verfassungsgericht.  Das Original, in English, hat den Titel "Evelyn", den Namen des ältesten Kindes.
Der Unterscheid zu Deutschland ist, dass die Deutschen noch zusätzlich mit einem Pseudo-Justiz kämpfen müssen, die zwar auch ein Esel ist, aber die Rechtsbeugung grundsätzlich nicht verfolgt. Mann kann spekulieren, ob in einer äquivalenten Situation in Deutschland der Kampf ebenfalls erfolgreich gewesen wäre - gegen ein korruptes Jugendamt und seine Komplizen in der Justiz.
Die Iren sind zu beneiden: Sie haben nur den Esel zu bekämpfen.
Mit freundlichen Grüßen peter briody
(Herr Briody ist Ire und war Richter bei der Royal Air Force.

Schul(system)versagen ... ist das Versagen der Schule, nicht ihrer Schüler.

Verzweifelte Grundschüler - Brutale Auslese im Kindesalter
Quelle, PDF-Text und Video: Panorama vom 05. Juni 2008


"Wir sind der letzte Dreck" - Endstation Hauptschule?
Quelle, PDF-Text Teil1, Pdf-Text Teil2 und Video: Panorama vom 06.06.2008
"Mobbing gibt es an jeder Schule"
Mittelsächsisches Theater Freiberg/Döbeln macht mit Aufführung im Klassenzimmer mobil gegen Mobbing und Gewalt ...
"Du bist Ausländer, Du hast eine Brille und Du guckst immer so blöd", zeigt Jürgen alias David Zimmering auf verschiedene Schüler und sagt ganz beiläufig: "Jeder kann zum Opfer werden. Irgendwas findet man immer, um andere fertig zu machen." Dann erzählt Jürgen eine Geschichte vom Löwen. "Der Löwe ist stark, weil die anderen schwach sind", liest er vor und noch etwas: "Löwen jagen in Gruppen". Die Metapher soll den Schülern ihr eigenes Verhalten aufzeigen. Etwa 45 Minuten dauert der Monolog von Jürgen, in dem er anschaulich und nah berichtet, was ihm alles schon Schlimmes in der Schule wiederfahren ist. Dass man Angst hat und weglaufen will, sich nicht auf den Unterricht konzentrieren kann und wegen vielen Kleinigkeiten fertig gemacht wird. In der neuen Klasse findet er Verständnis, manche können bestimmte Situationen nachvollziehen. In der an das Stück anschließenden Diskussionsrunde werden die Jugendlichen ermuntert, sich zum Thema zu äußern und es nicht einfach zu übersehen, denn "Mobbing gibt es an jeder Schule und in jeder Klasse", so Jürgen.
Mathematikklausur in der zentralen Abiturprüfung 2008 wird am 17.06.2008 wiederholt.
Daniela Junghans: "Ratlosigkeit wegen der Pannen rund um das Zentral-Abitur in NRW: Das ist ein herber Gesichtsverlust für die Schulministerin."
Quelle: WDR 2 Klartext am 09.06.2008 (MP3-Stream)
Führerschein weg für Schulschwänzer-Eltern
So will die Neuköllner SPD für Fleiß und Ordnung sorgen
... „In der Stadt muss eine Diskussion in Gang kommen“, fordert Jurist und Kreischef Fritz Felgentreu (39). Schulverweigerung sei ein Massen-Phänomen. Allein an den Grundschulen Nord-Neuköllns schwänzen rund hundert Kinder hartnäckig. Später, an den Hauptschulen, nimmt jeder fünfte Schüler nur teilweise oder gar nicht am Unterricht teil. Die Eltern leben meist von Hartz IV, haben oft Migrationshintergrund. Felgentreu: „Schulverweigerung ist ein Warnzeichen. Alle Intensivtäter haben ihre kriminelle Karriere als Schulverweigerer begonnen.“
Quelle: Bild am 10.06.2008 oder seriöser, aber gleich diskriminierend: Tagesspiegel
Anmerkung: Alle Bälle sind rund und daher ist alles Runde ein Ball. Oder nicht? Na gut, aber die Achse des Bösen geht doch von der Schule aus!?
14-Jähriger in Hermsdorfer Schule bis zur Ohnmacht gewürgt
Quelle: Welt Online am 10.06.2008
Gewalt an Schulen: Eine europaweite Herausforderung
Gewalt unter Schülern, aggressives Verhalten gegenüber Lehrern, Diebstahl und Vandalismus in schulischen Einrichtungen: Gewalt an Schulen ist eine der sichtbarsten Formen der Gewalt gegen Kinder.
Das öffentliche Bewusstsein für Gewalt an Schulen und die Intoleranz gegenüber diesem Problem sind in den letzten zehn Jahren jedoch gestiegen. Bei den meisten europäischen Regierungen steht Gewalt an Schulen inzwischen auf der politischen Tagesordnung. ...
Quelle: Europarat März 2008
Eltern blockieren Erfolg des deutschen Bildungssystems!
- Oder: Wenn die Bildungswelt eine Scheibe ist
Die anhaltende Mittelmäßigkeit des deutschen Bildungssystems (siehe z.B. Akademiker- und Schulabbrecherquote, soziale Selektivität) ist hinlänglich bekannt und der Tagespresse zu entnehmen (vgl. z.B. HBF 05.06.08). Nicht weniger unbekannt sind die zahlreichen und höchst umstrittenen Rezepte zur Hebung der Schulqualität. Jetzt hat ein Sozialforscher in einem weitreichweiten Medium per Interview die eigentlichen Übeltäter benannt: Es sind die Eltern, die seiner Ansicht nach den Erfolg des Schulsystems verhindern (HPL).
Dankenswerterweise hatte unlängst eine Redaktion das Bildungsthema umfassend ausgeleuchtet. Dabei kamen renommierte Forscher unterschiedlicher Disziplinen zu Wort, die den laufenden Bildungskampf  äußerst treffend eingeordnet und die wichtigsten Reformpunkte zusammengefaßt haben (HPL). ...
Quelle: HBF am 9.06.2008
Schummel-Welle bei Mathe-Klausur
Ein Maulwurf? Zufall? 28.000 Berliner Zehntklässler müssen ihre Abschlussarbeiten in Mathematik noch einmal schreiben. An mindestens 12 Schulen haben die Lehrer Hinweise darauf gefunden, dass die Schüler die Aufgaben vorher kannten. Die Bildungsverwaltung sucht das Leck. ...
Quelle: Spiegel Schulspiegel am 11.06.2008
1000 Gymnasiasten protestieren gegen Schuldirektor
Unterricht in Scharnebeck boykottiert - Kritik am Führungsstil des Pädagogen - 43 Lehrer drohen mit Weggang ...
Bereits vor einem Jahr hätten die Schulinspektoren dem Direktor attestiert, dass sein Führungsverhalten dem Gymnasium schade, eine lähmende Atmosphäre verbreite und Neuerungen blockiere, sagte Kressel. Nun habe es in einigen Bereichen sogar Verschlechterungen gegeben. "Das Gymnasium in Scharnebeck erfüllt zurzeit nicht die Mindestanforderungen an Schulqualität", stände in dem neuen Bericht der Inspektoren....
Quelle: Die Welt am 13.06.2008

13. Juni 2008

Leserechos

Hallo, könnt Ihr uns Leute aus DL vermitteln, die in die Schweiz zum homeschooling gegangen sind? Wir wollen ab September dorthin und suchen Kontakte.
Liebe Grüße Susann
Ein Tag später: Vielen Dank!!! Ich habe jetzt 3 Ansprechpartner. Liebe Grüße Susann


Sehr geehrter Herr Edel, obwohl ich die andere Familie mit dem DS Kind angeschrieben habe, ist leider keine Rückmeldung gekommen. Schade, denn zusammen kann man doch mehr erreichen.
Wie dem auch sei, ich hätte doch noch einmal eine Frage, wie würden Sie es beurteilen, in welchem Land der EU  würde sich für ein Kind mit DS  das Homeschooling am
einfachsten verwirklichen lassen? Ich mache mir so einige Sorgen falls wir uns in Österreich anmelden würden, wie dann die Prüfungen gehandhabt würden. Gibt es irgendwo  Möglichkeiten nachzulesen wie es in den einzelnen Ländern gehandhabt wird?
Ich bedanke mich für Ihre Hilfe und Mühe und verbleibe mit freundlichen Grüssen M.F.

Liebe Frau F., wie das speziell in den Ländern aussieht für Kinder mit besonderem Förderbedarf weiß ich nicht. Allgemein für Homeschooling sind die Bedingungen in England, Irland, Dänemark am Besten, weil man sich als Homeschooler nicht einmal registrieren lassen muss.
In Belgien, Polen, Frankreich, Italien etc. muss man anscheinend einen Antrag stellen. Auch in der Schweiz und in Österreich und Tschechien meldet man sich an und wird sogar von einer "Stammschule" einmal jährlich geprüft. So gesehen ist Homeschooling in Österreich und Tschechien noch am schwierigsten, weil, wenn die Leistungen nicht einigermaßen entsprechend der Schule sind, man im nächsten Jahr zur Teilnahme am Unterricht gezwungen werden kann.
Besten Gruß, Jan Edel
PS: Ich kenne noch eine Homeschooling-Mutter mit DS Kind in Frankfurt (Nur Telefon). Wäre ein Kontakt interessant für Sie?


ich bin vormund eines noch 17 jährigen, der die lernschule geschmiessen hat und keinen abschluß jetzt nachweisen kann. er möchte gerne den hauptschulabschluß erst einmal nachholen, in einem selbststudium zuhause. wer kann mir da weiter helfen, wo er dies am besten machen kann und wie er die finanzellen kosten auffangen kann. ein vhs-kurs bitte sich nicht wirklich in unserer stadt an und ein förderkurs der arbeitsagentur ist auch nicht in sicht. ich bedanke mich schon einmal für infos im voraus. vielleicht finden sich auch noch andere mit denen man ein erfahrungsaustausch machen kann, die die selben probleme haben, danke und lg mario

Hallo Mario,
durch ein selbstverantwortetes Lernen können totale Schulversager plötzlich eine nicht für möglich gehaltene Motivation entwickeln. Lernen muss mit einem Selbst und mit Sinn verknüpft werden, dann klappt es immer (ob in der Schule oder völlig ohne).
Zur Frage in Stichworten (die im Internet nachgesehen werden sollten):
- Flexschule auf Kosten des Bundes (für Schulverweigerer)
- ils, sgd oder Bochumer Webschule (teuer)
- Lernen mit den alten Schulbüchern und Anmeldung zur "Nichtschülerprüfung" im Herbst
- wenn Sprachkenntnisse das zulassen, könnte man einen ausländischen Abschluß erwägen
- ein in vielen Ländern anerkannten Abschluss kann man auch über Clonlara (www.clonlara.de) erreichen.
Beste Grüße,
Jan Edel


Hallo Jan, ...
Du hast unser Anliegen genau erraten. Wenn Du hast, wäre eine Telefonnummer von anderen Home Schoolern in Dänemark prima. Wir haben schon Kontakt zur Kommune unseres künftigen Wohnortes aufgenommen und vorgefühlt. Home Schooling scheint wohl möglich zu sein. Wir waren etwas beunruhigt, da in der Einwandererbroschüre von Dänemark steht, daß Kinder verpflichtet sind, die 9-jährige Volksschule oder eine freie Schule zu besuchen. Die Kommune hat sich jedoch anders geäußert. Trotzdem würden wir gerne einmal mit Eltern sprechen, die dort schon in praxi Home Schooling betreiben. Leicht fällt es nicht, hier vieles aufzugeben. ...
Herzliche Grüße von uns allen  R. und Familie

6. Juni 2008

Die Spitzen des Eisbergs namens Schulzwang

Zeitgleich mit den Vorgängen bei Calw im Schwarzwald (BW) um Familie Landahl (wir berichteten) gab es noch einen anderen, bislang unbekannten Fall in BW, bei dem vereinte staatliche Macht einer Familie die Kinder entzieht. Motiv: Der Deutsche Schulzwang! Hintergrund: Pilotmodell "Erleichterte" familiengerichtliche Maßnahmen gegen Schulverweigerer. Der Unterschied zu Landahls: Die betroffene Familie konnte sich nicht vorher ins Ausland retten.
Lesen Sie hier die zeitlich geordneten Einzelberichte:

H.B. am 09.05.2008: Soeben rief uns Vater G. aus ... an, dass ihm und seiner Frau im Januar 6 ihrer 9 Kinder weggenommen worden seien. Es handelt sich um eine gläubige Familie, deren Mutter während der letzten Schwangerschaft eine starke Schwangerschafts- Diabetes entwickelt hatte, durch die sie sich auch psychisch verändert hatte und sich in eine psychiatrische Klinik begeben musste. Seit der Entbindung (März 08) ist sie diesbezüglich wieder gesund. Jedoch hatten die Behörden im Januar die Situation ausgenutzt und- als der Vater sie in der Klinik besuchte- mit 30 Polizeibeamten und 10 Einsatzfahrzeugen die 6 minderjährigen Kinder zwischen 3 und 17 Jahren zu Hause abgeholt und in Heime verbracht. Dieser Akt der Barbarei wurde damit begründet, dass die Mutter ja psychisch krank sei und die Kinder nicht versorgen könne, der Vater alleine sei überfordert, Schlagwort „Kindeswohlgefährdung“.
Dass es sehr viel mit dem Hausunterricht , der bisher geduldet wurde, zu tun hat, zeigt die Äußerung des Richters, dass die Familie die Kinder wieder bekomme, sobald die Mutter sich psychiatrisch begutachten lassen habe und die Schulanmeldung der Kinder vorliege.
In 4 Wochen soll eine Verhandlung stattfinden. Ein erfahrener Anwalt aus Stuttgart steht der Familie bei.
Die älteren Töchter brachten es fertig, eine gemeinsame Unterbringung zumindest der 4 Kleineren durchzusetzen. Es gibt noch 2 erwachsene Kinder, und das Neugeborene ist noch bei den Eltern. Regelmäßige Kontakte finden statt.
Den weggenommenen Kindern geht es relativ gut, denn sie haben laut Vater von Haus aus ein fröhliches und starkes Wesen und festes Gottvertrauen. Der Kleinste (3) wurde 5-mal zum Psychiater gebracht, auch die anderen mussten sich testen lassen, angeblich mit positivem Ergebnis.
Die Mutter ist natürlich sehr traurig, macht sich Vorwürfe und hat wenig Kraft (welcher Mutter ginge es anders?).

P.B. am 17.05.2008: ... Am 05.01.2008, mit einem massiven Aufgebot an Polizisten ( 30 Stück ), nahm das Landratsamt Bodenseekreis 6 Kinder fest und steckte sie in Heime ( übrig blieben zwei Volljährige und ein Säugling ).
Heute um 06:30 Uhr liefen die zwei ältesten ( 17 bzw. 14 ) der herausgenommenen Mädchen davon und liefen die 20 km auf Inlinern nach Hause. Als eine Heim-Erzieherin gegen 12:30 von den zwei undankbaren Ausreißerinnen erfuhr, drohte sie mit der Polizei, falls die Mädchen bis 18:30 Uhr nicht zurück ins Heim kehren würden. Die Familie ließ den Termin verstreichen. Gegen 21:30 Uhr tauchten 3  MitarbeiterInnen des JA, mit Polizeibegleitung, auf. Nach einer kurzen Verhandlung stimmte das JA zu, dass die Mädchen bis kommenden Mittwoch – in Erwartung einer Gerichtsverhandlung - zu Hause bleiben dürfen. ...

H.B. am 18.05.2008: Wir waren am Do mit P.B. und Frau in ... und haben die Familie besucht. Der Anwalt Dr. ... will erst einmal ohne Öffentlichkeit die Verhandlung der nächsten Instanz in Freiburg durchführen. Die familiäre Situation ist verständlicherweise sehr angespannt.

H.B. am 02.06.2008: Die beiden ältesten weggenommenen Kinder der G.s, Sara und Priska (17 und fast 15), sind gestern mit dem Fahrrad die 20 km (ohne Erlaubnis der Behörden) nach Hause gefahren, um die Eltern und verbliebenen Geschwister zu besuchen. Danach wollten sie zurückradeln. (Beim letzten Weglaufen, welches auch das erste seit der Wegnahme war, drohte ihnen das Jugendamt, beim nächsten Mal müssten die Eltern den Polizeieinsatz zahlen.) Bei der Rückfahrt stürzte Priska schwer und schlug sich Zähne aus. Darauf kehrten beide zu den Eltern zurück. Der Vater informierte die Behörden, die die sofortige Rückkehr verlangten. Die Eltern erklärten, dass die Kinder unter diesen Umständen erstmal nicht kommen könnten und zu Hause übernachten würden. Gegen Mitternacht erschienen 20 Polizisten und brachten die beiden erstmal ins Krankenhaus, wo es hieß, man könne nichts für Priska tun. Dann ging es weiter ins Heim.
Frau G. berichtete schon vorher, dass die Kinder sehr unter Heimweh litten. Die Kindeswohlgefährdung durch die Behörden ist inzwischen so offensichtlich, dass eine baldige Heimkehr aller Kinder dringend geboten erscheint, damit nicht noch etwas Schlimmeres passiert.
Ein Verdacht auf mögliche Gefährdung des Kindeswohls bei den Eltern reicht nicht zum Einsperren der Kinder, zumal sie deutlich und übereinstimmend sagen, sie wollen heim. Auch haben, um in den Strukturen des Jugendamtes zu denken, die Eltern die ursprüngliche Bedingung längst erfüllt: Die Mutter ist genesen und aus dem Krankenhaus entlassen (schon im Februar). Auch die später aufgestellten Bedingungen sind annähernd erfüllt: Die Schulanmeldungen liegen vor, Gutachter (allerdings selbst gesuchte) werden gerade kontaktiert. Auch informieren die Eltern stets „brav“ die Behörden über den Verbleib der aus eigenem Antrieb weggelaufenen Kinder. Was muss noch geschehen?

P.B. am 02.06.2008: Ich bin soeben vom Vater über den Vorfall informiert. In erster Linie habe ich den Vater gebeten, einen Bericht über den Vorfall sofort an das Gericht zu schicken. Ansonsten wird man sagen, dass die Familie das Kind geschlagen hat. Zum Glück gibt es einen Zeugen.

P.B. am 03.06.2008: Zum Glück waren Priscas Zähne nicht ernsthaft verletzt. (Das Kind trägt eine Spange). ...

Dieser noch unaufgelöste Fall zeigt wieder deutlich, welches Macht- und Willkürpotential die gegenwärtige Praxis der Jugendämter in Zusammenarbeit mit Schulleitern, Polizei und Justiz bereits hat, vor allem in Bayern und seit Ende 2007 in Baden-Württemberg und Sachsen. Das plötzlich massive Auftreten der unionsregierten Behörden nach jeweils langer Zeit der Duldung von Homeschoolern muss seine Ursachen haben. Es darf spekuliert werden. Vielleicht spielt hier die GWG (Gesellschaft wissenschaftlicher Gerichtspsychologie) mit Hauptsitz in München eine Rolle. Jedenfalls ist sie maßgeblich involviert (siehe erster Artikel unten unter "Familie und Kinder"), wie Verknüpfungen über manchmal merkwürdig standardisierte Gutachten belegen. Zum Gesamtkontext gehört dann sicherlich auch der Bericht der Journalistin Hummel vom 18.3.2008 (FAZ, Seite 3) und die kürzlich über AP verbreitete Statistik, dass die Sorgerechtsentzüge bundesweit um das doppelte gegenüber der konstanten Zahl vor 2006 zugenommen haben. Auffällig sind dabei besondere Orte in Bayern. Die Novelle zu §1666 BGB, die gerade unter dem Titel "Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen" in 2. und 3. Lesung vom Bundestag verabschiedet wurde, hat unserer jahrelangen Beobachtung nach ebenfalls mit der bislang unrechten Rechtspraxis in Bayern zu tun. Das neue Gesetz wurde überall mit den tragischen Fällen elterlicher Kindstötung verteidigt, obwohl die Behörden in diesen Fällen alle Möglichkeiten zum Eingriff gehabt hätten. Der Gesetzentwurf wurde aber aus anderen Gründen in Bayern entwickelt und die Initiative ging von dort aus. Der europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte das Bayrische Justizministerium angemahnt, ungerechtfertigte Sorgerechtsverfahren insoweit zu beschleunigen, dass betroffene Kinder schnellstmöglich wieder in ihre Familien zurück könnten. Nun werden die Verfahren zwar beschleunigt (Der anhaltende Druck wird z.B. durch über 400 anhängige EU-Petitionen deutlich), nur leider an der falschen Stelle, nämlich zu Beginn der Verfahren für weitere Inobhutnahmen. Durch die Novelle gelang es mitunter, Eltern zur Not sogar ohne jedes ärztliches Gutachten die Kinder entziehen zu können, wenn z.B. das Jugendamt oder ein Pädagoge gegen die Einschätzung der Eltern für sie eine bessere Förderung in einer bestimmten Einrichtung, Kita oder Schule befindet (per Gutachten einer Pädagogin oder Sozialpädagogin).
Zufällig oder vielleicht auch ganz gezielt (Hinweise liegen dafür vor) sind nun Familien betroffen, die alternative, d.h. schulfreie Bildungskonzepte präferieren. So treffen die ersten, "erleichterten" Sorgerechtsentzüge im Rahmen von Pilotprojekten in Bayern, BW und Sachsen auch einige Familien mit Kindern, die (teilweise oder vollständig) ohne Schule zu Hause lernen. Ein solches Bildungskonzept (Homeschooling-Modell) möchte der Freistaat (bestärkt durch zwei gequält erscheinende Verfassungsgerichtsbeschlüsse) wegen des herrschenden Schulbesuchszwangs gerne als Elternversagen ansehen. Im Herbst 2007 erging ein schulministeriales Schreiben an alle Schulbehörden und Schulleiter/-innen von Bayern, in dem eindringlich auf die politische Sicht bezüglich Schulabsenz aufmerksam gemacht und also auch im Falle pädagogisch begründeter Schulabsenz sofortige Meldung an Jugendamt und Justiz eingefordert wird. Hier verbinden sich dann zwei bayerische Initiativen. Die eine geht vorgeblich gegen Eltern wie die von Kevin und soll offensichtlich Eltern treffen, die sich nicht durch das staatliche Bildungsangebot "Schulbesuch" abspeisen lassen wollen. Die andere richtet sich vordergründig gegen Schulverweigerer und trifft in Wirklichkeit so genannte "Homeschooler" (Freilerner, Hochbegabte, ADHSler, Legastheniker, Behinderte, Mehrsprachige etc.). Die Rechtfertigung für jedes neue Gesetz und das staatliche Durchgreifen gelingt somit problemlos, obwohl tatsächlich diese neuen "Schulsystemdeserteure" erledigt werden sollen, wie die stete ministeriale Erwähnung der beiden oben genannten Verfassungsgerichtsbeschlüsse und deren Studium beweisen. Schnell zogen diese "Lösungen" Kreise nach Baden-Württemberg und in andere unionsregierte Bundesländer. In diesem Zusammenhang sei auch an Hamburg erinnert, wo nach "Sophie" und einer mit Homeschooling auffällig gewordenen Lehrerfamilie der (implizit ohnehin bestehende) "Schulzwang" gesetzlich verankert wurde.

Interessante Links

Bildungsillusionen
Der Glaube an die Heilkraft der Bildung gehört seit je zu den Grundpfeilern der deutschen Ideologie. In einem verträumten Land, das am liebsten seine Grenzen abdichten und gleichzeitig die ganze Welt umschlingen möchte, soll es im Notfall immer die Bildung richten. Jedes soziale oder persönliche Problem hält man hierzulande zuerst für eine Erziehungsfrage. ...
Doch damit nicht genug. Lebenslang hat der moderne Untertan zu lernen. Die Gesellschaft als Erziehungsanstalt und das Leben als Bildungsprozess, das ist der Wunschtraum einer pädagogischen Politik, welche sich als Hüter der Sittlichkeit und Gerechtigkeit, der Effizienz und Exzellenz aufspielt. Von der Wiege bis zur Bahre möchte sie die Zöglinge auf die Schulbank drücken. Für jede Misshelligkeit steht ein Hort der Belehrung, Umerziehung und Nachschulung bereit. Bis zuletzt hat sich das unfertige Gattungswesen zu verbessern, und ist es nicht willig, so braucht es Pflicht und Disziplin. Als ob Zwang jemals zum Lernen angespornt hätte. ...
Dennoch schwelgen die Sonntagsreden weiter in Phrasen und Illusionen. Öffentliche Bescheidenheit ist daher unvermeidlich. Die Grenzen der Bildung liegen auf der Hand. Bildung schafft keine Arbeitsplätze und keine Gerechtigkeit. Sie hebt nicht die soziale Moral und vertreibt weder Sucht noch Gewalt. Vorschulen und Nachhilfen lösen keine gesellschaftlichen Probleme. Im besten Falle vermittelt die Erziehung den Menschen Mut zur selbständigen Lebensführung, nüchterne Urteilsfähigkeit und brauchbare Kenntnisse, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Quelle: Deutschlandradio Kultur am 26.05.2008


"Wer eine Schulpflicht propagiert, irrt. Wer Schulzwang anwendet, handelt kriminell."
Quelle: http://www.schulpflicht-schulzwang.de/
Lernen ohne Schulzwang
Schulzwang, was ist das?
Zum Tag des Grundgesetzes am 8.Mai (2009 besteht das Grundgesetz 60 Jahre lang)
Alles zu den nach England vertriebenen Landahls aus Baden-Württemberg
http://www.causa-altensteig.de/
Ein Bericht über das 3. Internationale Kolloquium zu Home Education in den Niederlanden
http://schul-frei.blogspot.com/2008/05/he-tof-home-education-colloquium-and.html
Vortrag (engl.) von Sir Ken Robinson: Do schools kill creativity? (Für Leute, die durch ihre Schule nicht deutsch und dumm geblieben sind ;-)
http://www.ted.com/index.php/talks/view/id/66?gclid=CPyxsoSCk40CFRWOEgodBD7-Fw
"Alternative education" at Wikipedia
http://en.wikipedia.org/wiki/Alternative_education
Aus der US-Forschung: Die meisten Amerikaner finden Homeschooling besser als die Staatsschule - und viele weitere Ergebnisse im Kontext dazu
http://www.ellisonresearch.com/releases/20080424.htm

Literatur

Buchbesprechung von S. Sedlaczek:

"Erledigt: Die verratene Familie. Politik ohne Zukunft"

von Jürgen Liminski

Der meisthin natürliche Bildungsort seit Menschengedenken für Kinder ist die Familie. Das beginnt sich erst jetzt zu ändern und die Politik, die gleichsam Familie und Bildung staatlich zu ersetzen sucht, beschädigt damit gleichsam beides: gute Bildung und gute Familien. Dies ist kein Zufall und so macht die Betrachtung der staatlich verursachten Probleme, die die Familien im Zeichen des Politik- und Staatswahnes zu erleiden haben, Sinn, auch um zu verstehen, warum die Bildungsfreiheit insbesondere in Deutschland derart eingeschränkt ist. ...
Darin besteht ja auch der Verrat: Die Politik redet sonntags von Familienpolitik als Politik für Familien und macht Familien werktags mittels Familienpolitik gegen Familien kaputt. Wie zuletzt am 24.04.2008 als der Bundestag einstimmig noch stärkere staatliche „Eingriffe in Familienstrukturen“ ermöglichte. Es ist das Verdienst des Autors, auch dies erkannt zu haben.
Quelle: http://bildungsfreiheit.org/?id=4710

Familien und Kinder

Warum bayerische Richter immer wieder denselben Gutachter bestellten
Verquickung von Gerichten und Gutachterfirma beschäftigt das Justizministerium - Kritiker fürchten Monopolstellung - "Gefahr der Kumpanei" ...
Schon seit Jahren steht die GWG in der Kritik. Mehrmals haben sich der Bayerische Landtag und das Justizministerium mit Beschwerden über die GWG auseinandersetzen müssen. Zumeist handelte es sich um strittige familiengerichtliche Verfahren, bei denen es vor allem um das Sorgerecht der Kinder ging. In dem Schreiben der Justizministerin heißt es, die Beschwerdeführer warfen den Gutachtern der GWG einseitiges, unwissenschaftliches oder zu kostenintensives Vorgehen vor. ...
Quelle: Welt am 2.06.02008


Mehr Bildung - gluecklichere Kinder und Jugendliche?
- UEberraschende Ergebnisse des UNICEF Berichtes
Der aktuelle UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland ueberrascht nicht nur mit seiner in offiziellen Studien (und der politischen Praxis) selten geworden Einschaetzung zum Stellenwert von Eltern bei der kindlichen Entwicklung (vgl. HBF 26.05.08). Nicht weniger lesenswert ist das Urteil ueber die Moeglichkeiten des Bildungssystems, Kindern bei der Entwicklung zu einer stabilen und sozialen Persoenlichkeit zu helfen. Unter diesem Blickwinkel betrachtet, liefern gerade die Spitzenreiter der PISA-Bildungsstudien (z.B. Finnland oder Kanada) und die Krippen-Vorzeigelaender heilsam ernuechternde Ergebnisse.
Quelle: Heidelberger Büro für Familienfragen und soziale Sicherheit (HBF) vom 2.06.2008
Kinderarmut
„Die Politik tut nichts“
Die Bundesregierung kümmert sich zu wenig um die Probleme armer Kinder, kritisiert Wolfram Hartmann vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. ...
Hartmann: Viele Eltern können Grundbedürfnisse ihrer Kinder in puncto Ernährung und Bewegung nicht erfüllen, sie geben aber auch zu wenig Anregungen. Diese Kinder haben häufig ein niedriges Selbstwertgefühl, neigen zu Depressionen und fühlen sich benachteiligt. In der Schule fallen sie oft durch aggressives Verhalten auf. ...
Quelle: Focus am 01.06.2008
Familiennetzwerk spricht von Entrechtung der Eltern.
Der Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren, der Ausbau der behördlichen Kinder- und Jugendhilfe sowie zunehmende Sorgerechtsentzüge trügen Züge einer zunehmenden Entrechtung von Eltern, so Maria Steuer. ...
Quelle: factum-magazin am 03.06.2008

Schul(system)versagen ... ist das Versagen der Schule, nicht ihrer Schüler.

Lehrerin lässt Autisten aus der Klasse wählen
Der fünfjährige Alex ist anders als die anderen Kinder einer Vorschule in Florida. Seine genervte Lehrerin warf ihn aus dem Unterricht - und ließ die Klasse abstimmen, ob er zurückkommen darf. ...
Quelle: Schulspiegel am 30.05.2008
Anmerkung: Kein Grund zu Überheblichkeit: Hierzulande werden solche Kinder gar nicht erst inkludiert.


Schule akut
Schule ist Thema Nummer 1 in der Familie – leider!
Ein Interview mit Bettina Peetz aus der Geschäftsleitung von JAKO-O
Sie unterstützen „Schule – akut“. Warum?
Weil jedes Mutter/Mutter-Gespräch binnen fünf Minuten beim Thema Schule landet. Jammern bringt aber nichts und macht nur schlechte Laune. Wir müssen kämpfen, dass sich etwas ändert und deshalb mache ich mit. Und – seit Pisa wurde wohl schon einiges getan, aber ich finde genau das Falsche. Das empört mich sehr. ...
Quelle: Neue Presse am 3.06.2008
Schule als Knast
Schüler einsperren: Ein Hilferuf überforderter Lehrer
Jede Geschichte, die das Leben schreibt, hat mindestens zwei Seiten. Im Fall jenes behinderten Kindes, das die Sonderschule „zur Beruhigung“ in einen hölzernen Zwinger sperren wollte, waren die Lehrer völlig überfordert. ...
Aber diese Maßnahme ist verboten, weswegen die Schulbehörde diese sofort untersagte. Optik und historischer Zusammenhang sind verheerend: Ausgerechnet in Hartheim wollten Pädagogen ein behindertes Kind in einen Holzverschlag sperren. Dort, wo die Nazis in der Tötungsanstalt gemäß der mörderischen Doktrin „unwertes Leben“ 30.000 Menschen umbrachten. Der Appell, dass unsere Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten darf, bleibt aufrecht.
Quelle: OÖNachrichten am 03.06.2008
Das Abi-Chaos von Nordrhein-Westfalen
Der blanke Schüler-Horror: Klausuraufgaben, die kein Mensch versteht oder für die es keine Lösung gibt. ...
Gleich reihenweise verzweifelten die Schüler - und manche Lehrer - in Mathe-Leistungskursen am "Oktaeder des Grauens", wie eine Aufgabe schnell getauft wurde. Er habe nicht "auch nur annähernd einen Lösungsansatz" finden können, sagt etwa Jan aus Arnsberg. Er fühlte sich mit einer Vornote von 14,5 Punkten eigentlich gut vorbereitet. ...
Quelle: Spiegel Online am 04.06.2008
Vorschläge gegen Bildungsarmut
Reformunfähigkeit der Kultusministerien ...
Baumert zielt damit auf das Kernproblem der deutschen Schule: die Bildungsarmut, die sie produziert. In Deutschland bleiben jedes Jahr 250.000 Jugendliche sitzen, 80.000 verlassen die Schulen ohne Abschluss und ein Fünftel der 15-Jährigen hat massive Leseschwächen.
Ernst Rösner vom Institut für Schulentwicklungsforschung in Dortmund zeigte sich erfreut ob der heftigen Kritik. "Allmählich scheinen die Forscher, die bisher so handzahm waren, ungeduldig zu werden."
Rösner selbst hat die Geduld mit der Kultusministerkonferenz längst verloren. "Da kommen nur Beschlüsse mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner heraus. Große Würfe sind nicht zu erwarten." ...
Der renommierte Forscher hatte 2006 eine Pisa-Sonderauswertung mit verheerenden Ergebnissen veröffentlicht - ohne dass die Kultusminister darauf reagiert hätten. Baumert hatte bei der Untersuchung der deutschen Hauptschulen gezeigt, dass in 17 Prozent eine derart frustrierende bis depressive Lernsituation herrsche, dass man sie nur schließen könne. Dort befinden sich 40 Prozent Jugendlicher, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, und ebenso viele, die häufig Gewalterfahrungen machen. Ein Drittel ihrer Eltern ist arbeitslos, ein Drittel hat keinen Beruf. ...
Quelle taz am 04.06.2008

Leserechos

mein sohn ist 12, ist viereinhalb jahre lang zur schule gegangen
(grundschule & dann noch ein halbes jahr gesamtschule)
& lebt/lernt nun seit fast anderthalb jahren daheim. unterbrochen von
einem kurzen versuch mit einer sudbury-schule, der aber
nicht funktioniert hat.

mit 'durchstehen' meine ich zb dass was auch im text vorkommt:
bevormundung, zwang, gängelei. der druck, sich einfügen zu
sollen, mitmachen, funktionieren zu sollen, nicht seinem eigenen weg
folgen zu dürfen. beurteilung in jeder hinsicht, nicht so
sein gelassen & akzeptiert zu werden wie eineR ist.

die sprüche, die ich gehört habe, waren meist: dein sohn macht nicht
mit, macht was er will, fügt sich nicht ein, redet dazwischen,
quatscht die ganze zeit mit dem nachbarn, verweigert sich ... die
lehrerInnen in der grundschule haben immerhin auch noch andere
aspekte seines verhaltens & seiner persönlichkeit wahrgenommen & erwähnt
(da war es eh noch relativ okay, sie haben die kinder
sehr individuell angenommen & sie einigermassen machen lassen - immer im
rahmen des plans, aber immerhin), an der gesamtschule
interessierte dann aber ausser dem funktionieren im unterricht nichts
mehr ... mein sohn war nach dem ersten tag dort gleich erstmal
3 tage "krank". dann hab ich ihn wieder dorthin "gedrängt" :( ... in den
folgenden monaten konnte ich zusehen, wie mein vorher so
fröhlicher, an allem interessierter, hochbegabter sohn immer schlechter
drauf war, unglücklicher, aggressiver wurde. dauernd
starke kopfschmerzen hatte. seinen wissensdurst & sein interesse verlor,
sich in der schule zunehmend verweigerte ... im wesentlichen
hat er in diesem monaten vermeidungsstrategien & lügen gelernt. so ab
dezember weigerte er sich immer öfter & schliesslich ganz,
dort hin zu gehen ... cecilia in homeschooling_D bei yahoo am 30.05.2008


Wir sind Studierende der Uni Paderborn und suchen im Rahmen einer Forschungswerkstatt Familien, die zu Hause unterrichten, um Sie zum Thema Homeschooling zu befragen. Unsere Untersuchung dazu hat zum Ziel, einen Eindruck davon zu bekommen, wie sich die Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, entwickeln. Diese Ergebnisse wollen wir mit Kindern, die die Schule besuchen, vergleichen. Dazu wollen wir Homeschooling-Familien befragen.
WIR BRAUCHEN JEDE HILFE! MELDET EUCH ZAHLREICH!
Vielen Dank schonmal im Voraus.
PS: Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt.
Kontakt: rachel_haas@web.de
Sehr geehrter Herr Edel, wir stellen derzeit erste Überlegungen an, uns einen Zweitwohnsitz im Ausland zuzulegen. Da wir in der Wahl des Landes ganz frei sind, wollte ich mich bei Ihnen erkundigen, ob eines unter dem Gesichtspunkt des Homeschooling und des Umgangs damit besonders anzuraten ist. Ich freue mich auf Ihre Antwort!
Mit freundlichen Grüßen Ihre M.H.

Eine gute Idee. Wenn Sie auf Deutschsprachigkeit Wert legen, käme Dänemark oder auch Belgien (deutschsprachige Gemeinschaft dort) ganz gut in Frage.
Polen, wegen der Nähe, ist z.Z. auch in Regierungskreisen recht aufgeschlossen, es gibt dort aber bereits jetzt schon keine Probleme.
In Österreich muss man sich registrieren lassen und jährliche Beurteilungen bestehen. Das ist in den zuerst genannten Ländern und in allen englischsprachigen Ländern anders. Wenn Englisch kein Problem oder sogar erwünscht ist, ist Irland, Schottland oder England innerhalb Europas die beste Wahl, weil es dort auch die meisten Familien gibt, mit denen man sich zusammen tun kann.
Aber auch Frankreich (Fernschulschwerpunkt), Tschechien (Stammschulprinzip) oder auch Italien (Sonne; Freiheit; und Südtirol hat auch sehr gute Möglichkeiten in deutschsprachigen Schulen) haben ihre Vorzüge.
Herzliche Grüße,
Jan Edel


Hallo Jan, ich hab` gerade mein drittes und viertes Ausbildungsmodul EU Fundraising
genossen und bin sehr zuversichtlich, dass mein Wissen, dass ich erwerbe, dazu beiträgt den Schulzwang ad acta zu legen. Vielleicht machst du noch ein wenig Werbung für meinen Aufruf, obwohl ich davon überzeugt bin, dass ich die Finanzierung hinbekomme. Viel wichtiger wird die zukünftige Vernetzung sein. Ich möchte in kleinen Schritten immer ein Stück weiter gehen. Wobei ich meine Rolle darin sehe, die entsprechenden Mittel zu besorgen. Erst einmal "Moin". Üwken
Bankverbindung Netzwerk Bildungsfreiheit e. V. Kto.nr.: 61 727 108  BLZ.: 67 091 500
Volksbank Neckar Bergstrasse, Zweck: EU Fundraising
Lieber Jan, könntest Du mir eventuell helfen - mir ist ein wichtiger Text durch die Maschen gegangen. Es wurde Funktion und Mechanismus der gezielten, staatlich gelenkten Minderbildung genau erklärt. Ich find ihn einfach nicht wieder. Falls Du spontan eine Idee dazu für mich hättest, wäre das wunderbar. Viele Grüße M.
Hab es wieder gefunden. Der amerikanische Pädagoge John Taylor Gatto hat die Gründe für den Siegeszug dieses Modells im Industrialismus so beschrieben: Das System ziele darauf ab, "mittelmäßige Geistesschärfe zu produzieren, um das innere Leben zu verkrüppeln, um den Schülern nennenswerte Führungsqualitäten zu verweigern und um fügsame und unvollendete Bürger zu garantieren", kurz und gut, "um das gemeine Volk , kontrollierbar' zu machen". Man kann sich bis heute im Land überall davon überzeugen, wie erfolgreich das System war und ist. Viele Grüße M.

31. Mai 2008

Nachgehakt: Schulbesuchszwang zwingend?

Frage von Johanna Elser am 25.05.2008 auf www.abgeordnetenwatch.de
Sehr geehrter Herr Frankenhauser,

vielen Dank für Ihre Antwort. Leider sind Sie ja eher auf die Schule eingegangen, als auf die Option nicht auf staatliche Hilfe zu rekurrieren.
Hier haben Sie auch §7 genannt.
Dem wollte ich einige Anmerkungen anfügen - auch wenn ich weiß, dass Ihre Zeit wahrscheinlich sehr knapp bemessen ist.

Zuerst einmal wollte ich den §6 anführen. Dieser gibt der Familie den absoluten Vorrang und folgende Passage ist besonders wichtig:

(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.

Unter Trennung verstehe ich auch eine zeitweilige, oder ist das anders gemeint?

Sie haben in Ihrer Antwort geschrieben:
Den regelmäßigen Schulbesuch von Kindern halte ich für unverzichtbar für die Entwicklung ihrer sozialen Kompetenzen und für die pädagogische und altersgerechte Wissensvermittlung durch staatlich ausgebildete Lehrkräfte.

Das bedeutet, dass Sie den Eltern und der Nachbarschaft generell unterstellen, dieses für Ihre Kinder nicht ebenso leisten zu können, wie "Lehrer". Ob die Eltern selber Lehrer sind z.B. ist hier (für Sie) uninteressant.

Leider widerspricht diese Antwort meinem Bild von Rechtsstaatlichkeit:
Ob Eltern schlechter sind als Lehrer muss in jedem Fall (indem Eltern das für sich beanspruchen) einzeln nachgeprüft werden. Alles andere ist eine pauschalisierte Vorverurteilung.

Der Verweis auf Landesgesetze gilt hier nicht, da die Familie und der §6 meines Wissens nicht nachgeordnet sind.

Niemand kann seinen Kindern guten Gewissens empfehlen die Schule zu besuchen, solange diese Regelung den Besuch zu einem Zwang macht.
Also Sorgerechtsentzug, Bußgelder und Verbringung durch Polizei die Konsequenzen sind - solange das Kindeswohl nicht gefährdet ist.

Können Sie sich wirklich keine Versöhnung mit Homeschoolern vorstellen (unter §6)?

Mit freundlichen Grüßen

Johanna


Antwort von Herbert Frankenhauser (MdB) vom 27.05.2008
Sehr geehrte Frau Elser,

vielen Dank für Ihre Nachfragen zum Thema "Homeschooling" vom 25. Mai auf Abgeordnetenwatch.

Der von Ihnen erwähnte Gesetzestext beinhaltet Regelungen über den Entzug der Vormundschaft der Eltern. Er regelt, dass der Staat unter bestimmten Voraussetzungen die Kinder den Eltern entziehen darf, wenn Leib und Leben der Kinder in Gefahr sind. Der Gesetzgeber hat hier aber sehr enge Grenzen gesetzt, die für "Ihren Fall" wohl kaum Anwendung finden.

Mit meiner vorherigen Antwort habe ich nicht unterstellen wollen, dass es die Aufgabe von Schulen oder Lehrern wäre, für die Erziehung der Kinder zu sorgen, das ist die Aufgabe der Eltern. Das soziale Umfeld in Schulen ist aber in der Regel gut geeignet für die Entwicklung der Kinder, diese können ja nicht ihr ganzes Leben lang in der Familie bleiben und lernen so bereits in der Schule den Umgang mit anderen Menschen.

Zuletzt möchte ich Ihnen noch sagen, dass mein Verweis auf die Landesgesetze ebenfalls anders gemeint war. Sie scheinen mit den Inhalten, die Kinder auf staatlich anerkannten Schulen vermittelt bekommen, nicht einverstanden zu sein. Für diese Inhalte sind jedoch die Bundesländer zuständig und nicht der Bund. Meine Antwort zielte also darauf ab, dass Sie sich an das Bayerische Kultusministerium wenden sollten, wenn Sie sich für eine Änderung der Lehrinhalte dahingehend einsetzen, dass Sie keine Notwendigkeit für "Homeschooling" mehr sehen.

Abschließend möchte ich Ihnen, sehr geehrte Frau Elser, noch sagen, dass ich weiterhin davon überzeugt bin, dass Kinder eine staatlich anerkannte Schule besuchen müssen.

Mit freundlichen Grüßen
Herbert Frankenhauser, MdB


Kommentar SF e.V.: Es mag sein, dass das soziale Umfeld in Schulen "gut geeignet" für die Entwicklung eines Kindes ist - wer auch immer dieses "gut geeignet" zu bestimmen und zu beurteilen vermag. Trotzdem scheint es aber zu viele Ausnahmen von dieser Regel zu geben und daher ist es unzulässig, für ausnahmslos alle Kinder und Jugendlichen Schulbesuch zu erzwingen. Also: Mit welchem Recht überhaupt darf Schulzwang demokratisch, also per Mehrheitsbeschluß, bestimmt werden?
Die Faszination an Homeschooling besteht ja auch darin, sich durch niemanden etwas vorschreiben zu lassen und durch nichts fremdbestimmt zu werden, solange eigenverantwortlich für das Wohl und eine gute Bildungskultur von Eltern und Kindern gesorgt werden kann.