Aus staatspolitischer Raison ist eine allgemeine Schullpflicht, vertreten durch die Protagonisten und Rechtfertiger der Staatsmacht zur Steuerung des Denkens der Jugend (NS-Zeit, "Lufthoheit über die Kinderbetten", Krippenverpflichtung in der DDR) bestens verständlich, doch als höchstes Gut liberaler Freiheiten sollten wir die Freiheit in den Köpfen unserer Kinder verteidigen. Der deutsche Hang zur Gleichmacherei und die Angst vor Experimenten und freienm Konkurrenzkampf hat Deutschland bereits mehrfach mit Hurra an den Rand des Unterganges gebracht. Richter waren zu allen Zeiten Büttel der Macht, ihnen steht nur das recht des Volkes auf Widerstand entgegen, den in unserer Zeit, in der Machterhalt nicht mehr durch Proserität und Sozialleistungen erkauft werden kann, paßt diese Entscheidung in die in allen Lebensbereichen spürbare Ausweitung der Repression, Bespitzelung und vorsorglichen Datenspeicherung, des Ausbaues der Überwachung zur Beherrschung und Lenkung des Volkes, und insbesondere der Kinderköpfe. Die allgemeine Schulpflicht ist damit in höchstem Maße undemokratisch und gegen die bürgerliche Freiheit. In einer Zeit immer individuellerer und oftmals gebrochener Lebensläufe ist die allgemeine Schulpflicht kontraproduktiv, da sie die Kinder nicht im besten Sinne fördert und so die der Gesamtgesellschaft zur Verfügung stehenden Leistungsreserven mobilisiert, sondern bei jedem Ortswechsel bereits hohe Hürden aufrichtet. In einer Welt, in der Flexibilität und Mobilität im Rahmen der globalen Vernetzung an Bedeutung noch weiter gewinnen werden, ist sie damit auch wirtschaftlich hemmend, da sie nicht dazuführt, Kinder auf dieses Leben maximal und individuell nach ihrem Können und Vermögen vorzubereiten. Die rechtspolitisch erforderliche Vergleichbarkeit der Abschlüsse und Schlüsselqualifikationen ließe sich in bundeseinheitlichen und bundesweiten Prüfungen ausreichend bemessen und sichern.
1. Dezember 2007
Erste Eingeständnisse staatlicher Instanzen zu Schulversagen
Die Senatsverwaltung für Jugend Bildung und Sport eine Empfehlung zur Gewaltprävention veröffentlicht,
in der es hauptsächlich um Schuldistanz geht.
http://www.sensjs.berlin.de/../empfehlungen_AG.pdf
"An der Arbeitsgruppe nehmen Vertreter/innen der Geschäftsstelle der Landeskommission Berlin gegen Gewalt (Federführung), der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, des Landesjugendamtes, der Bezirke, des Schulpsychologischen Dienstes, der Senatsverwal-ung für Inneres, der Berliner Polizei, der Ausländerbeauftragten des Senats von Berlin sowie Schulleiter teil."
Die Herausgeber, allesamt also vom Vater Staat bezahlte Persönlichkeiten, haben festgestellt, dass Gründe in verschiedenen Bereichen zu suchen sind, u. a. auch in der Schule:
Probleme in der Struktur schulischen Lernens:
- Leistungsdruck, Versagensängste, erfolgloses Lernen, schlechte Zensuren, Klassenwie-derholungen, Herunterstufung in eine geringwertige Schulform, falsche Schulform, nicht bewältigte Übergänge,
- keine Aussicht auf guten Schulabschluss, auf eine Lehrstelle, auf gute Berufsausbildung,
- Anpassungsforderungen
- Unterricht ist aufgrund sich wiederholender Abläufe langweilig,
- schulische Bildungsinhalte werden als bedeutungslos bzw. sinnlos empfunden,
- schulisches und außerschulisches Leben und Lernen sind getrennt,
- Lernen hat zu wenig mit den Interessen, den Lebenslagen der Sch. zu tun,
- schulisches Lernen hat zu wenig gegenwärtigen Gebrauchswert
Besonders interessant der folgenden Absatz zur Schulpflicht:
Folgende Formulierung sollte ins Schulgesetz aufgenommen werden:
„Befreiung von der Schulpflicht soll bei entsprechender Empfehlung durch die zuständige Helferkonferenz (Schule/Jugend) ausgesprochen werden, wenn die Erfüllung der Schulpflicht nicht für sinnvoll gehalten wird."
Die gegenwärtigen Bestimmungen zur Schulpflicht sind zu starr. Sie erschweren und verzögern pädagogisch sinnvolle, außerschulische Maßnahmen wie eine Teilnahme von schuldistanzierten Jugendlichen an einer Therapie oder Berufsvorbereitung.
Prämiert in Kanada – hier Sorgerechtsentzug
Homeschooling. Das kennen Sie, werden Sie sagen.
„Kindern das Gemeinschaftserlebnis Schule vorzuenthalten, sie abzuschotten von der Welt und nur mit den eigenen Ideen zu infiltrieren, ist falsch. Kinder haben ein Recht auf Schule, auf Klassenfahrten und auf Gemeinschaftserlebnisse.“ Solche Sätze sind richtig, verfehlen aber das Thema.
Dieser Eindruck musste entstehen, als die Medien anfingen, über einige spezielle Fälle der Schul- und Unterrichtsverweigerung oder religiösen Eifer in Deutschland zu berichten. Nach vielen Jahren eingehender Beschäftigung mit den Lernbedingungen der verschiedenen Arten der nicht an Institutionen gebundenen Bildung habe ich einen wesentlich differenzierteren Blick gewonnen.
In diesem Artikel sollen einige geistige Barrieren beleuchtet werden, die die Legalisierung von Homeschooling in Deutschland behindern.
Zunächst allein dieser Anglizismus, der vielen ein Dorn im Auge ist.
Viele Versuche wurden unternommen, den weltweit eingebürgerten Begriff „Homeschooling“ in die Sprache eines Landes zu übersetzen, in dem Schulpflicht als Schulzwang herrscht.
Eine adäquate Übertragung des internationalen Begriffs "Homeschooling" ist vielleicht „Selbststudium im Schulalter“. Mit Homeschooling wird ausgedrückt, dass Lernende im Schulalter, ob mit oder ohne Unterricht, teilweise oder völlig ohne Schulinstitutionen auskommen. Weniger liegt der Fokus auf "Home", was im Deutschen mehr mit "Zuhause" oder schlimmer mit "Heim" übersetzt wird, statt im Kontext betrachtet mit der Bedeutung von "Selbst-" oder "Auto-" gesehen werden sollte. Auch der Wortteil "schooling" sollte nicht 1:1 in das Deutsche übertragen werden, schon gar nicht mit "Schule". Schule wird traditionell in Deutschland immer als Institution verstanden und ist damit genau das, was Homeschooling nicht meint. "schooling" ist denn auch mehr Ausdruck des Sich-Bildens. Kurzum: Solange es im Deutschen keinen prägnanten Begriff gibt, der alle Formen der institutionsfreien Bildung im Schulalter abdeckt, ist der international bekannteste Begriff "homeschooling" als Oberbegriff am griffigsten.
Warum neue Bildungsansätze? Es gibt doch Schulen.
Das Phänomen des Homeschooling hat viele Wurzeln. Dass es – wie übrigens auch in Schulen – Erwachsene gibt, die ganz bestimmte Entwicklungen ablehnen oder gefördert sehen wollen, soll nicht verleugnet werden. Sicherlich reflektieren manche, gern einseitig ausfallende Berichte über Eltern, die einzelne Unterrichtsinhalte wie z.B. Evolutionslehre oder Schwimmen ablehnen, einen Teil der nicht zu leugnenden Wahrheit über die Hinwendung zu einer Form des Homeschooling in Deutschland. Wesentlich plausiblere Motive für Homeschooling gibt es en masse. Waren es in Flächenländern wie USA, Kanada oder Australien die räumlich schwer erreichbaren Institutionen, wird es z.B. mittlerweile auch in Deutschland immer schwieriger, eine finanziell und räumlich gut zu erreichende Schule des Vertrauens zu finden. Zunehmende Sparzwänge, konsequente Schulzusammenlegungen, die als Gemeinschaftsschulen getarnt und angepriesen werden, oder auch dramatisch schwindende Bevölkerungszahlen wie in Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern führen zwangläufig zu anonymen Lehranstalten, die keiner Kindheit mehr würdig sind.
Es wurden und werden auch immer mehr Sonderfälle bekannt, wo Kinder und Jugendliche mit dem vorhandenen Schulangebot einfach nicht zurechtkommen. Denken Sie z.B. an Mobbing oder Kinder mit Hochbegabung, ADHS, Schulangst, starke Mobilität der Eltern, Einschränkungen wie Dyskalkulie oder starke Legastenie. Fast täglich erreichen mich Emails von solchen Kindern oder deren Eltern. Viele dieser Briefe ließen mich erschaudern und es ist zum Verzweifeln, dass es bisher keinerlei Lösung oder Alternative für diese Familien in unserem Land gibt.
Als starke Wurzel des Homeschooling möchte ich aber den dem Menschen näheren Bildungsansatz herausgreifen, über den sich Eltern weltweit zunehmend Gedanken machen.
Bei allem Getrommel der Schulbürokratie und Bildungslobby für professionelle, verbesserte Lehrmethoden, Schulformen und Strukturen wird oft die Subjektstellung unserer Kinder missachtet. Bildung wird traditionell vermittelt und nicht aktiv erworben. Kinder werden (passiv) gebildet und „beschult“ statt dass sie sich bilden. Vor lauter Testungen, Erhebungen, Beurteilungen und Prüfungen bleibt dem heranwachsenden Wesen immer weniger Zeit zur individuellen Entfaltung und zu ganz praktischen Lebenserfahrungen.
Zum Erhalt hoher Motivation bedarf es Vertrauen. Menschliche Nähe und starke Beziehungen sind der Schlüssel zu sinnstiftendem und erfolgreichem Lernen. Positive emotionale Bindungen zu erwachsenen Bezugspersonen können in Schulen immer weniger geboten werden. Aber beim Homeschooling sind es Initiativen oder einzelne Eltern, die die notwendige Zeit ihren Kindern persönlich zu geben bereit sind. Kinder behalten ihr Interesse, ihre Lernfreude und die natürliche Neugier. Viele Kinder und Jugendliche könnten in ihrer Reifung sehr profitieren, wenn sie Möglichkeiten der nicht (immer) an Institutionen gekoppelten Bildung mit ihnen nahestehenden Erwachsenen hätten. Selbst in Formen des Homeschooling, in denen kein bißchen Unterricht gegeben wird (keine Angst, gelernt wird manchmal umso mehr) verbergen sich laut internationalen Studienergebnissen Chancen für sehr gute Bildung, womit hier allgemein psychosoziale, charakterliche wie auch akademische Fähigkeiten gemeint sind.
Die prekäre Lage des öffentlichen Schulsystems, in der sich übrigens auch die relativ wenigen Privatschulen befinden, ist, Kindern nicht ausreichend Spielraum und natürliche Lebenswelt bieten zu können. Es ist einfach eine völlig andere Art zu Lernen und sich zu entfalten, wenn man nicht für Lehrer und Klassenarbeiten am nächsten Tag lernt, sondern für sich und sein Leben (motivierende, individuelle und anregende Bezugspersonen vorausgesetzt).
Nun zu den Inhalten. Was Bildung einmal war, wissen wir. Was aber bedeutet Bildung heute? „Ehrfurcht vor Gott zu wecken“, wie es die Gründungsmütter und -väter noch in die Präambel der nordrhein-westfälischen Verfassung schrieben, ist als „das höchste Erziehungsziel“ längst passé. Wer also bestimmt, was gute Erziehung und Bildung ist? Wer definiert, was sie zu sein hat? Immer weniger Bedeutung kommt der reinen Wissensvermittlung zu. Soziale Verantwortung und je nach regierungsamtlichem Gusto ökologisches Bewusstsein und politisches Interesse sind wichtig. Jedenfalls wertfrei und „objektiv“ soll Bildung, ergo Schule sein. Eine andere Quelle für Bildung kann und darf es aus Gründen der Gerechtigkeit für gleiche Startbedingungen nicht geben. Diese soll kostenfrei sein – ist sie längst nicht mehr. Schulgeld und Nachhilfe verschlingen bare Mittel – von Fahrtkosten ganz zu schweigen. Und Spaß soll Schule machen – im kritischen Alter zusammengerechnet sogar 40 Sunden die Woche lang. Eltern wie Staat hätten gerne sozial verantwortliche, mündige neue Bürger, die fähig werden, selbstbestimmt ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Kinder werden selten gefragt – wollen all das aber in der Regel ganz von allein, wenn Mama oder Papa es vormachen können.
Wachsende internationale Solidarität
Die internationale Empörung über die Kriminalisierung des schulfreien Lernens in Deutschland wächst. Gestern am 30. November fand vor der Deutschen Schule in Pretoria (Südafrika) eine Protestkundgebung statt. In Südafrika war Homeschooling zu Zeiten des Apartheid-Regimes verboten und wurde 1996 von der neuen Regierung unter Nelson Mandela erlaubt. Die genaue Anzahl frei lernender Kinder in Südafrika ist nicht bekannt, da hier keine Kontrolle stattfindet, man schätzt ca. 100.000.
Auf der Homepage http://www.bremen-memorial.org/ wird unter Hinweis auf den Bremer Fall der Familie Neubronner zu Protesten aufgerufen. Die Südafrikanischen Homeschooler empören sich besonders darüber, dass deutsche Kinder in Südafrika in eigenen deutschen Schulen und Kindergärten "parallel" zur afrikanischen Gesellschaft gebildet werden und ihnen das Homeschooling vom Auswärtigen Amt empfohlen wird, deutsche oder südafrikanische Familien in Deutschland hingegen mit Hinweis auf die Gefahr von "Parallelgesellschaften" zum Schulbesuch gezwungen werden sollen.
23. November 2007
Home Education in Deutschland
Hintergründe - Praxis - Entwicklung
2008. 286 S. Mit 7 Abb. u. 1 Tab. Br.
Autor(en): Spiegler, Thomas
ISBN: 978-3-531-15729-0 - Sofort lieferbar
EUR: 29,90
Jenseits des staatlichen Schulsystems
Die Idee des Homeschooling hat auch in Deutschland eine kleine, aber langsam wachsende Zahl von Anhängern gefunden. Die vorliegende Arbeit ist die erste breit angelegte empirische Studie, die Auskunft gibt über Entwicklungsweg und Gestalt der deutschen Home Education Bewegung. Im Zentrum stehen die Fragen nach den Motiven für die Wahl dieser Bildungsform, nach der Gestaltung des individuellen Lernens und nach den unterschiedlichen Konsequenzen, die derartiges Handeln nach sich zieht. In der soziologischen Analyse des umfangreichen Datenmaterials werden auch die pädagogischen, juristischen und gesellschaftspolitischen Aspekte berücksichtigt, die mit diesem Thema verknüpft sind.
Aus dem Inhalt
Was ist Home Education? - Warum wählen Eltern Home Education? - Theorie und Praxis der Bildung zu Hause - Entwicklung und Gestalt der Home Education Bewegung in Deutschland - Home Education als Rechtsbruch - Gesellschaftliche Chancen und Risiken einer wachsenden Home Education Bewegung
Zielgruppe
- SoziologInnen
- ErziehungswissenschaftlerInnen
- an Bildung und Schule Interessierte
Über den/die Autor(en)
Dr. Thomas Spiegler studierte Theologie und Soziologie und promovierte in Marburg.
Liebe Netzlerner!
Danke für den interessanten Rundbrief mit der Info. Leider habe ich den Bericht bei Stern TV nicht gesehen.
Wir haben hier gerade einen Fall aus Hessen, der Sie vielleicht auch interessiert, gerade in Hinsicht auf das aktuelle BGH Urteil. Es geht darum, wie schnell und unbürokratisch mit Unterstützung des zuständigen Schulamtes die Schulpflicht ausgesetzt wird, wenn ein Kind im Unterricht stört. Das ist bereits der zweite Fall dieser Art aus diesem Schulamtsbezirk, von dem wir Kenntnis haben.
Die Eltern eines achtjährigen, Grundschülers eine zweiten Klasse mit guten Leistungen, wurden am 14.6.2007 (Freitag) zum ersten Mal benachrichtigt, dass ab dem darauf folgenden Montag die Schulpflicht mit sofortiger Wirkung ruhe. Dies erfolgte nach Absprache mit dem Staatlichen Schulamt für zwei Wochen, weil sich das Verhalten des Kindes nicht gebessert habe. Begründet wird diese Maßnahme mit den Vorwürfen: „Er stört den Unterricht permanent durch Belästigung seiner Mitschüler durch unflätige Worte, Boxen, Schubsen, angebliches Wegnehmen von Sache. Er kippelt, schiebt den Tisch, zieht anderen Kindern den Stuhl weg, rülpst laut, singt, u.v.m.“ Die Beobachtungen der Eltern und der Psychologin zeigen etwas anderes: Das Kind kann machen was es will, es ist der Sündenbock. In der Schülerakte ist jedes kleinste Vergehen akribisch festgehalten: A. hat seinen Kakao verschenkt, A. hat seinen Kakao verschüttet, A. hat sich in der Pause gestritten, A. hat in der Pause ein Kind angerempelt…Der Junge saß wochenlang während der Unterrichtspausen allein in der Pausenhalle, ohne dass die Eltern offiziell darüber informiert wurden. Die besorgte Mutter hatte Hausverbot und durfte die Schule nicht mehr betreten. Ihr Widerspruch wurde vom staatlichen Schulamt kostenpflichtig zurück gewiesen.
Im April 2007 erfolgte ein Schulwechsel, um die Schulsituation des Jungen zu verbessern, aber die aufnehmende Schule integrierte weder das Kind noch dessen Eltern. Wichtige Informationen für den allgemeinen Schulbetrieb sowie für den Unterricht (z.B. Liste der benötigten Arbeitsmaterialien usw.) wurden sowohl durch die Schulleiterin wie auch durch die noch junge Klassenlehrerin vorenthalten. So wurde die besorgte und um Zusammenarbeit bemühte Mutter schnell wieder lästig, ja seitens der Schule verweigerte man sich regelrecht einer Zusammenarbeit und somit auch der hessischen Schulgesetzgebung. Nachdem die Eltern EMGS eingeschaltet hatten wurde versucht, zwischen den Parteien zu vermitteln. Von Schulseite wurde sich jedoch nie an gemeinsame Abmachungen gehalten. Bei ihrem letzten Gespräch mit der Schulleitung und der Klassenlehrerin am 14.08.2007 wurden die Eltern von einem Mitglied von EMGS begleitet. Bei diesem Gespräch erfuhren die Eltern ganz beiläufig, dass in der zweiten Woche nach den Ferien eine Klassenfahrt stattfindet. Die Klassenlehrerin erklärte darüber hinaus, dass sie nicht bereit ist den Jungen auf diese Klassenfahrt mitzunehmen. In einem nachfolgenden Schreiben wurde der Mutter anschließend vorgeworfen, dass sie nicht wolle, dass ihr Kind mitfährt, und sie ihrem Sohn somit eine besondere Möglichkeit der Integration in die Klasse vorenthalte. Der Junge verbrachte während der Klassenfahrt wieder eine Woche zu Hause, auch wieder ohne jegliche Klassenkonferenz oder Anhörung der Eltern. Die angekündigten Arbeitsmaterialien für eine „Beschulung zu Hause“ wurden trotz mehrfacher Zusagen nicht ausgehändigt.
Der Junge hat gute Noten, obwohl er viele Stunden vor der Klassentür verbrachte oder in andere Klassen strafversetzt war. Er scheint sich zu langweilen. Darüber hinaus haben laut schriftliche Feststellung der Schulleiterin seine „Probleme eindeutig psychische Ursachen“ und den Eltern wurde empfohlen, schnellstens für eine Therapie zu sorgen. Alle bis jetzt kontaktierten Stellen bescheinigen dem Jungen Normalität und beschreiben sein Verhalten als das eines typischen Jungen. Er rebelliert aber anscheinend gegen seine Sündenbockfunktion. Momentan läuft eine erneute Diagnostik bei einer Psychologin, deren Feststellungen in Richtung einer emotionalen Störung tendieren (u. a. fehlendes Selbstwertgefühl) Wen wundert das bei den Erfahrungen, die dieses Kind machen musste?
Seit dem 08.10.2007 ruht die Schulpflicht durch eine Verfügung des zuständigen Schulamtes erneut . Bis heute gibt es den für sechs Stunden pro Woche angekündigten Hauslehrer nicht, und erst nach mehrfachem, zuletzt sehr eindringlichem Anmahnen war die Schule bereit, das Kind, wie vom Staatlichen Schulamt angeordnet, einmal wöchentlich mit Hausaufgaben zu versorgen. Die Mitarbeit der Lehrer lässt allgemein zu wünschen übrig. An einer zufriedenstellenden Lösung für das Kind hat man dem Anschein nach keinerlei Interesse. Auch der Antrag auf Versetzung in die Parallelklasse, die von einem Lehrer unterrichtet wird und der mit dem Jungen keine Probleme hat, wurde von Schule und Schulamt abschlägig beschieden.
Bei der Anhörung am 02.10.2007 im staatlichen Schulamt zum Ruhen der Schulpflicht waren neben den Eltern ein Vertreter von EMGS und eine Anwältin zugegen. Trotzdem werden die dort getroffenen Vereinbarungen und per 08.10.2007 verfügten Maßnahmen wie Hauslehrer, Unterlagen nach Hause etc. nicht durchgeführt, man boykottiert seitens der Schule und das Schulamt duldet dies. Zwischenzeitlich sind sowohl Klage gegen das Ruhen der Schulpflicht wie auch Dienstaufsichtsbeschwerden gegen alle involvierten Personen des Schulamtes und der Schule eingereicht. Die Kultusministerin wurde ebenfalls vor 3 Wochen informiert, bis jetzt gab es aber keine Reaktion.
Dieser Fall ist ein Beispiel für das komplette Versagen des Systems. Ein funktionierendes Unterstützungssystem gibt es nicht, weder für den Schüler, noch die Eltern, noch für die überforderten Lehrer. Auch die überforderte Klassenlehrerin braucht dringend Unterstützung.
Unser Ziel war es, für das Kind und die Lehrerin eine zufriedenstellende Situation herzustellen, doch seitens der Schule und des Schulamtes wurde hier keine Bereitschaft signalisiert, im Gegenteil, man ist bemüht, das Kind „loszuwerden“.
Gerade haben wir noch von einem dritten neunjährigen Grundschüler aus dem gleichen Schulamtsbezirk erfahren, bei dem die Schulpflicht auch ruht, wieder ohne große Formalitäten. Die Schulpflicht ist in Hessen nur dann ‚heilig‘, wenn Eltern dagegen verstoßen.
Viele Grüße
D.C.
Besuch aus England
Gerade sind meine Schwester und ihre zusammen 7-köpfige Familie zu Besuch aus England für drei Wochen da. Ich muss feststellen, wie sehr mir noch in den Knochen steckt, was man ihnen hier angetan hat. Aus einem Land kommend, in dem es 160.000 Homeschooler gibt und wo diese Bildungsform kein großes Aufsehen unter Nachbarn erregt, wohnte mein Schwager aus London hier in Lüdenscheid 17 Jahre, bestens integriert, hat rundfunktaugliches Deutsch gelernt und zum Unterhalt der ganzen Familie Senioren gepflegt. Bis sie ihm wegen Homeschooling ohne Ankündigung das Konto gesperrt und die Familienkutsche konfisziert hatten. Bei Neubronners in Bremen hatte alles wenigstens noch seinen "geregelten" Gang. Der Zwangspfänder hat sich vorher angemeldet, sich umgeschaut und dann festgestellt, dass nichts Außergewöhnliches zu holen ist. Dass die Familie meiner Schwester knapp am Existenzminimum lebte und damit die Pfändungsgrenze weit unterschritten wurde, hat in Lüdenscheid niemanden interessiert. Nach ihrem Umzug auf die Isle of Wight im Ärmelkanal leben sie nun zwar in Freiheit, aber um 6.000 Euro ärmer und ohne ihren langjährig gewachsenen Freundeskreis. Dabei trösten kann sie auch nicht, dass die englische Bildungsbeamtin, die selbst für ihr Kind ein homeschooling-Modell gewählt hat, meiner Schwester 70 andere Familien mit selbem Bildungsansatz auf der kleinen Insel nennen konnte.
BGH-Beschlüsse
Der Pressemitteilung 175/2007 vom 16.11.2007 ist zu entnehmen, dass der (teilweise) Sorgerechtsentzug wegen Schulverweigerung vom BGH bestätigt wurde, auch wenn diese wie in den beiden vorliegenden Fällen religiös motiviert war.
Diese Entscheidung ist prekär, da nun in Deutschland auch für alle Eltern, deren Kinder sich in Homeschooling-Modellen bilden, der Sorgerechtsentzug droht.
Direkt dazu möchte ich die Stellungnahme #57 eines Freundes unter www.pi-news.net empfehlen.
16. November 2007
Liebe Netzlerner!
Ich wollte mich mal kurz melden. Ich war im April mit meinen Kindern nach Südafrika 'geflohen'. Die Schulbehörden waren schon wieder einmal hinter uns her. Danach ließen sie meinen Mann auch nicht in Ruhe. Mußte zu einem Polizeiverhör unter anderem. Wir sollten abgemeldet werden. Er sagte: Das ist doch meine Frau. Sie ist in ihrem Heimatland zu Besuch. Ich bin weder getrennt noch geschieden und die Kinder haben ihre Betten, Kleider und Spielsachen hier. 'Ja dann melden sie die Kinder ab!' (Ha ha the most stupid nonsense I have ever tried to understand!) Minderjährige abmelden und wohin anmelden bitteschön?!
Anyway ich habe den Behörden geschrieben mich gefälligst in Ruhe zu lassen. Dann war auch Ruhe...bis jetzt!
Die Kinder gingen dort zur Schule und es ging ausgezeichnet. Ich habe auch mal wieder unterrichtet. Es war eine tolle Zeit für uns. 5 Monate! Winfried kam zum Schluss und verbrachte die letzten 4 Wochen mit uns dort. Und doch bevorzugen die Kinder Heimschule und ich auch. Man bekommt einfach mehr getan.
Es war natürlich nicht so schön für ihn alleine hier, aber er wollte dass wir uns in Sicherheit bringen.
Homeschooling ist DER RENNER in Südafrika. Täglich steigt die Zahl!
Viele liebe Grüße an Euch.
A. D. mit co.
Aktualisierte Website
Für alle, die den letzten Rundbrief nicht erhalten haben, hier der Hinweis auf die aktualisierte Website
Die Website http://www.homeschooling.de/ wird laufend durch verschiedenste Informationen ergänzt. Die einzelnen Änderungen befinden sich immer zusammengefasst am Ende der Titelseite (News) unter Historie.
Z.B. die Seite Rechtlage http://www.homeschooling.de/rechtslage.htm enthält nun die aktualisierten Weltkarten.
Die Seite der Definitionen http://www.homeschooling.de/definitionen.htm enthält nun eine kurze Erläuterung über den in der BRD irreführenden Begriff "Homeschooling" und seine Übersetzung.
Neu ist z.B. auch die Seite "poentierte Wunschliste der Selbstlerner" (http://www.homeschooling.de/poentiert.htm)