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28. November 2008

Story/Kurzweil/Konkretes (Ausgabe #50)

Hausaufgaben - oder lieber was Sinnvolles?
Ich: "Komm, Fred, lass uns mal schnell die Hausaufgaben erledigen."
(keine Reaktion aus dem Wohnzimmer)
Ich: "Fred, komm mal bitte. Wir hatten besprochen, dass um 6 Hausaufgabenzeit ist..."
(keine Reaktion)
Ich (bewege mich denn doch auch mal ins Wohnzimmer): "Fred, kommst du jetzt mal bi..."
Er (6 Jahre alt, stinksauer): "MENNNOOO!!! Du hast mich beim Rechnen gestört!!! Jetzt kann ich mich nicht mehr konzentrieren!!!"
Ich fasse mir jeden Abend innerlich an den Kopf, wieso ich diesen Kappes überhaupt auch nur das winzigste Bisschen mitspiele.
Heute war es in Deutsch je eine Zeile Lineal, Ali, Lippen und Lappen schreiben. Nicht viel, aber völlig sinnentleert.
Ich sage also, gut deutsche Mutter: "Na komm, das geht doch ganz schnell."
Er: "Ich mach das aber nicht."
Ich: "Es ist echt nicht viel. Bitte, mach es eben."
Er: "Nur, wenn du mir einen Grund dafür sagst."
Hm. Den hätte ich ihm nicht geben können ohne schamlos zu lügen. ;-) Er wird dann wohl wieder mal keine Hausaufgaben haben. Vielleicht schreibt er statt dessen morgen einen langen Brief an seine Freundin Linnea.
Quelle: Zuschrift, Autorin der Redaktion bekannt


Freude im Haus
Chopper und Nami sind wahre Kerzenliebhaber. Wir haben bereits 6 Kerzen auf dem Tisch stehen…
Heute hat Chopper zum zweiten Mal versucht, ein Streichholz anzuzünden.
Diesmal hat er sich gleich an letztes mal erinnert (oder an meine Anweisungen von letzem Mal :)) und hat das Streichholz weg von sich bewegt, fest aufgedrückt - und es klappte!
Er hat sich ganz schön erschrocken, als es dann tatsächlich zischte.
Zwei Kerzen haben wir zusammen geschafft :)
Als das Streichholz schon weggeräumt war (wir haben auf dem Tisch einen extra Ladekipper, der verbrauchte Kerzen und Streichhölzer zur Verwertungsanlage in der Küche bringt), war seine Begeisterung groß: “I did it, I did it, and I didn’t get any fire on my clothes, and I did it towards Mummy and she aufgepasst and I can do it!” Dabei ist er auf seinem Stuhl auf und ab gehops und hat mit den Armen ganz aufgeregt geflattert - schön, so viel Freude im Haus zu haben.
Quelle: Thousand Sunny's Weblog am 23.11.2008
Unser zehnjähriges Jubiläum der schulfreien Bildung
Warwick Castle July 24th, heute beobachten wir eine Adler-Flugschau und Ritterspiele in dieser mittelalterlichen Burg in England. Reisen bildet tatsächlich – das haben wir in 10 Jahren ohne Schule immer wieder genossen. S-girl (20 yrs) hat damals (11 Wochen in 2004) ihre Sprachkenntnisse in Californien und später als Mitarbeiter eines Kinderheims in Süd-Afrika (7 Wochen 2007) vertieft. Auch Ma-boy (22 yrs) ist gereist, wobei ihn eine Werft in Bordeaux und ein Produktionsbetrieb in Dänemark faszinierten. Da sich die Welt der Technik nicht in sein Zuhause zwängen ließ, wählte er nach 4 schulfreien Jahren das örtliche Gymnasium mit technischem Schwerpunkt. Mittlerweile hat er das 5. Sem. in Ingenieurwesen erreicht und wird bald mit dem Bachelor abschließen.
Als die Schulzeit meiner vier „lieben Kleinen“ begann, waren für mich Mutterschaft, Hausarbeit und Familienleben erfüllend, ganz im Gegensatz zum Bilanzieren von Rückstellungen für Risiken aus schwebenden Geschäften. Mein BWL-Studium hatte auch viele Rechtsfragen eingeschlossen (u.A. Handels-, Gesellschafts-, Bilanzierungs- und Steuerrecht). Von der Juristenmaterie wurde ich als Bildungs-Alternativler allerdings wieder eingeholt - Selbst S-girl hat es mittlerweile mit Rechtsfragen zu tun, da sie – wie könnte es anders sein! – Business studiert. Sie hatte sich schulfrei gebildet von Klasse 5 bis 8 und macht ihren Master etwa 30 Jahre nach mir.
1998 hatten wir uns gegen den Schulzwang entschieden, damals waren die Kinder zwischen 5 und 12 Jahre alt gewesen. Die Erfahrungen einer Dekade haben auch uns Eltern sehr gebildet. Besonders dahingehend, dass jedes Kind spezielle Angebote für seine Begabungen und Schwächen brauchte.
Ma-girl (17 yrs) ist glücklich, weil sie unterwegs irgendwo bei netten Engländern ein Klavier fand, das sie stundenlang spielen durfte. Außerdem hat sie ihr Geiglein mit im Gepäck, das sie über alles liebt. Immerwieder zwischendrin zu musizieren hatte für sie besonders auch das Bücherlesen wäh­rend der grauen Winter aufgelockert. Gerade ihre musikalische Begabung ist mir ein Beispiel dafür, dass hohe Spezialisierung einerseits ohne Druck, andererseits aber durch stete Übung und Vervoll­kommnung erreicht wird. Nach 8 Jahren schulfreier Bildung verbrachte sie Klasse 9 und 10 im Gymnasium, um nicht Externenprüfungen machen zu müssen. Sie ist in der glücklichen Lage, dass man kein Abitur braucht für die beiden Berufungen, die sie für sich sieht: die musikalische Künst­lerlaufbahn einerseits und eine glücklichen Familie andererseits.
Für 3 Kinder war es angenehm, dass Lehren nicht mein Ding ist. Da ich ein Administrator nach meiner Wesensart bin, wurden sie nicht von Unterrichtsserien belästigt. Vielmehr bildeten sie sich in vielerlei Weise: durch Ausprobieren und Erkunden, auf Ausstellungen und in Museen, via Satellit und Korrespondenzkurs, ja selbst durch Schulbücher und vorallem beim Reisen. Doch unser Jüng­ster T-boy (15 yrs) hat auditive Stärken, er möchte hören, hören ... hören und wünscht sich eine do­zierende Bezugsperson. Jeder Wortschwall ist für ihn bildend, selbst wenn er aus dem Radio kommt. Gerade ihm hätte es möglicherweise genützt, einigen Lehrertalenten zu begegnen, doch gerade er war – ironically – noch nie in einer Schule. Never mind, wahrscheinlich will er sich bald den Externenprüfungen stellen.
1998 bis 2008: das ist das 10-jährige Jubiläum unseres familienbasierten Lernens. Anfangs wurden wir mit Bußgeldbescheiden „versehen“, auch verurteilt, doch später dann blieb alles jahrelang still.
Als gereifte Eltern genießen wir es nun, dass unsere Jugendlichen mit den Schwingen schlagend aus dem Nest flattern – allerdings anders als die Raubvögel, deren Flugschau wir heute vor dem blauen Himmel Englands beobachten, nämlich anders in der Hinsicht, dass sie nicht dressiert sind.
Quelle: Forum Netzwerk Bildungsfreiheit, Autorin der Redaktion bekannt
Der Weg zum Lesen
c ist 3 jahre alt & vermutlich wird es noch eine ganze weile dauern, bis sie wirklich lesen & schreiben wird. aber - sensibilisiert durch die lektüre von u.a. olivier keller ("denn mein leben ist lernen") - beobachte ich gespannt ihre schritte auf dem weg in die welt der buchstaben. oder besser: der schriftzeichen. vor kurzem sassen wir im fitnesstudio unter dem in grossen blockbuchstaben an die wand gepinselten schriftzug "STARK!". c guckte eine weile und meinte dann: "mama, die haben das falsch gemacht; der punkt gehört doch eigentlich über den strich!". .... schon seit mehreren monaten möchte sie immer mal wieder, dass ich ihr buchstaben oder ziffern aufschreibe. oder ihr bei allen möglichen schriftzügen, denen wir so begegnen (ladenschilder, schilder im bus, worte in büchern/zeitungen/flyern usw), die einzelnen buchstaben und ziffern benenne. .... letzte woche fing sie an zu telefonieren. ich sollte ihr die nummern diktieren & zunächst auch noch zeigen, welche taste jeweils dazu gehört, sie hat dann gewählt. (dieses spiel haben wir relativ schnell auf ein spielzeug-telefon umgeleitet, weil sich zeigte, dass sie gar nicht mit den angerufenen reden wollte. es ging nur ums wählen.) .... heute auf einer autofahrt, bei der wir, wie häufig, ein hörspiel hörten: "in hörspiel kommt ein "s" vor, oder?" - "ja, genau". - "und ein i" - "ja" - "welche noch?" - das ganze dann noch mit ein paar anderen worten. ich glaube, in der grundschule nennen sie das 'lautieren'. ...
Quelle: Blog Bildungsfreiheit: Freies Lernen in Deutschland am 3.11.2008
Prima(r-) Bildung ohne Schulbesuch
Schulverweigerer gibt es viele, vor allem in Deutschland. Hat es vielleicht damit zu tun, dass dort Bildung mit Schulbesuch erzwungen werden soll? Dass Eltern ihren Kindern selbstständig Bildung ermöglichen, ist in diesem Land, so scheint es, unvorstellbar. Von bildungsbewussten Familien wird es trotzdem unternommen, wie der folgende Artikel beweist. Und es funktioniert. ...
Quelle: bildungsfreiheit.org

21. November 2008

Die hundert Sprachen des Kindes

Die Hundert gibt es doch

Das Kind besteht aus Hundert.
Hat hundert Sprachen
hundert Hände
hundert Gedanken
hundert Weisen
zu denken, zu spielen und zu sprechen

Hundert -
immer hundert Arten
zu hören, zu staunen und zu lieben.
Hundert heitere Arten
zu singen, zu begreifen
hundert Welten zu entdecken
hundert Welten frei zu erfinden
hundert Welten zu träumen.

Das Kind hat hundert Sprachen
und hundert und hundert und hundert.
Neunundneunzig davon aber
werden ihm gestohlen
weil Schule und Kultur
ihm den Kopf vom Körper trennen.

Sie sagen ihm:
Ohne Hände zu denken
ohne Kopf zu schaffen
zuzuhören und nicht zu sprechen.
Ohne Heiterkeit zu verstehen,
zu lieben und zu staunen
nur an Ostern und Weihnachten.

Sie sagen ihm:
Die Welt zu entdecken
die schon entdeckt ist.
Neunundneunzig von hundert
werden ihm gestohlen.

Sie sagen ihm:
Spiel und Arbeit
Wirklichkeit und Phantasie
Wissenschaft und Imagination
Himmel und Erde
Vernunft und Traum
seien Sachen, die nicht zusammen passen.
Sie sagen ihm kurz und bündig,
daß es keine Hundert gäbe.
Das Kind aber sagt:
Und ob es die Hundert gibt.

Loris Malaguzzi (1920-1994)
Er gilt als der Begründer der Reggio-Pädagogik

14. November 2008

Story/Kurzweil/Konkretes (Ausgabe #48)

"Gehst Du schon in die Schule?", fragt der Onkel seinen kleinen Neffen Tom. "Na, klar", erwidert der stolz. "So, so", meint der Onkel weiter, "und was machst Du so in der Schule?" "Ich warte, bis sie aus ist." ertönt es ganz selbstverständlich.


AchtungSchule "Sie verlassen den demokratischen Sektor. Eintritt enthebt Sie Ihrer Grundrechte. Alles, was Sie sagen, kann und wird bei Gelegenheit gegen Sie verwendet werden."
Jahrelang fordern wir schon, dass solche Warnhinweise fairerweise vor den vielen Schulen aufgestellt werden müssten.
Nun setzte ein Künstler die Idee zumindest zeichnerisch für uns um.
Quelle: Lernen ohne Angst e.V.
Frage an die Lehrerin: Woran liegt wohl die PISA-Misere, mangelndes Wissen oder zuwenig Interesse? "Weiß ich nicht, ist mir auch scheißegal! ..."
PISA: Pumelige Idioten suchen Arbeit
Ich habe nichts gegen verbeamtete Lehrer: Sie tun ja nichts.
Sie wollen einen Posten in unserer Schule. Was können Sie denn?""Nichts!""Tut mir leid, die hoch bezahlten Positionen sind alle schon besetzt!"
Viele Lehrkräfte schaffen zu unterrichten, aber bei weitem nicht alle schaffen Bildung.

1. November 2008

Parabel/Story/Kurzweil (Ausgabe #46)

Schlussfolgerung Nr. 11: Wenn du dich an das hältst, was richtig ist, können sogar Bürokraten den Sinn darin sehen.
So, wie ich schon sagte, basiert die ganze Erziehung darauf, Möglichkeiten zum Denken und zum Bewusstwerden mit einem Geist der Offenheit anzubieten. Prüfungen und Benotungen ändern dies in Richtung Beurteilung und Auswertung, und dies außerdem mit absonderlichen und engstirnigen Normen.
Wir wollen, dass unsere Kinder selbstständig denken und unabhängige Urteile fällen können. Um gute Benotungen zu erreichen, müssen sie sich nach den weitverbreitetsten Meinungen richten ohne auf deren Wahrheitsgehalt zu achten. Wir wollen, dass sie sorgfältig und tiefgründig denken, bei Prüfungen aber ist diese Strategie kontraproduktiv. Wir wollen, dass sie Fehler in fertigen Arbeiten korrigieren. Man kann dies in der Schule tun, das ändert aber die Benotung nicht. Wir wollen, dass sie das Kooperieren lernen und dass sie andere nach deren Meinungen und Kenntnissen fragen. In der Schule wird dies als Schummeln bezeichnet. Wir wollen, dass sie einen Sinn für Gemeinschaft, gemeinsame Verantwortung und gemeinsame Errungenschaften entwickeln. In der Schule gibt es nur Wettbewerb derart, dass der Erfolg eines Menschen eine schlechte Nachricht für alle anderen darstellt.
Während der ersten drei Jahre Homeschooling erlaubte ich es der Schule, jemanden zu uns zu schicken, um meine Kinder standardisierten Prüfungen zu unterwerfen; ich tat dies meistens nur, um mein Haus und meine Familie vorzuzeigen, aber auch, um ihre Nerven zu beruhigen. Danach sagte ich ihnen: Sehen Sie, standardisierte Prüfungen sind falsch. Sei wissen es und ich weiß es. Wir werden sie nicht mehr durchführen. Wenn Sie wissen wollen, wie wir vorankommen, kommen Sie herüber und reden mit uns. Seien Sie nicht engstirnig und ich werde Zimtkuchen und Kaffee vorbereiten (Sie nahmen das Angebot nie wahr).
So, was die Schulbehörde betrifft, ja, sie haben ein ganzes Bündel von wahnsinnigen Verordnungen, die sie frei Lernenden auferlegen müssen. Ich kümmere mich nicht darum. Ich erwarte, dass sie sich sensibel und klug verhalten, obwohl sie Bürokraten sind. So tue ich gerade das, was richtig ist und gehe davon aus, dass ich mich damit durchsetze.
Ich schicke vierteljährliche Berichte mit der Auflistung von allen Büchern, die die Kinder gelesen haben und mit den Dingen, die sie studiert haben, danach aber ziehe ich eine Trennlinie. Alles anderes, was verlangt werden könnte, ist entweder falsch, fehlgeleitet oder eben eine dumme Zeitverschwendung, sodass ich es nicht tue. Die einzige Gegenmaßnahme, die ihnen zur Verfügung stünde, wäre es mich zum Familiengericht zu bringen, wo sie versuchen müssten zu beweisen, dass meine Kinder erziehungsmäßig vernachlässigt werden. Sie müssten Zehntausende von Dollars, die sie nicht haben, ausgeben müssen, um etwas zu beweisen, von dem sie wissen, das es nicht wahr ist. Und stellen Sie sich dann vor, welche schlechte Presse sie dann hätten. Sie sind zu klug statt es zu versuchen. Sie sind glücklich, wenn sie meine Vierteljahrberichte erhalten, und sie lassen uns sonst in Ruhe.
Quelle: Aus dem Buch "Schulfreie Bildung", Kapitel 25 "Schlussfolgerungen einer Mutter in Kanada"

24. Oktober 2008

Was hat Paolinis Erfolg "Eragon" mit Homeschooling zu tun?

Christopher Paolini, Autor des Fantasyroman-Weltbestsellers "Eragon" im Gespräch ...
Mit 15 Jahren begann der 1983 in Kalifornien geborene Christopher Paolini, einen Fantasyroman zu schreiben: "Eragon"...

Die Welt: Sie sind nicht an eine öffentliche Schule gegangen, sondern zuhause von Ihren Eltern unterrichtet worden, eine Vorstellung, die uns in Deutschland ziemlich seltsam erscheint...

Christopher Paolini: In Deutschland ist so etwas sogar illegal.

Die Welt: Wie hat diese Form der Schulbildung ohne Schule praktisch funktioniert?

Paolini: Ich sollte vorausschicken, dass es im Westen der USA recht üblich war, dass die Eltern der Kinder zugleich ihre Lehrer waren. Diese Tradition geht auf die Pionierzeit zurück: Die Leute lebten dermaßen weit verstreut, dass es schwierig gewesen wäre, die Kinder zur Schule zu schicken. In unserem Fall war es ganz einfach so: Unsere Mutter ist eine voll ausgebildete Lehrerin. Sie hat meiner Schwester und mir von Anfang an das Notwendige beigebracht, das Alphabet zum Beispiel...

Das hatte offenbar Folgen.

Paolini: Stimmt! Und als wir endlich das Schulalter erreicht hatten, waren meine Schwester und ich unseren Altersgenossen schon so weit voraus, dass wir sofort in eine höhere Klasse hätten gehen müssen. Unsere Eltern beschlossen deshalb, uns lieber weiter zuhause zu unterrichten.

Sie mussten dann wahrscheinlich Prüfungen ablegen, um zu beweisen, dass Sie etwas gelernt hatten?

Paolini: Das ist von Bundesstaat zu Bundesstaat sehr unterschiedlich. Wir lebten damals in Anchorage in Alaska. Dort werden Eltern, die ihre Kinder selbst unterrichten, vom Staat vorbildlich unterstützt - das liegt daran, dass in Alaska viele Leute wie in der Pionierzeit so weit voneinander entfernt wohnen, dass sie ihre Kinder tatsächlich in keine Schule schicken können.

Hat Ihnen die Tatsache, dass sie zuhause unterrichtet wurden, später beim Schreiben geholfen?

Paolini: Sehr sogar. Ich musste die nötige Disziplin entwickeln, mich jeden Morgen hinzusetzen und zu arbeiten, ohne dass mir jemand befohlen hätte, das zu tun. Eigentlich lernten wir, uns selbst zu unterrichten. Beides kam mir beim Schreiben sehr zupass. ...
Quelle: Die Welt am 18.10.2008

17. Oktober 2008

Story (Ausgabe #44)

Homeschooling nach Montessori - egal wo

Wir sind eine Familie mit drei Kindern und 100% überzeugt von der Lehrmethode und Philosophie von Maria Montessori.

Unsere Tochter, jetzt 13, geht in die 9. Klasse und hat das Ziel einen Quali mit 1 abzulegen. Trotz Montessorischule wurde uns nach der 2. Klasse gesagt, Jamila wäre höchstens unterdurchschnittlich mathematisch begabt. Dies widersprach einem Gutachten des Arztes, wonach Jamila bitte möglichst sofort mit fünf eingeschult werden sollte wegen ihrer Begabung in Mathematik. Da zeigten sich bei uns die ersten Risse in unserer Überzeugung (des deutschen Schulsystems). Denn auch Montessorischulen sind dem deutschen Schulsystem verpflichtet und betreiben auf Antrieb leistungsorientierter Eltern den deutschen Lehrplan. Ich habe danach meine Tochter selbst 6 Wochen lang in Mathe unterrichtet mit dem jetztigen Ergebnis, seit ein paar Jahren eine Einserschülerin zu haben. Felix Fall lag anders. Felix hatte schon im Kindergarten Probleme mit Gruppen, hat den Sitzkreis gehasst und grundsätzlich bei nichts mitgemacht. Das Ergebnis hiervon war eine Empfehlung der Kindergärtnerin, Felix in eine Förderschule zu schicken. Außerdem wurde von dieser Kindergärtnerin die Aufnahme von Felix in eben die selbe Schule boykottiert, die auch meine Tochter schon damals 7 Jahre besucht hat. Felix ist hochbegabt, sehr intelligent und sensibel. Uns blieb vorerst nichts anderes übrig, als ihn hier in der Sprengelschule einzuschulen. Es war ein Fiasko: Felix hat sich gelangweilt, dadurch andere Kinder gestört, nicht mitgearbeitet und galt nach ein paar Wochen als verhaltensauffällig. Ostern bekam er einen Platz an der Internationalen Montessorischule in München. Dort wurde es besser, er fing an zu lernen und durfte sich vor allem im Fach Chemie weiterbilden, denn zufällig war die Zweitlehrkraft Chemikerin. Trotzdem blieb immer das Aggressionsproblem. Felix wurde von anderen Kindern ausgelacht, er war nicht in der Lage sich verbal zu wehren, es endete regelmäßig in Rangeleien. Felix ist sehr groß für sein Alter, etwa wie ein 6-Klässler. Seine Lieblingslehrerin ging Ende des letzen Schuljahres und wurde von einem Lehrer ersetzt. Am dritten Schultag des neuen Schuljahres hat Felix diesen Lehrer getreten. Felix hatte Fußballschuhe an, entsprechend war die Verletzung, wobei Felix nicht wußte, dass er mit einem Fußtritt so viel anrichten könnte. Der Lehrer hatte ihn festgehalten, aus was für einem Grund wissen wir bis heute nicht. Sicher war Felix schwierig. Aber für mich sieht das eher nach Notwehr aus. Das Ergebnis hieraus war die Kündigung der Schule und der Ausschluß vom Nachmittagsunterricht bis zum Eintritt der Kündigung. Die Krönung war der Ausschluß meines Sohnes von einem "Raubtierprojekt", welches ihn interessiert hätte. Die Lehrerin behauptete, Felix hätte sich nicht "eingetragen". (Wieviel Bürokratie ist notwendig, um ein Kind zu unterrichten?) Mir schien das alles kontraproduktiv. Seine Abwehr gegen Gruppen nahm zu und damit auch seine Aggressionen.
Wenn man die Richtlinien von Maria Montessori kennt, sollte man wissen, dass jedes Kind ein Individuum ist und als solches seinen eigenen "Lehrplan" in sich trägt. Dies gilt meiner Ansicht nach nicht nur für das Erlernen von "Wissen", sondern für alle Bereiche, auch den, mit anderen Menschen umgehen zu können. Bis zu dem Zeitpunkt der Kündigung war Felix Bettnässer. Seit er weiß, dass wir alles daransetzen werden, ihn zu Hause zu unterrichten, ist sein Bett trocken. Er ist wieder das fröhliche, überschäumende und neugierige Kind, das er vor seiner Kindergartenzeit und seiner Schulzeit war. Er lernt mit - manchmal noch mit anfänglichen Motivationsproblemen vor jedem Unterricht - und macht selbst Vorschläge, was man machen könnte und wir führen gerade sein persönliches "Raubtierprojekt" durch. Das ist auch für mich als "Lehrerin" eine echte Bereicherung. Wir beschäftigen uns mit Zähnen und Klauen. Neu war mir zum Beispiel, dass Geparden nicht wirklich zu den Katzen gehören. Sie haben zu schmale Tatzen und können - wie Hunde - ihre Krallen nicht ausfahren. Oder dass sich Dinos im Rudel genau so verhalten haben wie heute noch eine angegriffene Büffel-Herde. Alles sehr spannend. Ich denke, das Ergebnis unseres persönlichen Homeschooling-Projektes wird nicht nur ein "wissendes" Kind, sondern eine "wissende" Familie sein. Fest steht, dass unser jüngstes Kind, gerade 2 1/2, weder einen Kindergarten, noch eine Schule besuchen wird. Wir sind dabei nach Kanada auszuwandern. Felix haben wir an der Clonlara-School angemeldet. Da besteht auch die Möglichkeit für meine Tochter, einen Highschool-Abschluß zu bekommen. Es werden sogar ihre Noten aus der 9. Klasse Montessorischule angerechnet. Wir können sozusagen unsere Schule mit in unser Leben nach Kanada nehmen und unabhängig von Ämtern und Vorschriften unsere Weltreise antreten - schließlich: Reisen bildet. Das wissen nur die Deutschen Schulämter nicht. In einem Interview mit Rockefeller sagte dieser auf die Frage, was er von dem derzeitigen Präsidenten hielte: Reisen vor allem in jungen Jahren bildet, leider hatte Mr. Bush die Gelegenheit dazu nicht.... (N.N.)

10. Oktober 2008

Kurzweil (Ausgabe #43)

schonZurSchule
luannComic

26. September 2008

Parabel/Story/Kurzweil (Ausgabe #41)

musterschueler
Musterschüler

klassenfoto
Klassenfoto

12. September 2008

Story: Der Törn ihres Lebens

Der Sprung ist gewaltig – und er brauchte seine Zeit: Dagmar de Zwart unternahm mit Anfang 20 ihre ersten maritimen „Gehversuchen“ auf dem Aasee. 20 Jahre später brach die gebürtige Münsteranerin mit Ehemann Bart und der sechsjährigen Tochter Soleil zu einer Weltumseglung auf, die sie in den folgenden drei Jahren zu tropischen Paradiesen und archaischen Landschaften führen sollte. Es war der Törn ihres Lebens.

„Mein Mann kommt aus einer holländischen Familie mit einer langen Segel- und Surftradition. Es war immer sein Traum, einmal die Welt zu umsegeln“, erzählt Dagmar de Zwart, die 1963 als Tochter von Marga und Günther Welp in Münster geboren wurde. 2005 wurde aus dem Wunsch Wirklichkeit: „Es war der richtige Zeitpunkt, um sich den Traum zu verwirklichen. Wir standen zwischen zwei Jobs. Und unsere Tochter war noch im Grundschulalter.“

Am 5. Oktober 2005 hieß es dann „Leinen los“. Von Ijmudien in Holland segelten Dagmar, Bart und Soleil in Richtung Portugal, ihrem ersten Reiseziel. Das Trio war spät dran. Im Oktober muss man auf hoher See bereits mit Herbststürmen rechnen. „Es hat auch nicht lange gedauert“, erinnert sich die 45-Jährige. „Im Golf von Biscaya hat uns ein heftiger Sturm mit 55 Knoten erwischt. Über uns krachte eine Welle nach der anderen zusammen. Ich hab’ mich zusammen mit Soleil unter Deck verkrochen.“ Boot und Mannschaft überstanden die erste Herausforderung gut. Die „Luna“, ein knapp 15 Meter langer Trintello-Zweimaster mit drei Kabinen, erwies sich als robust und Bart (37) als exzellenter Skipper. Eine unruhige Nacht, für die ein schönes Frühstück mit Müsli und Obst entschädigte. Mittags stand häufig Fisch auf dem Speiseplan. Thunfisch oder Goldmakrele – natürlich selber gefangen.
Mit 19 Tagen gehörte die Atlantik-Überquerung zu den längsten Einzel-Etappen. Der locker strukturierte Alltag auf dem Boot sorgte dafür, dass niemand einen „Lagerkoller“ erlitt. Morgens ging Soleil zur Schule – unter Deck. Dagmar de Zwart unterrichtete ihre Tochter in Mathe, Sprachen, Bio, Chemie, Physik, Geschichte, Kunst, Schreiben, Lesen und Poesie. Dreieinhalb bis vier Stunden täglich. Homeschooling-Unterlagen, die sich die gebürtige Münsteranerin vorher in den USA besorgt hatte, bildeten hierfür die Grundlage. De Zwart: „Das hat wunderbar geklappt. Ich habe gerade das vierte Schuljahr mit Soleil abgeschlossen.“ Nachmittags vertrieb sich das Trio mit Lesen, Musik, Eintragungen ins Tagebuch oder der Pflege der Website die Zeit.

Karibik, Venezuela, Panama, Galapagos-Inseln, Französisch-Polynesien, Tahiti und Tonga waren die weiteren Stationen des deutsch-niederländischen Trios. Im September 2006 warfen sie in Neuseeland Anker. Sechs Monate blieb die Familie dort, um die Hurrikan-Saison abzuwarten. Im April stach die „Luna“ wieder in See. Über die Salomon-Inseln, Papua-Neuguinea, Australien, Indonesien, den Malediven, dem Jemen und Ägypten näherte man sich langsam wieder Europa.
Neben der landschaftlichen Einmaligkeit jedes Landes waren es vor allem die Menschen, die einen tiefen Eindruck bei Dagmar de Zwart hinterließen: „Wir sind immer wieder nach Hause eingeladen worden und haben so sehr intensiv erfahren, wie andere Familien leben. In Santa Ana auf den Salomon-Inseln haben wir erlebt, wie naturbelassen dieses Volk noch heute lebt. Die Lebensfreude dieser Menschen war unglaublich.“
1025 Tage, in denen sie 36 Länder und 102 Inseln gesehen haben, lagen hinter Dagmar, Bart und Soleil de Zwart, als sie im Sommer wieder in den Heimathafen Scheveningen in den Niederlanden einliefen. Die 45-Jährige ist immer noch von ihren Gefühlen überwältigt, wenn sie an diesen Moment denkt: „Meine Knie haben gezittert, ich habe geheult wie ein Schlosshund. Da merkt man erst, was man geleistet hat. Wir sind um die Welt gesegelt – und das als Familie. Das war einmalig.“

Quelle: IVZ Online am 11.09.2008

5. September 2008

Parabel/Story/Kurzweil #38

Die Geschichte über Anton Den Sausewind, Lisa Rächt-Schraibung, Henriette Blitzgescheit, Heidi Schulfrei, Kai Verhaun und anderen.
Die Berliner Stadtmusikanten
Es war einmal ein munterer kleiner Junge, den alle Kinder „Anton Der Sausewind“ nannten . Er war so lebhaft, dass er nicht stundenlang auf harten Stühlchen in muffigen Klassenzimmern stillsitzen konnte, um langweiligen Unterricht über sich ergehen zu lassen. Deshalb wurde er oft ausgeschimpft und bekam viele leuchtend rote Einträge ins Hausaufgabenheft.  Eines Tages beschloss ein müder, alter Mann in einem weißen Kittel, dass der Junge ab Morgen 3 x täglich kleine runde Tabletten schlucken solle, von denen man ganz ruhig wird. Das machte dem Jungen und seinen Eltern große Angst und so beschloss man, ins Land der Elche  zu ziehen, denn dort sollte es Schulen geben, an denen alle Kinder gut lernen können.
„Etwas Besseres, als dieses Elend finden wir überall!“ sprachen sie und machten sich gleich am nächsten Tag auf den Weg.
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Quelle: Lernen ohne Angst e.V.