23. Mai 2008

Familie, Kinder und Erziehung

"Wir vertrauen Eltern einfach"
Erfurt. (tlz) "Wahlfreiheit und die Anerkennung häuslicher Betreuung und Erziehung sind in Finnland in einer Weise verwirklicht, wie wir uns das für Deutschland nur wünschen können." Das ist das Fazit des sozialpolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, Michael Panse, der mit dem Landtagsbildungsausschuss in Finnland war. Den Eltern werde Vertrauen entgegengebracht. ...
Quelle: TLZ am 22.05.2008


Wer Familie sagt, denkt vor allem an Kinderbetreuung …?
... Heute ist eine Mutter dann stolz auf sich, wenn es ihr gelingt, trotz Kind(ern) möglichst unterbrechungslos ihre Karriere zu verfolgen. Das ist das Idealbild der Mutter, gebildet, bürgerlich, ambitioniert, das uns die Politik vorgibt. Und zur Erlangung dieses Ideales sollen auch die bundesweiten Aktionstage zum Ausbau der Kinderbetreuung beitragen, die in Deutschland schon mehrmals am 15. Mai, dem Datum des Internationalen Tages der Familie ausgetragen wurden. Mit dem Slogan “Für Kleine Großes leisten” wird klargestellt, daß es keinen Zweifel daran gibt, daß institutionelle Betreuung und Erziehung den familiären Rahmen vollkommen ersetzen kann. ...
Quelle: Blog Bildungsvielfalt am 21.05.2008
Wie der Staat Familien in die Armut treibt
SPD-Minister Scholz warnt vor wachsender Armut in Deutschland. Das Rezept seiner Partei dagegen: der Sozialstaat und Mindestlöhne. Experten sehen das kritisch. Durch die Steuer- und Abgabenlast, so sagen sie, mache der Staat Geringverdiener und Familien zu Hilfsempfängern. ...
Quelle: Die Welt am 19.05.2008

Schul(system)versagen

... ist das Versagen der Schule, nicht ihrer Schüler.

Männer verzweifelt gesucht
Weil zu wenig Männer Erzieher oder Lehrer seien, könne es passieren, dass die Interessen und Begabungen von Jungen nicht ausreichend berücksichtigt würden. Auch dass sich so wenig Mädchen später für Technik und Naturwissenschaften interessierten, könne darin eine Ursache haben. ...
Mit der Kampagne "Bildung braucht mehr Männer" will Schleswig-Holstein mehr männliche Pädagogen anwerben. Derzeit ist nur jede zehnte Lehrkraft des Bundeslandes ein Mann, in vielen Kindertagesstätten arbeiten ausschließlich Erzieherinnen. ...
Quelle: Deutschlandfunk am 21.05.2008


Frauendomäne Erziehung: "Bildung braucht mehr Männer"
... Gerade in der frühkindlichen Bildung arbeiteten derzeit aber überwiegend Frauen. So seien von den rund 7000 Grundschullehrern nur etwa 790 männlich, in den Tagesstätten sei nicht einmal jeder 20. Beschäftigte ein Mann. Schuld ist nach Ansicht der Ministerin vor allem das Image dieser Berufe: Erziehung gelte nach wie vor als Frauensache. ...
Insbesondere Jungen bräuchten aber auch Männer als Vorbilder und Identifikationsfigur, damit ihre speziellen Begabungen und Fähigkeiten nicht zu kurz kämen, sagte Erdsiek-Rave.
Quelle: Welt Online am 22.05.2008
PISA-Studie Südtirol: Julia in der Schule besser als Lorenzo
...
Dennoch befinden sich beide Sprachgruppen in allen erhobenen Bereichen über dem PISA-Durchschnitt. Auf gesamtstaatlicher Ebene wurden die Durchschnittsergebnisse hingegen nicht erreicht. ...
So sind die Mädchen im Lesen deutlich besser, in Mathematik und Naturwissenschaften haben aber die Jungen die Nase vorne. „Auch dies wussten wir aus früheren Untersuchungen“, zeigte sich Meraner wenig überrascht. ...
„Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in den Naturwissenschaften sind in keinem Teilnehmerland so groß wie bei uns“, betonte Franz Hilpold von der Dienststelle für Evaluation.
Quelle: Südtirol Online am 17.05.2008
"Bildung ist keine Wunderwaffe gegen Armut"
Bedeutet mehr Bildung weniger Armut? Nein, sagt der Armutsforscher Christoph Butterwegge, denn auch eine gute Schul- oder Berufsausbildung bedeutet nicht, dass alle Jugendlichen einen Arbeitsplatz bekommen - so wie es die Politik vorgaukelt. ...
(Anm. SFeV: Wenn die Schulbildung mal tatsächlich immer so gut wäre ...)
Quelle: Spiegel am 20.05.2008

Leserechos

Lieber Herr Edel  ...
Falls es Sie interessieren sollte, lege ich noch zwei neuere Schriftstücke bei. "Ist die Familie noch zu retten" lautet ein Vortrag mit Diskussion, der nächsten Samstag, organisiert von "Familie ist Zukunft" organisiert (www.familieistzukunft.ch) bei uns stattfinden soll. Es wurde in Aussicht gestellt, dass ich mich in der Diskussion mit unserm Anliegen einbringen darf. Für Interessierte habe ich einen Faltzettel dabei, auf dem erklärt wird, dass die Familie keine Rettung braucht, denn: Die Familie ist die Rettung! Das zweite Schriftstück: "Bildung zu Hause hat Schweizer Wurzeln". Vielleicht lernen wir uns noch verstehen. Bitte beachten Sie im letztgenannten Dokument, den letzten Abschnitt. Dort liegt einer der Haken mit dem Begriff "homeschooliing".
Machen Sie weiter so tapfer, so schlagfertig, so kräftig. ... Rudolf Schmidheiny

Danke für die schönen Texte "Familie ist die Rettung" und "Bildung zu Hause hat Schweizer Wurzeln" (s. Text unter www.bildungsfreiheit.org).
Nur bei Bildung "zu Hause" bin ich ganz anderer Meinung. Ich weiß nicht, wie es in der Schweiz ist, aber in Deutschland trifft dieses Bild zu sehr das Klischee zu Hause zum Lernen eingesperrter Kinder. Homeschooling oder besser "Schulfreie Bildung" bedeutet vielmehr Bildung in Home-/Eigen-/Self- Verantwortung im Gegensatz zur Schule. Sie werden bemerkt haben, dass ich beispielsweise niemals von "Homeschool" rede. Schooling dagegen spricht für eine schulersatzweise Tätigkeit, und zwar nicht von Eltern, sondern von Kindern und Jugendlichen.
Bildung zu Hause legt das Lernen auf einen Ort fest und das ist schlecht. Homeschooling ist unabhängig vom Lernort und in der ausgewogenen Praxis wird, je nach Alter, das Lernen nur zu einem kleinen Teil in den eigenen vier Wänden stattfinden. Gruß, Jan Edel


Lieber Jan, danke für die Buchvorstellung. Köstlich finde ich den Leserbrief des Schweizers, der sich nicht vorstellen kann, wie du das alles schaffst, ...
Lieben Gruß, sehen wir uns beim Festival? Dagmar Neubronner
Sehr geehrter Herr Edel,
ich schreibe Ihnen aus aktuellem Anlass aus Bückeburg (wo Familie H. wohnt, über die ich vor einiger Zeit Ihre Adresse erhielt).
Die Lektüre des als pdf anl. Artikels (Hannoversche Allgemeine Zeitung von heute) "Land greift bei Montessori-Schule durch" machte mich insofern stutzig, als für mich (Ex-Lehrer) zwei Dinge durchklingen:
1. Es liegt ein Konflikt mit Vorgeschichte zwischen Niedersachsen und der Montessori-Schule Langenhagen vor, den jetzt auszutragen seitens der Behörde als "reif" bzw. günstig angesehen wird. (Der Geschäftsführer der die Schule tragenden "Gesellschaft für ganzheitliche Pädagogik" spielt dabei offensichtlich eine zentrale Rolle, zumal seine Kinder von dem Vorgang betroffen sind.)
2. Es heißt in dem vorliegenden Bericht wörtlich:
"Wie berichtet, ist die private Ergänzungsschule nur als Grundschule zugelassen. Für Grundschüler ruht die Schulpflicht, solange sie die Einrichtung besuchen. Für ältere Kinder gilt das nicht. Ihre Eltern begehen eine Ordnungwidrigkeit, wenn sie ihre Kinder weiter an die Montessori-Schule in Langenhagen schicken."
Sollte dies so stimmen, gibt es also seitens der Behörden (Land?) die Möglichkeit, die Schulpflicht unter bestimmten Voraussetzungen ruhen zu lassen. Dies ist mir neu.
Ihnen mag der anl. Artikel eine Hilfe sein in Ihrem Bemühen, die unseligen, aus der Nazi-Diktatur übernommenen Schulpflicht-Gesetze zu entrümpeln (sprich: auf europäisches Niveau - das hier einmal keine Absenkung in Richtung "fauler Kompromiss" bedeutet - zu bringen. Mit freundlichen Grüßen H.H.

Lieber Herr Hasse, vielen Dank für die Informationen und den Artikel.
Ja, die Zulassung von Ergänzungsschulen für den Grundschulbereich ist ungewöhnlich. Man braucht gute Verbindungen, viel Geld und eine Lobby wie die Montessori-Vereinigung. Aber Sie sehen ja, wie sehr auch diese Privateinrichtungen gegängelt werden. Viele Grüße, Jan Edel


Hallo und danke, Jan Edel,
ich wollte einfach mal meinen Dank an Euch ausdrücken. Wir sind als überwiegend im Ausland lebend und mit Clonlara als Ersatzschule über unsere dritte Befreiung sehr froh. Es ist trotzdem manchmal nicht einfach, alles unter einen "Hut" zu bringen.
Mit (Fam. S.) in Padborg haben wir dank Eurer Hilfe schon telefonisch Kontakt aufgenommen und werden uns bald besuchen. Liebe Grüsse B.O.
P.S. Wenn es Euch gefällt, schickt doch mal wieder ein Paket mit Flyern zu uns...

18. Mai 2008

Im Leben für das Leben lernen!

Leseprobe aus dem Buch "Schulfreie Bildung"
Kapitel 8 (von insgesamt 31) aus dem Buch "Schulfreie Bildung - Die Vernachlässigung schulfreier Bildungskonzepte in Deutschland" von Jan Edel, ISBN 9-783-865825-117

Freiheit für Familien und Schüler

Freiheitliches Lernen in Familien

Der beste Grund für institutionsfreies Lernen für Schüler ist, dass dieser Bildungsansatz in aller Regel zum Leben in vitalen Familien passt, sich organisch und ganz natürlich in die Abläufe eines aktiven Familienlebens eingliedert und maximale Flexibilität, Freiheit und geistige Lebensqualität bietet.

Natürlich gibt es auch viele spezielle Situationen, die oft als Auslöseimpuls für den Ausstieg aus dem öffentlichen Schulsystem fungieren. Hier sind a) individuelle Situationen (z.B. Formen des Autismus, elektiver Mutismus, AD(H)S, Hochbegabung, Lernschwächen wie Legastenie oder Dyskalkulie, körperliche oder Parallelbehinderungen, Leistungsstörungen, Andersartigkeit, Mobbing wegen Auffälligkeiten, Schulangst, Platzangst, Mehrsprachigkeit oder Reisetätigkeiten) und b) institutionelle Konstellationen zu nennen (z.B. Bildungsansatz oder -niveau der Schule, Einseitigkeit einer Schule, Gewaltniveau, Schulweg, Zusatzkosten, Schüler- und Lehrermobbing, Lehrereignung etc. pp.) Meistens ergibt sich eine Kombination an Begründungen, die Familien für ihre Entscheidung angeben.

Eine einvernehmlich zu hörende Erfahrung von Schulaussteigern bzw. Nichteinsteigern beinhaltet, dass das "Leben und Lernen in und mit (mehreren) Familien" dem Leben im Unterschied zu so mancher Schullaufbahn erst Sinn gibt. Informelles und individuelles Lernen in Familien ist lebensintegratives, soziales Lernen und steigert das Lebensbewusstsein und das allgemeine Verantwortunggefühl. Diesen Grund kann zumindest jeder verstehen, der als Vater oder Mutter für mehrere Kinder verantwortlich ist. Die 55 Gründe für Homeschooling (URL: http://www.homeschooling.de/55Gruende.pdf, übersetzt von Stefanie Mohsennia, 2002) machen die genannte Leitlinie im Grundtenor sehr eindrücklich klar:

Verstaatlichte Erziehung und Bildung steht einem selbstbestimmten Lernen in Familien entgegen und behindert die harmonische Entwicklung mehrerer Kinder.

Diese These soll im Folgenden erläutert und teilweise begründet werden.

Familienkonzept vs. Schulsystem

In den Statistiken und Studien zum Bildungsansatz „Lernen in Familien“ (homeschooling) fällt unabhängig von der Nationalität deutlich auf, dass die Akteure fast ausschließlich Familien mit mindestens zwei, drei oder vier Kindern intellektueller Eltern sind.

Woran liegt das und was könnten die Hintergründe dafür sein? Einleitend sollen hier zunächst sozioökonomische Gründe erläutert werden. Man muss wissen, dass in unserer Gesellschaft die Absicherungsbeiträge im staatlichen Sozialversicherungssystem auf einen immer kleineren Prozentsatz von immer schlechter dazu geeigneten und immer weniger dazu bereiten Bürgern abgewälzt wird. Immer weniger Nachwuchs, der seine biologisch mögliche Qualifikation oft zu spät oder gar nicht mehr erreicht, kann für die Explosion der Bevölkerung im Rentenalter aufkommen. Dieser Umstand erhöht auch für ein rein öffentliches Bildungssystem, das in Schulen und in Anwesenheitszwang besteht, den Leistungsdruck zusätzlich. Die evolutionäre, natürliche Absicherung im Alter oder bei Krankheit durch die eigenen Kinder und Angehörigen (Fertilisationsabsicherung) kommt nicht mehr zum Tragen. Durch die Etablierung der Pflichtversicherungssysteme ist man unabhängig vom eigenen Nachwuchs als Vorsorgeverpflichtung geworden. Durch das staatliche Umverteilungssystem (im Gegensatz zur natürlichen Absicherung durch eine hohe Fertilisationsrate) ist es ökonomisch „vernünftig“ geworden, Niesnutzer zu Lasten von Paaren zu sein, die möglichst hoch qualifizierbare Kinder in einer Zahl zur Verfügung stellen[1], die die reine Reproduktionrate von 2,1 übersteigt. Momentan untertrifft Deutschland diese Rate sogar mit Abstand (max. 1,4). Dieser Umstand erhöht zusätzlich den Druck auf Eltern, den zu unterstützenden staatlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Auf dem Weg zur gesellschaftlichen Akzeptanz für institutionsfreie Bildungswege weltweit waren immer weniger Eltern länger bereit, für die beinahe gesamte Kindheit ihres Nachwuchses mit aller Kraft einem Bildungssystem zu dienen, das nicht einmal mehr die Erwartungen an akademischer Qualifikation und vor allem an sozialer Kompetenz erfüllen kann. In der Folge merkten sie mehr und mehr, welchen Einfluss die im Grunde ausschließlich fremd bestimmte Erziehung unter quasi ausschließlich Gleichaltrigen hatte. Eltern machten die Erfahrung, dass die Kinder in den vermassten Schulen ihrer natürlichen Kreativität, Freude und ihrer emotionalen Potentiale beraubt werden. Immer höhere Erwartungen an akademische und psycho-soziale Leistungen und die gleichzeitig immer weniger kind- und lerngerechten Bedingungen an öffentlichen Schulen führten und führen dazu, dass sich das ganze Leben einer jungen Familie (mit Kindern) nur noch um die verzweifelte Erfüllung staatlicher Vorgaben dreht[2]:

Die Kinder müssen jedes in seine Einrichtung und Klasse zu unterschiedlichen Zeiten transportiert und abgeholt werden.

Jedes Kind muss entsprechend seiner Schule, seiner Klasse, seiner Mitschülerschaft, seiner Fächer und Lehrkräfte zunehmend privat ausgestattet werden mit ganz bestimmten Heften und Materialien, Sportartenkleidung, Markenartikeln, Nahrung, Getränken oder Geld.

Jedes Kind muss immer intensiver bei den Hausaufgaben betreut werden, um dem Takt und Rhythmus von Schulstunden nicht hinterherzuhinken und um den gleichmäßigen Anschluss nicht zu verlieren.

Ehrgeizige Eltern mögen sogar dazu geneigt sein, den Erwartungs- und Leistungsdruck der Schule mit seiner Notensystematik zu verschärfen, indem sie gefühllos und kalt ebenfalls Druck auf Kinder ausüben.

Notwendiger Nachhilfeunterricht oder Sonderbetreuung zur gerade für alle aktuellen Seite im Lehrbuch eines jeweiligen Faches macht das Leben für Kinder und für Eltern mehrerer Kinder weiter zur Qual.

Hinzu kommen die obligatorischen Vorsorgeuntersuchungen, eine nicht geringe Anzahl von Terminen z.B. beim Zahnarzt, Augenoptiker, Hautarzt, Orthopäden, Erziehungshelfer oder Kinderpsychologen.

Für gemeinsame Mahlzeiten, Unternehmungen oder Musik in der Familie oder für Freizeitbeschäftigungen, interessante Lernangebote wie VHS-Kurse, Bibliothekenbesuche, Musikschulbesuche oder Sport bleibt kaum mehr Zeit. Das vermag die Kulturvermittlung auf ein Minimalmaß herunterzuschrauben und eine große Familie zu zerreißen.

Symptome des Aufmerksamkeits-Defizit (Hyperaktivitäts-)Syndroms (ADS, ADHS), Stresssymptome und psychische Erkrankungen treten immer häufiger zutage und können das Leben für Schüler[3]und Eltern zerrütten und im Extremfall entwürdigen[4].

Dasselbe gilt natürlich auch für die Lehrerinnen und Lehrer, die nicht geringem Stress durch zunehmende Lärmpegel, Disziplinproblematiken und den Auswirkungen einer intensiver werdenden Medien- und Konsumgesellschaft (Stichwort Handy, Player, Gameboy) ausgesetzt sind. Symptome wie Tinnitus oder Frühberentung zeugen von dem zunehmenden Druck im Umfeld der Schule, der nicht mehr selten zu Überlastungs- und Überforderungserscheinungen eben auch der Lehrkräfte führt. Sie sind letztlich fehlbare und ebenfalls überforderbare Menschen, die in einer lauten Klasse von über 30 Schülern die amtlichen Vorgaben und Ansprüche unter gegebenen Umständen nicht umsetzen können und schnell ihre pädagogischen Ideale verlieren. Anschreien, ungerechtes Behandeln oder andere für den Schüler nicht nachvollziehbare Entwürdigungen führen zu Kränkungen oder seelischen Verletzungen, die die Leistungsfähigkeit und Bildung eines Schülers zusätzlich herabsetzen oder komplett unmöglich machen können[5].

Die Problematik der Lehrbeamten ist für mitverfolgende Eltern natürlich nur sekundär. Sie sind in erster Linie für ihre Kinder verantwortlich. Die gesellschaftlichen und damit schulischen Erwartungen und Probleme, die auf eine Familie in unserer modernen Gesellschaft immer massiver zukommen und durch die Anforderungen der Schule am Vormittag dominiert werden, rauben unversehens die restliche freie Zeit jeden Nachmittags im Leben eines Schulkindes[6]. Auch ein halber verlorener Tag ist ein ganzer verlorener Tag. Die Auswirkung, die allein ein Vormittag auf das Leben in einer Familie hat, ist dermaßen dominant geworden, dass sich alles Übrige des Tages dem unterordnen muss und für gemeinsame Unternehmungen, Spiele oder Gespräche keine Zeit und keine Lust mehr bleiben. Am Ende ist der ganze Alltag einer Familie fremdbestimmt und zum reinen Funktionieren in einer Art Maschinerie verdammt.

Verbindlichkeit und Kulturvermittlung

Beziehungspflege, Bestätigung und Bindung in Gemeinschaft und Geborgenheit gehören zu den Kernkompetenzen und Aufgaben einer Familie und sind für die freie Entfaltung und Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes unverzichtbar. Wenn dafür aufgrund des Systemzwangs kein Raum mehr bleibt, wird eine Familie sehr schnell von innen her verarmen oder - schlimmer - zerstört. Für die Zukunft unserer ganzen Gesellschaft ist es elementar wichtig, die Kompetenzen der Familie bei der Erziehung und Kulturvermittlung zu erhalten und zu fördern, statt sie durch immer weitgehendere „Professionalisierung“, Verstaatlichung und Verlagerung auf den Steuerzahler zu korrumpieren. Eltern wird nämlich leider das Gefühl vermittelt, dass das Steuersystem für die Erziehung und Bildung aller Kinder komplett aufkommen kann und dass Eltern allenfalls für ihre eigene Reproduktion verantwortlich sein müssen.

Aber die Kultur und die Lebensart der Deutschen muss, wie überall auf der Welt, über ein persönliches familiäres Beziehungsgefüge erhalten werden. Wer daher den Säulen der Gesellschaft nicht allen Freiraum und alle Möglichkeiten lässt, macht sich am Untergang des eigenen Volkes schuldig. Zur Kultur eines Volkes gehören bei weitem nicht nur die sogenannten Kulturtechniken Lesen, Rechnen und Schreiben. Kultur beinhaltet auch gemeinsames Erleben, Reden und die Überlieferung von Erfahrungen. Die Vielfalt der Weltanschauungen, Weisheiten, Werte und Bekenntnisse gehört ebenso dazu. Das vermeintlich wertneutrale und minimalistische System der öffentlichen Schule wird in seiner Ausschließlichkeit kaum zu einer echten Diversität einer selbstbestimmten Gesellschaft beitragen können. Durch sein die Familien voll okkupierendes Wesen kollidiert es systematisch und vor allem zeitlich sogar mit dem natürlichen Recht und Bestreben aller Eltern, ihren Kindern Lebensweisheiten, Erfahrungen und Liebeserweise weitergeben zu können.

Lernen in Familienbezügen

In der Lernforschung ist längst bekannt, dass für effektives Lernen emotionale Bindungen[7], Beziehungen und Sinnhaftigkeit der Lernaktivität notwendig sind (siehe z.B. Hüther[8], Grossmann[9], Spitzer[10]). Das Lernen mit persönlich motiviertem Interesse befriedige, begünstige das „flow“-Erlebnis (Csikszentmihalyi[11]), befördere Kompetenzen und sei identitätsbildend. Lernen müsse sich sinnvoll und sinnstiftend mit der eigenen Biografie verbinden (Gebhard[12]). Andere Professoren nun, wie beispielsweise Dr. Bolz[13], die sich darum Gedanken machen, was Eltern heute überhaupt noch dazu treibt auf Familie und Kinder wert zu legen, greifen als Antwort genau diesen Aspekt der Sinnstiftung auf: Demnach sind es Dinge wie Glück und Erfüllung, die im Leben der Familie mit Kindern Sinn stiften und über scheinbar jegliches Opfer und jegliche Entbehrung der Eltern hinwegsehen lassen.

Die weltweite Beliebtheit des schulfreien Lernens ist nicht zuletzt auch dem Umstand zu verdanken, dass Familien nicht in der Ausübung ihrer ureigenen Kompetenz behindert, sondern im Gegenteil in so manchem Land mittlerweile sogar ermutigt werden. Lernen in der Gemeinschaft und im Umfeld von Familien ist organisch, selbstbestimmt und gibt den Familien Würde, Sinn und Aufgabe zurück. Es ist selbstregulativ und ein subsidiärer Beitrag für die Gesellschaft.

Speziell in Deutschland ist dies dagegen ein sehr wunder Punkt. In unserem Land werden, von der finanziellen Unterdrückung ganz zu schweigen, die (noch) intakten Familien in ihrer natureigenen Kompetenz systematisch kaputt gemacht. Familien bekommen die falschen politischen Signale und Leitlinien vermittelt. Im Gegensatz zum offensichtlichen Wunsch vieler bekommen einige die zunehmende Verstaatlichung und auch Bevormundung sehr einschneidend und feindlich zu spüren.

Natürlich wird es gute und bessere Schulen immer und überall geben, aber privatisiertes Lernen bei unseren Nachbarstaaten bedeutet das Gefühl, bei der Bildung nicht entmündigt zu werden, dem Leben in der Familie einfach Sinn geben zu können, eigenverantwortlich für eine Kultur der Bildung zu sein und das Recht zu beweisen, dass individuelles Lernen selbst ohne Schulbesuch besseren Bildungserfolg, mehr Selbstständigkeit und Kreativität hervorbringen kann. Home Education, also informelles, institutionsfreies Lernen hat schließlich Erfolg bewiesen und muss im Sinne von Selbstbestimmung und Würde ein Menschenrecht sein, auch wenn man es für seine eigene Familie nicht in Anspruch nehmen würde.

Zusammenfassung

Freiheit für Familien ist also unmittelbar verknüpft mit der Bildungsfreiheit für Schüler.

Das Leben muss für Familien lebenswert, würdevoll und sinnstiftend bleiben. Wenn mindestens 12 Jahre im Leben eines Kindes in der Familie alles der staatlich dominierten Schule und seinen Zwängen mit Erfolgsdruck, Nachhilfe und Hausaufgabenbewältigung dienen muss, bleiben weder Leben, Kindheit noch eine ganzheitliche, nachhaltige Bildung übrig. Lernen in der Gemeinschaft von Familien ist organisch, flexibel und selbstbestimmend.

Natürliche, intuitive Kompetenzen können somit in der Gesellschaft erhalten bleiben oder finden in dieser vorbildlich Eingang. Freies und vollständig privat organisiertes Lernen gibt den Familien Würde, Sinn und Aufgabe zurück.

 


[1] Oskari Juurikkala: Warum Kinder wertlos geworden sind: Der Beitrag der Sozialversicherung zur Kinderlosigkeit. URL: http://de.liberty.li/magazine/?id=3931 am 21.01.2007

[2] Maria Voigt: Ich komme in die Schule. Nun bist du Schulkind, freust du dich? Falls nicht, musst du trotzdem hin. An den Ort, der den nie wieder loslässt, der ihn zum ersten Mal betrat. 23.09.2006. URL: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2006/0923/magazin/0002/index.html

[3] Stoll, Sabine: Tatort Schule. Die Hemmschwelle für Übergriffe sinkt. 09.02.2007. URL: http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=606181&kat=10. Stand: 09.02.2007.

[4] Kühn, Lotte: Elternsprechtag. Wie schlimm ist Schule wirklich? Was Eltern, Schüler und Lehrer täglich erleben. München 2006

[5] Singer, Kurt: Die Würde des Schülers ist antastbar. 3. Aufl., Reinbek bei Hamburg 2002

[6] vgl. Artikel „Weil Lehrer fehlen, opfern Mütter ihre Zeit“ am 6.2.2007 in den Nürnberger Nachrichten

[7] Lehn, Birgitta vom: Warum sich Zehnjährige umbringen. Interview mit Prof. Dr. G. Neufeld. 10.02.2007. URL: http://www.welt.de/data/2007/02/10/1205754.html. Stand: 10.02.2007.

[8] Hüther, Gerald/Gebauer, Karl: Kinder brauchen Vertrauen. Erfolgreiches Lernen durch starke Beziehungen. 2004
Hüther, Gerald/Gebauer, Karl: Kinder brauchen Spielräume. Plädoyer für eine kreative Erzeihung. 2003
Hüther, Gerald/Gebauer, Karl: Kinder brauchen Wurzeln. Neue Perspektiven für eine gelingende Entwicklung. 2001
Hüther, Gerald/Bonney, Helmut: Neues von Zappelphilipp. ADS/ADHS: verstehen, vorbeugen und behandeln. 2002

[9] Grossmann, Klaus E./Grossmann, Karin: Bindungen - das Gefüge psychischer Sicherheit. Stuttgart 2004
Grossmann, Klaus E./Grossmann, Karin: Bindung und menschliche Entwicklung. Stuttgart 2003

[10] Spitzer, Manfred: Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg 2006
Spitzer, Manfred: Geist im Netz. Modelle für Lernen, Denken und Handeln. Heidelberg 2000

[11] Csikszentmihalyi, Mihaly: Dem Sinn des Lebens eine Zukunft geben. Eine Psychologie für das 3. Jahrtausend. Stuttgart 2005
Csikszentmihalyi, Mihaly: Flow - der Weg zum Glück. Der Entdecker des Flow-Prinzips erklärt seine Lebensphilosophie. Freiburg 2006

[12] Gebhard, Ulrich: Die Sinndimension im schulischen Lernen: Die Lesbarkeit der Welt – Grundsätzliche Überlegungen zum Lernen und Lehren im Anschluss an PISA. In: Moschner, Barbara / Kiper, Hanna / Kattmann, Ulrich (Hg.): PISA 2000 als Herausforderung. Perspektiven für Lehren und Lernen. Baetmannsweiler 2003, S. 210 und S. 222

[13] Bolz, Norbert: Die Helden der Familie. München 2006

Quelle: http://wertewirtschaft.org/magazin/?id=4692 oder
http://bildungsfreiheit.org/?id=4692
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Interessante Links

dpa-Nachricht: Unbelehrbare Eltern
Der Wille, die Kinder daheim zu unterrichten, kommt einem Ehepaar aus Otting teuer zu stehen. Jetzt werden Bußgelder in Höhe von mehreren tausend Euro zwangsvollstreckt.
Quelle: Süddeutsche am 14.05.2008 mit recht interessantem Forum


Langfristig nachteilige Folgen einer frühen Einschulung
In Finnland werden alle Kinder nach dem 7. Geburtstag eingeschult
Keinesfalls kann aus den PISA-Ergebnissen hergeleitet werden, dass Früheinschulung zu besserer Schulbildung führt. So werden in Finnland alle und Schweden fast alle Kinder mit 7 Jahren eingeschult (siehe: „PISA-2000, die Klassenstufen der 15-Jährigen"). Hinzu kommt, dass z. B. in Finnland vom dem „Core Curriculum for Pre-School Education“ (Helsinki 2000) nicht gefordert wird, dass die Kinder bereits in der Vorschule Schreiben und Rechnen erlernen. Die 15-Jährigen Finnen, die bei PISA so gut abgeschnitten hatten, haben ein bis zwei Jahr kürzer die Schule besucht als die 15-Jährigen der meisten anderen PISA-Staaten. Der Schlüssel zum Erfolg der Finnen könnte z. B. folgende Ursachen haben:...
Die Auswertung von Schüler-Daten hat in Nordrhein-Westfalen ergeben, dass vorzeitig eingeschult Kinder häufiger sitzen bleiben als andere Kinder (Bellenberg 1996). Darüberhinaus zeigen die Daten aus NRW, dass die vorzeitig eingeschulten Kinder 5-mal häufiger ein zweites Mal sitzen bleiben. ...
Quelle: PISA-Kritik.de, Berlin 2008
Der Schulleiter des Benediktinergymnasiums Ettal:
Humanistische Bildung gefährdet
... Die Verlängerung der Grundschulzeit um zwei Jahre auch im Freistaat hätte eine fatale Konsequenz: Statt „G8“ nur noch „G6“. Gerade für Gymnasien mit humanistischer Ausrichtung wäre das eine Katastrophe. Kern jeder humanistischen Schulbildung ist der Lateinunterricht ab Klasse 5. Kommt das „G6“, würde Latein erst ab Klasse 7 unterrichtet werden. Alt-Griechisch würde Gefahr laufen, ganz zu verschwinden. ...
Quelle: Die Tagespost am 13.05.2008
Mama muss wieder in den Kindergarten
Bestand ihre Kernaufgabe einst darin, unseren Nachwuchs – möglichst unabhängig von den Eltern – zu betreuen, zu fördern und zu bilden, sehen sich die Institutionen heute dem Projekt der Erziehung – und zwar der Kinder und der Eltern – verpflichtet. Bildung scheint hierbei nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen, und die Verantwortung für den schulischen Erfolg wird in die Familien zurückverlagert. ...
Problematisch wird es dann, wenn Chancengleichheit nicht mehr als Folgeerscheinung einer guten Bildung, sondern als Bildungsziel per se betrachtet wird. Wir haben viele Jahre des Experimentierens in Sachen Chancengleichheit hinter uns, in denen alles, von der formellen Gleichmacherei in Gesamtschulen bis hin zum Herunterschrauben der Ansprüche und Standards in der Schulbildung (damit möglichst viele einen höheren Schulabschluss erreichen) ausprobiert wurde. ...
Quelle: Novo-Magazin Mai/Juni 2006
T-Shirts (Ein Damen- und ein Herrenmodell) mit netter Bedruckung, z.B.:
"Lieber frei lernen" oder "Ich lerne für mein Leben gerne - Auch ohne Schule"
Den Shop kann jeder bei sich einbinden, hier der Link: http://freilerner.shirtcity.com

Literatur / Termine

Dagmar Neubronner
Die Freilerner - Unser Leben ohne Schule
Die Schule ist in vielen Familien das Problemthema Nr. 1. Dagmar Neubronner, Mutter der prominentesten 'Schulverweigerer' Deutschlands, schildert spannend und anschaulich, wie es kam, dass sie und ihr Mann trotz großer Bedenken den beiden Söhnen Moritz und Thomas erlaubten, frei zu lernen - ohne Schule und mittlerweile ohne jeglichen Pflichtunterricht. Wie funktioniert freies Lernen, und wie muss sich Schule verändern, damit es auch dort funktioniert? Was können Eltern und Lehrer tun? Mit ausführlichem Anhang zu pädagogischen und juristischen Fragen.
ISBN: 978-3-934719-34-1
Preis: 19,80 €/ 32,- sFr
Zur Autorin: Die Therapeutin und Publizistin Dagmar Neubronner, ursprünglich Diplombiologin, hat selbst Schule und Studium mit Auszeichnung abgeschlossen. Seit zehn Jahren betreibt sie mit ihrem Mann Tilman den Genius Verlag. Der besondere Lernweg ihrer Kinder, international als 'Homeschooling' bezeichnet, und ihr mutiger Widerstand gegen den spezifisch deutschen Schulzwang machte die Familie über Deutschland hinaus bekannt. Moritz und Thomas Neubronner, geboren 1996 und 1999, lernen seit Herbst 2005 frei.
Quelle: Genius Verlag


Internationales Homeschool-Kolloquium 23.-25. Mai 2008
das "International Home Education Colloquium" findet erstmals in den Niederlanden statt. Letztes Jahr auf Burg Rothenfels waren mehrere hundert Menschen für einige Tage wie in einer neuen Welt - überall Freilerner, Homeschooler und ihre Eltern sowie zahlreiche interessierte und engagierte Pädagogen, Philosophen usw.
Trotz der Bezeichnung "Kolloquium" war es schon im letzten Jahr (und im Jahr davor in Frankreich) eigentlich auch ein Festival der Begegnungen, an das wir alle voller Freude zurückdenken, und dieser lustvolle Charakter soll sich dieses Jahr noch verstärken. 
Info: www.home-education.nl
Jean Pol als Bildungsbotschafter am 01.06.08. im Imax in Regensburg. Dort wird der neue Film von Reinhard Kahl “Kinder” vorgestellt. Hier kann man sich über die Veranstaltung informieren: http://www.adz-netzwerk.de/bildungsbotschafter/index.php
Quelle: Weblog von Jeanpol

Familie und Kinder

Längere Zeit im Kindergarten gleicht Bildungslücken aus
Durch einen längeren Aufenthalt im Kindergarten können laut einer Studie Defizite des Elternhauses bei der Bildung ausgeglichen werden.
Quelle: Frankfurter Rundschau am 11.05.2008


Drei Jahre Kita machen fit für die Schule
Eine neue Bildungsstudie zeigt: Kinder, die eine längere Zeit im Kindergarten verbringen, können damit Defizite des Elternhauses ausgleichen. Die Forscher untersuchten besonders Kinder aus Migrantenfamilien.
Quelle: Tagesspiegel vom 11.05.2008
Familienpolitik: Die Verstaatlichung der Kinder
Deutschland ist ein armes Land - arm an Nachwuchs ...
Der Staat übernimmt die Funktion der Familie ...
Die beste Familienpolitik, so könnte man kurz sagen, wäre der Verzicht auf staatliche Familienpolitik. Im Gegenzug könnten die Steuern und Abgaben drastisch sinken - was hätten die Familien dann mehr Geld zur Verfügung.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung am Sonntag, den 11.05.2008

Schul(system)versagen ... ist das Versagen der Schule, nicht ihrer Schüler

Zu jung für die Schule: Viele Grundschüler sind überfordert
Etwa 2500 fünfeinhalbjährige Kinder werden schulpflichtig - Immer mehr brauchen sofort Nachhilfe.
Die Zwillinge Thomas und Tobias * sind gerade fünfeinhalb Jahre alt und noch überaus verspielt, ihre motorischen Fähigkeiten sind längst noch nicht voll ausgebildet. Geradeaus oder rückwärts zu laufen fällt ihnen ebenso schwer wie mit der Schere zu schneiden oder einen Stift zu halten.
Gegen den Willen der Eltern werden sie dennoch im Spätsommer 2007 eingeschult. Nach einem halben Jahr erhalten die Eltern einen Mahnbrief der Schule, der ihnen den Atem verschlägt. Darin werden die Söhne für ihr frühkindliches, nicht schulgemäßes Verhalten gerügt. Den Eltern wird vorgeworfen, mit ihren Kindern nicht genug zu üben und auch sonst ihre Erziehungsaufgaben zu vernachlässigen. Verzweifelt suchen sie daraufhin Rat bei einem Nachhilfeanbieter. ...
Quelle: Berliner Tagespost vom 4.05.2008


Studie unter 6300 Schülern in 7 Bundesländern:
Jedes dritte Schulkind von verbaler Gewalt betroffen
Jedes Dritte Kind sieht sich als Opfer von verbaler Gewalt.
Quelle: Focus Online am 14.05.2008

Leserecho

Lieber Herr Edel
Zwischendurch wieder mal ein Echo. Ihre Informationen sind zu viele, um sie alle zu verdauen. Offenbar haben Sie entweder liebe und gute Helfer oder aber ich weiss nicht, wann Sie Ihre Berufs- und Familienarbeit verrichten. Wie dem auch sei. Ihr Rundmail ist bis heute unübertroffen. - Erlauben Sie nur noch den Gedanken, dass manchmal etwas weniger vielleicht sogar mehr wäre.
Hier in der Schweiz, insbesondere im Kanton Zürich, sind wir noch dabei, Wege zu suchen (vielleicht eher zu erstreiten?), die Bildungsdirektorin (Sozialdemokratin) davon zu überzeugen, dass es Unsinn ist, für Bildung zu Hause ein Lehrerdiplom zu fordern. Die "Frau Wilhelm Tells" meint dazu etwa: Ein Lehrerdiplom bestätigt doch nur, dass der Inhaber trainiert worden ist, schulische Massenabfertigungen gegenüber Schülern vorzunehmen. Insofern gibt es nichts ungeeigneteres für Bildung zu Hause, als ein ausgebildeter Lehrer zu sein.  - Gemäss Bildungsexperte Prof. Hartmut von Hentig, geschieht Bildung immer und überall, egal ob in der Schule oder nicht, einfach dort, wo das Leben des Kindes "stattfindet". Insofern sind Eltern immer auch Lehrer, soweit sie ihr Leben mit den Kindern teilen. Auch wo dies nicht geschieht, lernen die Kinder von ihren Eltern, auch wenn sich diese lieber dem persönlichen Konsum der Tatenlosigkeit oder ihr Leben in Karriere oder Unsinn verplempern.
Bezüglich der gesamtschweizerischen Initiative HarmoS (Schulharmonisierung in der Schweiz) erwachen einige Tiefschläfer in Parteien und Organisationen. Das Schulobligatorium ab vollendetem 4. Lebensjahr scheint doch ein paar Leute zu beunruhigen (obwohl allerorts die meisten Eltern ihre Schützlinge in einer grossen Selbstverständlichkeit ab 4. Altersjahr ihre Kinder in den freiwilligen, staatlichen Kindergarten schicken). Eigenartig: hiesse es Schulobligatorium ab vollendetem 6. Lebensjahr (so ist es meines Wissens generell heute), würden die Tiefschläfer unbehelligt weiter schlafen. Einzig der um zwei Jahre vorverschobene Schuleintritt, wollen ein paar gewitzte Politiker für sich ausschlachten. Jede weitere Gedankenarbeit bezüglich Staatsschulobligatorium verweigern die meisten Tellensöhne. Sie sehen: Wir sind dabei, den Vorsprung Deutschlands wettzumachen. Klar arbeite ich als Bremser und tue zusammen mit ein paar Überzeugten, das beste, um in eine andere Richtung zu arbeiten.
Ihre Arbeit verdanke ich ganz herzlich und grüsse sie aus dem Land des Wilhelm Tell
Rudolf Schmidheiny

9. Mai 2008

Bildung zu Hause - Eine sinnvolle Alternative

Eine Buchvorstellung von Stefan Sedlaczek, Chefredakteur des Online-Magazins "bildungsfreiheit.org"
Quelle: bildungsfreiheit.org am 09.05.2008