6. Juni 2008

Leserechos

mein sohn ist 12, ist viereinhalb jahre lang zur schule gegangen
(grundschule & dann noch ein halbes jahr gesamtschule)
& lebt/lernt nun seit fast anderthalb jahren daheim. unterbrochen von
einem kurzen versuch mit einer sudbury-schule, der aber
nicht funktioniert hat.

mit 'durchstehen' meine ich zb dass was auch im text vorkommt:
bevormundung, zwang, gängelei. der druck, sich einfügen zu
sollen, mitmachen, funktionieren zu sollen, nicht seinem eigenen weg
folgen zu dürfen. beurteilung in jeder hinsicht, nicht so
sein gelassen & akzeptiert zu werden wie eineR ist.

die sprüche, die ich gehört habe, waren meist: dein sohn macht nicht
mit, macht was er will, fügt sich nicht ein, redet dazwischen,
quatscht die ganze zeit mit dem nachbarn, verweigert sich ... die
lehrerInnen in der grundschule haben immerhin auch noch andere
aspekte seines verhaltens & seiner persönlichkeit wahrgenommen & erwähnt
(da war es eh noch relativ okay, sie haben die kinder
sehr individuell angenommen & sie einigermassen machen lassen - immer im
rahmen des plans, aber immerhin), an der gesamtschule
interessierte dann aber ausser dem funktionieren im unterricht nichts
mehr ... mein sohn war nach dem ersten tag dort gleich erstmal
3 tage "krank". dann hab ich ihn wieder dorthin "gedrängt" :( ... in den
folgenden monaten konnte ich zusehen, wie mein vorher so
fröhlicher, an allem interessierter, hochbegabter sohn immer schlechter
drauf war, unglücklicher, aggressiver wurde. dauernd
starke kopfschmerzen hatte. seinen wissensdurst & sein interesse verlor,
sich in der schule zunehmend verweigerte ... im wesentlichen
hat er in diesem monaten vermeidungsstrategien & lügen gelernt. so ab
dezember weigerte er sich immer öfter & schliesslich ganz,
dort hin zu gehen ... cecilia in homeschooling_D bei yahoo am 30.05.2008


Wir sind Studierende der Uni Paderborn und suchen im Rahmen einer Forschungswerkstatt Familien, die zu Hause unterrichten, um Sie zum Thema Homeschooling zu befragen. Unsere Untersuchung dazu hat zum Ziel, einen Eindruck davon zu bekommen, wie sich die Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, entwickeln. Diese Ergebnisse wollen wir mit Kindern, die die Schule besuchen, vergleichen. Dazu wollen wir Homeschooling-Familien befragen.
WIR BRAUCHEN JEDE HILFE! MELDET EUCH ZAHLREICH!
Vielen Dank schonmal im Voraus.
PS: Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt.
Kontakt: rachel_haas@web.de
Sehr geehrter Herr Edel, wir stellen derzeit erste Überlegungen an, uns einen Zweitwohnsitz im Ausland zuzulegen. Da wir in der Wahl des Landes ganz frei sind, wollte ich mich bei Ihnen erkundigen, ob eines unter dem Gesichtspunkt des Homeschooling und des Umgangs damit besonders anzuraten ist. Ich freue mich auf Ihre Antwort!
Mit freundlichen Grüßen Ihre M.H.

Eine gute Idee. Wenn Sie auf Deutschsprachigkeit Wert legen, käme Dänemark oder auch Belgien (deutschsprachige Gemeinschaft dort) ganz gut in Frage.
Polen, wegen der Nähe, ist z.Z. auch in Regierungskreisen recht aufgeschlossen, es gibt dort aber bereits jetzt schon keine Probleme.
In Österreich muss man sich registrieren lassen und jährliche Beurteilungen bestehen. Das ist in den zuerst genannten Ländern und in allen englischsprachigen Ländern anders. Wenn Englisch kein Problem oder sogar erwünscht ist, ist Irland, Schottland oder England innerhalb Europas die beste Wahl, weil es dort auch die meisten Familien gibt, mit denen man sich zusammen tun kann.
Aber auch Frankreich (Fernschulschwerpunkt), Tschechien (Stammschulprinzip) oder auch Italien (Sonne; Freiheit; und Südtirol hat auch sehr gute Möglichkeiten in deutschsprachigen Schulen) haben ihre Vorzüge.
Herzliche Grüße,
Jan Edel


Hallo Jan, ich hab` gerade mein drittes und viertes Ausbildungsmodul EU Fundraising
genossen und bin sehr zuversichtlich, dass mein Wissen, dass ich erwerbe, dazu beiträgt den Schulzwang ad acta zu legen. Vielleicht machst du noch ein wenig Werbung für meinen Aufruf, obwohl ich davon überzeugt bin, dass ich die Finanzierung hinbekomme. Viel wichtiger wird die zukünftige Vernetzung sein. Ich möchte in kleinen Schritten immer ein Stück weiter gehen. Wobei ich meine Rolle darin sehe, die entsprechenden Mittel zu besorgen. Erst einmal "Moin". Üwken
Bankverbindung Netzwerk Bildungsfreiheit e. V. Kto.nr.: 61 727 108  BLZ.: 67 091 500
Volksbank Neckar Bergstrasse, Zweck: EU Fundraising
Lieber Jan, könntest Du mir eventuell helfen - mir ist ein wichtiger Text durch die Maschen gegangen. Es wurde Funktion und Mechanismus der gezielten, staatlich gelenkten Minderbildung genau erklärt. Ich find ihn einfach nicht wieder. Falls Du spontan eine Idee dazu für mich hättest, wäre das wunderbar. Viele Grüße M.
Hab es wieder gefunden. Der amerikanische Pädagoge John Taylor Gatto hat die Gründe für den Siegeszug dieses Modells im Industrialismus so beschrieben: Das System ziele darauf ab, "mittelmäßige Geistesschärfe zu produzieren, um das innere Leben zu verkrüppeln, um den Schülern nennenswerte Führungsqualitäten zu verweigern und um fügsame und unvollendete Bürger zu garantieren", kurz und gut, "um das gemeine Volk , kontrollierbar' zu machen". Man kann sich bis heute im Land überall davon überzeugen, wie erfolgreich das System war und ist. Viele Grüße M.

31. Mai 2008

Nachgehakt: Schulbesuchszwang zwingend?

Frage von Johanna Elser am 25.05.2008 auf www.abgeordnetenwatch.de
Sehr geehrter Herr Frankenhauser,

vielen Dank für Ihre Antwort. Leider sind Sie ja eher auf die Schule eingegangen, als auf die Option nicht auf staatliche Hilfe zu rekurrieren.
Hier haben Sie auch §7 genannt.
Dem wollte ich einige Anmerkungen anfügen - auch wenn ich weiß, dass Ihre Zeit wahrscheinlich sehr knapp bemessen ist.

Zuerst einmal wollte ich den §6 anführen. Dieser gibt der Familie den absoluten Vorrang und folgende Passage ist besonders wichtig:

(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.

Unter Trennung verstehe ich auch eine zeitweilige, oder ist das anders gemeint?

Sie haben in Ihrer Antwort geschrieben:
Den regelmäßigen Schulbesuch von Kindern halte ich für unverzichtbar für die Entwicklung ihrer sozialen Kompetenzen und für die pädagogische und altersgerechte Wissensvermittlung durch staatlich ausgebildete Lehrkräfte.

Das bedeutet, dass Sie den Eltern und der Nachbarschaft generell unterstellen, dieses für Ihre Kinder nicht ebenso leisten zu können, wie "Lehrer". Ob die Eltern selber Lehrer sind z.B. ist hier (für Sie) uninteressant.

Leider widerspricht diese Antwort meinem Bild von Rechtsstaatlichkeit:
Ob Eltern schlechter sind als Lehrer muss in jedem Fall (indem Eltern das für sich beanspruchen) einzeln nachgeprüft werden. Alles andere ist eine pauschalisierte Vorverurteilung.

Der Verweis auf Landesgesetze gilt hier nicht, da die Familie und der §6 meines Wissens nicht nachgeordnet sind.

Niemand kann seinen Kindern guten Gewissens empfehlen die Schule zu besuchen, solange diese Regelung den Besuch zu einem Zwang macht.
Also Sorgerechtsentzug, Bußgelder und Verbringung durch Polizei die Konsequenzen sind - solange das Kindeswohl nicht gefährdet ist.

Können Sie sich wirklich keine Versöhnung mit Homeschoolern vorstellen (unter §6)?

Mit freundlichen Grüßen

Johanna


Antwort von Herbert Frankenhauser (MdB) vom 27.05.2008
Sehr geehrte Frau Elser,

vielen Dank für Ihre Nachfragen zum Thema "Homeschooling" vom 25. Mai auf Abgeordnetenwatch.

Der von Ihnen erwähnte Gesetzestext beinhaltet Regelungen über den Entzug der Vormundschaft der Eltern. Er regelt, dass der Staat unter bestimmten Voraussetzungen die Kinder den Eltern entziehen darf, wenn Leib und Leben der Kinder in Gefahr sind. Der Gesetzgeber hat hier aber sehr enge Grenzen gesetzt, die für "Ihren Fall" wohl kaum Anwendung finden.

Mit meiner vorherigen Antwort habe ich nicht unterstellen wollen, dass es die Aufgabe von Schulen oder Lehrern wäre, für die Erziehung der Kinder zu sorgen, das ist die Aufgabe der Eltern. Das soziale Umfeld in Schulen ist aber in der Regel gut geeignet für die Entwicklung der Kinder, diese können ja nicht ihr ganzes Leben lang in der Familie bleiben und lernen so bereits in der Schule den Umgang mit anderen Menschen.

Zuletzt möchte ich Ihnen noch sagen, dass mein Verweis auf die Landesgesetze ebenfalls anders gemeint war. Sie scheinen mit den Inhalten, die Kinder auf staatlich anerkannten Schulen vermittelt bekommen, nicht einverstanden zu sein. Für diese Inhalte sind jedoch die Bundesländer zuständig und nicht der Bund. Meine Antwort zielte also darauf ab, dass Sie sich an das Bayerische Kultusministerium wenden sollten, wenn Sie sich für eine Änderung der Lehrinhalte dahingehend einsetzen, dass Sie keine Notwendigkeit für "Homeschooling" mehr sehen.

Abschließend möchte ich Ihnen, sehr geehrte Frau Elser, noch sagen, dass ich weiterhin davon überzeugt bin, dass Kinder eine staatlich anerkannte Schule besuchen müssen.

Mit freundlichen Grüßen
Herbert Frankenhauser, MdB


Kommentar SF e.V.: Es mag sein, dass das soziale Umfeld in Schulen "gut geeignet" für die Entwicklung eines Kindes ist - wer auch immer dieses "gut geeignet" zu bestimmen und zu beurteilen vermag. Trotzdem scheint es aber zu viele Ausnahmen von dieser Regel zu geben und daher ist es unzulässig, für ausnahmslos alle Kinder und Jugendlichen Schulbesuch zu erzwingen. Also: Mit welchem Recht überhaupt darf Schulzwang demokratisch, also per Mehrheitsbeschluß, bestimmt werden?
Die Faszination an Homeschooling besteht ja auch darin, sich durch niemanden etwas vorschreiben zu lassen und durch nichts fremdbestimmt zu werden, solange eigenverantwortlich für das Wohl und eine gute Bildungskultur von Eltern und Kindern gesorgt werden kann.

Interessante Links

Schule als Ort der Muße - Der wahre (ursprüngliche) Sinn der 'Scholé'
Quelle: bildungsfreiheit.org am 21.05.2008


Wenn der Schulvogt zuschlägt…
4000 Franken Busse
Von Chefredaktor Ulrich Schlüer
... Wer entscheidet: Eltern oder Behörden? Der Schulrat lehnte alle sechs Gesuche ab: Nach neuem Gesetz gelte die Schulpflicht mit fünf generell. Nur «triftige Gründe», z.B. eine schwere Behinderung, würden eine Ausnahme erlauben.  ... 
Der Entscheid von Familie Holdener, ihren ältesten Buben erst im August 2008 einschulen («Einschulung» bezieht sich heute noch auf den Kindergarten, mit dem HarmoS-Beitritt dann auf die neue «Basis-Stufe» mit schulischem Charakter) zu lassen, hat den Staat – mit Ausnahme der von der Verwaltung selbst veranlassten Umtriebe – keinen Franken gekostet. Holdeners Ältester geht einfach ein Jahr später zur Schule. Die saftige Busse diente einzig dazu, einer eigenständigen, für ihre Kinder nach bestem Wissen und Gewissen sorgenden Familie zu demonstrieren, dass die hohen Herren der Obrigkeit nicht mit sich spassen lassen: Widerrede von Untertanen wird nicht geduldet.
Besser-Wisser mit Machtmitteln zerstören die Volksschul-Demokratie.
Quelle: Schweizerzeit am 30.05.2008
Anmerkung: Die Schweizer Rechtschreibung schreibt Busse statt Buße vor. Für Franken und andere Deutsche kann das vielleicht zu Verwirrungen führen. Wichtiger allerdings zu wissen ist, dass es auch in der Schweiz Möglichkeiten der freien Bildung gibt, wenn rechtzeitig ein entsprechender Antrag gestellt wird. Wer sich jedoch dem Schulsystem verschreibt, muss sich auch seinen Ordnungen leben.
Hochbegabt: Zehnjähriger will jetzt Astrophysik studieren
Mit acht Jahren gab er Kommilitonen Nachhilfe, mit zehn steuert er stramm auf den College-Abschluss zu und hat den Notenschnitt Eins plus. ...
Moshes Eltern vermeiden es, ihr Kind ein Genie zu nennen. Er sei ein normales Kind, er lerne ebenso gern, wie er Fußball spiele, Jackie-Chan-Filme schaue und Spielzeugautos sammle. ...
Mit sechs schickten sie ihn in auf eine private Grundschule - aber die wollte "mich nicht nehmen, weil ich mehr wusste als der Lehrer dort", erzählt Moshe. "Ich soll zu gelangweilt geschaut haben." Also unterrichteten die Eltern Moshe zunächst zu Hause, entschieden sich aber nach zwei Jahren, ihn zum East Los Angeles College zu schicken. Am Anfang besuchte er nur zwei Kurse, einen für Mathematik und einen für Sport. Er schaffte in beiden eine Eins Plus und durfte danach weitere Kurse belegen. ...
Quelle: Spiegel am 23.05.2008
Anmerkung: In Deutschland würde dieses Kind zwecks ordentlicher Sozialisation zunächst mindestens 10 Jahre in verschiedene Schulen gezwungen werden.
Generalschlüssel der Bildung
Das Internationale Abitur (IB) verschafft auch deutschen Schülern problemlos den Zugang zu Hochschulen in mehr als 100 Ländern. Nur im eigenen Land ist der Abschluss nicht überall anerkannt. ...
Quelle: Die Welt am 25.05.2008
Freie Schulen
Lernen ohne Regeln
Keine Pausenklingel, kein Frontalunterricht, keine Noten: Freie Schulen haben fast nichts mit dem Pauken an staatlichen Schulen zu tun. Die Kinder dürfen lernen, was und wann sie wollen. So auch in der Montessori-Schule in Berlin Köpenick. Lehrer sind hier "Begleiter" - und den Schülern tut es scheinbar gut. ...
Quelle: Stern am 24.05.2008
Schwerpunkt Bildung bei brand eins 5/2008 (im Magazin "Dummheit gibt's gratis")

Quelle: brand eins Online am 26.05.2008

Termine

Kinder! - ein Film über das Lerngenie der Kinder
Der Film "Kinder!" am 1. Juni (Internationaler Kindertag) in 32 Kinos
Reinhard Kahls neue Dokumentation Kinder! im Kino.
Albert Einstein antwortete einmal auf die Frage, wie er sich seine Entdeckungen erkläre: "Weil ich das ewige Kind geblieben bin." Bereits vor der Schule lernen die Kinder viel. In der Schule selbst verlernen einige dann wieder das Lernen.
Kinder sind die geborenen Lerner. Aber ihr Lerngenie wurde lange nicht weiter beachtet, begann das richtige Lernen doch erst mit dem Ernst des Lebens, der Schule. Dort verlernen sie aber häufig das Lernen - immer noch. Dabei ist es dem Forschen von Wissenschaftlern viel verwandter, als den bekannten Ritualen der Schule.
Quelle: Blog Ratgeber Kinderbuch


Themenschwerpunkt Schule vom 26. bis 31. Mai 2008 in Deutschlandradio Kultur. Jeden Tag soll es um ein spezielles Thema gehen: Frühkindliche Bildung, Grundschule, Haupt-, Real- und Gesamtschule, Gymnasium, berufliche Bildung.
Quelle: dradio am 26.05.2008
Conference 12/13/14 September 2008 in Arbroath, Angus, Scotland
International Freedom in Education Celebration 2008
Learning without Limits: a celebration of choice, diversity and freedom in education
Keynote speakers are John Taylor Gatto, New York and Iain Nisbet, Education Law Unit, Govan Law Centre, Glasgow.
Formal conference, informal conference and family activities
Organised by Scotland's national home education support organisation, Schoolhouse
Quelle und Info: http://www.schoolhouse.org.uk/news/events.html

Familien und Kinder

Unicef-Bericht: Warum von der Leyen mehr arme Kinder zählt als Scholz
Familienministerin kündigt höheres Kindergeld für große Familien an - SPD hält Ausbau der Infrastruktur und kostenloses Schulessen für sinnvoller
Quelle: Die Welt am 27.05.2008


Jedes sechste Kind von Armut bedroht
Die Armutsdebatte spaltet die Bundesregierung .. .
Nach einem Bericht des Familienministeriums sind 17 Prozent der Kinder (jedes sechste Kind) in Deutschland von Armut bedroht. Knapp 40 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden gelten als arm, ebenso 30 Prozent der Kinder aus Migrantenfamilien. Am stärksten betroffen sind Kinder und Jugendliche in Haushalten mit Hartz-IV-Bezug. Hier liegt das Armutsrisiko bei 65 Prozent. ...
Quelle: Finacial Times Deutschland am 26.05.2008
Prognos-Institut: Kinderarmut größer als erwartet
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat davor gewarnt, die Armut von Kindern in Deutschland zu unterschätzen. Sie legt alarmierende Zahlen vor. ...
Quelle: Focus am 26.05.2008

Schul(system)versagen ... ist das Versagen der Schule, nicht ihrer Schüler.

Brücken statt Barrieren
Beim Übergang von der Kita zur Grundschule bleiben viele Kinder auf der Strecke
...
Es gibt solcher Vorzeigepartnerschaften in Brandenburg. Doch noch immer sind sie die Ausnahme. „Übergänge von einer Einrichtung zu anderen stellen noch zu häufig eher Barrieren als Brücken dar“, sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gestern zur Eröffnung des Bildungskongresses „Zwei Partner – eine Philosophie“ in Potsdam. Mehr als 250 Experten aus Kitas, Schulen, Kommunen, Politik und Wissenschaft berieten, wie durch eine bessere Gestaltung des Wechsels von der Kita zur Schule die Bildungschancen für Kinder gestärkt werden können. „Wir wollen kein Kind zurücklassen“, betonte Platzeck. Doch genau das passiert in vielen Fällen: Die individuelle Förderung von Kindern kommt schon in den ersten Lebensjahren zu kurz. ...
Quelle: Märkische Allgemeine am 27.05.2008


Porno- und Gewaltvideos an Schulen allgegenwärtig
Kinder und Jugendliche sind immer früher mit extremen Porno- und Gewaltvideos aus dem Internet konfrontiert. Das beklagt der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Jugendgefährdendes Bild- und Textmaterial würde beispielsweise zehnjährigen Mädchen in Schulpausen gezeigt - mit entsprechenden Folgen für die Entwicklung der Kinder. ...
Quelle: Golem am 22.05.2008
Studie: Schulbesuch Schlüsselfaktor für Alkoholismus
... Die letzte Einsicht zur Frage, "warum einige Iren so viel trinken", identifiziert eine Quelle für die Faktoren zu hohem Alkoholkonsum.
Die stärksten Trinker sind männliche Jugendliche, die entweder reine Jungenschulen, Internate oder anglikanische Regelschulen* besuchen, wie der Bericht herausstellt.
Der Bericht basiert auf einer Studie unter 4.450 Studenten des Universitätskollege Dublin (UCD), die im Jahre 2006 von Forschern des UCD Geary Instituts ausgeführt und finanziell vom Sprirituosengiganten Diageo unterstützt wurde. ...
Quelle (engl.): National News (of Ire) am 27.05.2008
* Fast alle Schulen in Irland sind privat, aber staatlich bezahlt und kirchlich geführt.
Missbrauch an Schule: Immer mehr Opfer
... Seit Mitte Mai befindet sich ein Schulwart aus dem Bezirk Melk wegen des Verdachts, elf Kinder sexuell belästigt zu haben, in Untersuchungshaft. Nun dürfte sich der Fall noch ausweiten: Laut Kriminalisten dürfte es noch weitere sieben Opfer geben. Die drei Mädchen und vier Buben gaben an, dass sie von dem 53-Jährigen sexuell belästigt worden seien. In dem Ort sitzt der Schock tief.
"Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Es kann sein, dass sich noch mehr Opfer melden. Der Schulwart war ja mehr als zehn Jahre an der Volksschule beschäftigt", berichtet ein Kriminalist. ...
Quelle: Kurier (A) vom 29.05.2008
15-Jährige von zwei Mädchen auf dem Schulhof misshandelt
... "Eine hat das Mädchen gehalten, die andere schlug zu - und traf es mindestens zehn Mal mit voller Wucht ins Gesicht", sagt ein Polizist. Danach entfernten sich die beiden 16-Jährigen - um eine Zigarette zu rauchen....
Das aus dem Mund blutende Opfer wurde von seinem Vater ins Landeskrankenhaus Villach gebracht. Die Diagnose: starke Prellung am Kopf, Kieferprellung sowie ein abgebrochener Zahn. Die beiden 16-Jährigen werden wegen Körperverletzung angezeigt.
Quelle: Kleine Zeitung (A) vom 29.05.2008
Die Diskussion um die sechsjährige Grundschule
Am Ende der sechsten Klasse lägen die Grundschüler bis zu zwei Jahre zurück hinter den Altersgenossen, die aufs Gymnasium gegangen sind, so das Fazit von dem Bildungsforscher Rainer Lehmann der Berliner Humboldt-Universität zur Untersuchung über die Lernzuwächse Fünft- und Sechstklässler an 69 Berliner Grundschulen und 31 Gymnasienin in Lesen und Mathematik.
Quelle: Deutschlandfunk am 24.05.2008
Teure Privatschulen - Noch ist Schulgeld steuerlich absetzbar
Eltern, die ihre Kinder auf eine Privatschule schicken, können das Schulgeld steuerlich gelten machen - allerdings nicht mehr lange: Ab 2011, so hat das Bundesfinanzministerium angekündigt, sollen Kosten für Privatschulen nicht mehr von der Einkommenssteuer abgesetzt werden dürfen. ...
Quelle: Deutschlandfunk am 23.05.2006
Null Bock auf Schule.
... Bundesweit steigt die Zahl der Schulverweigerer. Zehn Prozent aller Jugendlichen stehen nach Hagedorns Kenntnis ohne schulischen Abschluss da. Das vom Sozialfonds der EU mit 65 Prozent geförderte Projekt "Die 2. Chance" will die Reintegration in die Regelschule erreichen, gleichzeitig soziale Unterstützung geben. Von dem Angebot wissen alle Regelschulen.
Quelle: tlz.de am 27.05.2008
"Wir werden alle kriminalisiert"
Willkommen auf dem Big-Brother-Schulhof: Die Leiter mehrerer Wiener Schulen wollen Kameras an die Wände schrauben, um Vandalismus zu verhindern. Muss das sein? Schüler fühlen sich pauschal verdächtigt und wehren sich gegen eine Schule mit 1000 Augen.
Quelle: Spiegel Online am 28.05.2008

Leserechos

Betreff: Schulrecht Italien
Hallo, Herr Edel, haben Sie Informationen darüber, ob Homeschooling für Ausländer in Italien möglich ist? Seit 2004 gibt es eine allgemeine Schulpflicht, aber es ist mir nicht gelungen, Regelungen für Ausländer zu finden. Herzliche Grüsse. Kati G.

Hallo, die sogenannte allgemeine Schulpflicht in Deutschland unterscheidet sich von den allgemeinen Schulpflichten unserer Nachbarländer. So auch in Italien. Dort sind im Rahmen der "Schulpflicht" natürlich auch Modelle des Homeschooling möglich, selbst für Italiener. Diese und Ausländer sowieso können eigene Schulen, inländische oder auch ausländische Fernschulen wie z.B. die Clonlara School (www.clonlara.de) oder die Calvert School (http://www.calvertschool.org) belegen. Viele Grüße, Jan Edel


Wie kann es angehen, dass Eltern als Verbrecher dargestellt werden, wenn sie ihre Kinder vor Übergriffen in der Schule schützen wollen?
Und von richterlicher Seite gedroht wird, noch nicht mal daran zu denken, wegzuziehen.
Ich habe den Glauben an die Worte Gerechtigkeit und Demokratie verloren. Marlene
Liebe Fam. Edel, ich bin eine Mutter deren Kind eine katastrophale Laufbahn in der Schule erlebt hat. Ich spreche von Schikanen, Mobbing, Diskrimminierung, Selektierung, systematisch betriebener Ausgrenzung meinem Kinde und mir gegnüber, die bis hin zum Rufmord reichen, kurz gesprochen von menschenunwürdigem Verhalten, welche von Seiten der Pädagogen bis hin zur Schulleitung und darüber hinaus betrieben werden. Ich benötige Rat und Unterstützung, um mein Kind effektiv weiterhin zu schützen. Ich wäre Ihnen dankbar und verbunden wenn Sie sich baldmöglichst bei mir melden könnten. Liebe Grüsse R.M.

23. Mai 2008

Lernen, wo es am Schönsten ist

Groenevelds sind eine multinationale Familie aus Südafrika, mit holländisch-italienisch-irischen Wurzeln. Steven Groeneveld ist seit über 20 Jahren in Südafrika, Italien, USA und Deutschland als hochspezialisierter Flugzeugbau-Ingenieur tätig, derzeit bei einem internationalen Konzern in Bremen. Groenevelds wollen ihre 4 Kinder, zwischen 5 und 14 Jahren, trotz der häufigen Umzüge, optimal fördern und bilden. Daher haben sie sich für den Bildungsweg des freien Lernens ohne Schule (Homeschooling/Unschooling) entschieden, der weltweit immer mehr Zulauf erhält. So werden die Kinder nicht zwischen unterschiedlichen Schulsystemen und Sprachen zerrieben und erhalten eine kontinuierliche Bildung in ihrer Muttersprache, Englisch. Ihr Lernen wird von der ebenfalls akademisch gebildeten Mutter, die früher selbst als Lehrerin und Journalistin tätig war, betreut und begleitet.
Seit 4 Jahren leben Groenevelds in Lilienthal bei Bremen, wo ihre Kinder in zahlreichen Gruppen und Vereinen aktiv waren und viele Freundschaften geschlossen haben. Von ihren deutschen Vereinskameraden und Freuden haben sie auch sehr gut Deutsch gelernt. Seit vielen Monaten sehen die Kinder ihren Vater nur noch selten, denn die deutschen Schulbehörden haben die Familie gezwungen die Bildung ihrer Kinder im Ausland fortzusetzen. Der Vater lebt derzeit überwiegend allein im Zuhause der Familie in Lilienthal, und ärgert sich: "Allen Ländern, die aufgrund meines Berufs in Frage kommen, ist lernen ohne Schulbesuch selbstverständlich möglich. Nur in Deutschland besteht man seit 1938 auf einer völlig überholten Schulanwesenheitspflicht."
Besonders empörend finden Steven und Rina Groeneveld, dass deutsche Familien im Ausland mit Billigung des Auswärtigen Amtes sehr wohl ohne Schule lernen dürfen und anschliessend problemlos einen deutschen Schulabschluss erhalten, Ausländer in Deutschland jedoch in die deutsche Schule gezwungen werden. "Deutsche im Ausland nehmen die dort herrschende Bildungsfreiheit gern für sich in Anspruch. Ausländer, die nur vorübergehend in Deutschland sind, werden mit einem uralten Gesetz unter Druck gesetzt und kriminalisiert. Das ist doch lächerlich!"
Groenevelds verstehen auch nicht wieso der deutsche Staat seine Bürger in Sachen Bildung so bevormundet. Sie empfinden das als Anmaßung. "Unsere irischen und südafrikanischen Freunde und Verwandten wollen uns das gar nicht glauben und regen sich sehr darüber auf. Sie sagen dann, es sei doch gut, dass wir dieses schreckliche Land verlassen haben. Aber die Kinder haben sich in Deutschland sehr wohl gefühlt und würden gern wieder bei ihrem Papa sein." Daher kämpft die Familie, wie die Bremer Familie Neubronner, für ihr Recht, in Deutschland Homeschooling zu betreiben. Sie wurde jetzt zu einer Anhörung vor das Verwaltungsgericht Stade geladen, am 02.06. am 10:45 Uhr findet die mündliche Verhandlung statt.
Für Ingenieur Steven Groeneveld steht fest, "Wenn man uns zwingen will, die Kinder in eine Schule zu schicken, suche ich mir lieber einen Job außerhalb Deutschlands." Die Familie kennt mehrere Fälle, wo hochqualifizierte Kollegen der Bildungskontinuität ihrer Kinder zuliebe ebenfalls eine Vorübergehende Trennung in Kauf nehmen und in Deutschland als Strohwitwer leben. Andere haben sich wegen des "German Schulzwang" von vorn herein gegen Jobangebote aus Deutschland entschieden. Aber, "Das ist, trotz des Fachkräftemangels, den deutschen Behörden offenbar egal.", wundern sich Groenevelds. Ihre Petition an die EU wurde angenommen, aber bis die Europäische Gemeinschaft sich um das Thema kümmert, wird noch einige Zeit vergehen - vielleicht zu viel, um für Familie Groeneveld noch hilfreich zu sein.

Weitere Information:
Email: rinagroeneveld@hotmail.com
RA Matthias Westerholt 0421 1655290

Interessante Links

Homeschooling - eine neue Form der Bildung der Schüler aus den USA, die durchaus in der Kritik steht. Denn wie der englische Name schon andeutet, werden die Kinder in ihren Kinderzimmern Zuhause betreut und geschult. (Anm. d. Redaktion: Das erfasst natürlich gar nicht, was Homeschooling bedeutet!) ...
Der Zusammenhalt in der Familie wäre u. a. unumstritten einer der Besten.
Vielleicht sollte man über eine erlaubbare, aber auch strenge gesetzliche Bestimmung mit Anträgen und Mitbestimmung der Kinder nachdenken. Ob sich die Befürchtungen von radikalen Schulschließungen herausstellen werden, wird sich zeigen. Doch eines ist klar und wird auch immer so bleiben: Die Entscheidung seine Kinder in eine Bildungseinrichtung schicken zu können.
Quelle: indymedi.org am 21.05.2008


Wenig Ahnung
Bremerhaven ist für Schulverweigerer ein teures Pflaster. Ansonsten weiß die Schulbehörde wenig über das Thema ...
Seit dem November 2003 sind in Bremen jedes Jahr rund 300 Fälle von Schulpflichtverletzung den Behörden gemeldet worden, insgesamt 2.957 - davon 2.425 in Bremen und 532 in Bremerhaven. ...
In wie vielen Fällen der formellen Schulpflichtverletzung ein "Home-Schooling", also eine private Unterrichtung stattfand, hat die Behörde auch nicht erhoben. Mehrere Familien, die wegen "Home-Schooling" aufgefallen seien, seien ins Ausland gegangen, so der Senat.
Quelle: taz am 22.05.2008
Kinderillusionen
1968 und die Pädagogik
Das Ringen um die Kinderherzen, es war vor 40 Jahren - neben der Auseinandersetzung mit dem Staat - die zweite Hauptkampflinie aller Aufbruchsbewegten. Schließlich galt es nicht nur, überkommene Strukturen zu beseitigen, nein, auch ein neuer Mensch sollte geschaffen werden. (Anm. d. Red.: Nur der Schulzwang selbst wurde nicht angegangen, er wurde benutzt) ...
Quelle: Deutschlandradio Kultur am 19.05.2008

Zitate

Die einzige Zeit, die meine Bildung unterbrochen war, war die in der Schule.
George Bernard Shaw


Laß Schule sich nicht in deine Bildung einmischen!
Mark Twain
Nicht für das Leben, sondern (nur) für die Schule lernen wir.
Der jüngere Seneca 4-65 n.Chr., Ep. 106
(Wird erst seit dem Mittelalter verdreht, im Original beklagt Seneca das lebensferne Schulsystem)
weitere Zitate: http://www.homeschooling.de/zitate.htm
aus der Schulpolitik: http://www.homeschooling.de/zitate2.htm
aus der Literatur: http://www.homeschooling.de/zitate3.htm
(ge)wichtige: http://www.homeschooling.de/zitate4.htm